Rodalben
Städtebauliche Entwicklung: Was für Krankenhaus und Stadt möglich ist
Seit den Anfängen der jetzt zweiten städtebaulichen Sanierung in Rodalben hatte sich der Stadtrat dafür ausgesprochen, das Fördergebiet über den Stadtkern hinaus auf die Fläche des Krankenhauses und das Gelände der alten Servas-Schuhfabrik auszuweiten. Die Umsetzung des Vorhabens „Aldi-Bau“ war fragwürdig geworden und es wurde nach Alternativen Ausschau gehalten. Das Unternehmen Riekers als Eigentümer der Industrieruine ließ mehrere Anfragen der RHEINPFALZ nach weiterer Verwendung unbeantwortet.
Die Ausweitung des Sanierungsgebiets lehnte die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) zunächst ab, sodass der Stadtrat notgedrungen vor fast genau einem Jahr im Juni 2023 dem enger abgegrenzten Sanierungsgebiet zustimmte. Bei weiteren Gesprächen verwiesen Stadt und Planungsbüro immer wieder auf die große Bedeutung der herausgenommenen Flächen. So wurde der erste Entwurf überarbeitet und es entstand die Endfassung mit dem nun erweiterten Fördergebiet.
Gesunddenken: Tätigkeit beendet
Unabhängig davon lagen die Pläne der Firma „Gesunddenken GmbH“ mit Sitz in Soest (Nordrhein-Westfalen) um Geschäftsführer Ingo Jakschies für das Krankenhaus bereits auf Eis. Jakschies sollte im Einvernehmen mit dem Stiftungsrat die Planung eines „Gesundheitszentrums“ auf den Weg bringen – mit möglichen Bausteinen wie Reha-Sport, Selbsthilfe- oder Kneipp-Gruppen sowie Hilfeleistungen als Alternativen zur klassischen stationären Versorgung.
„Mit der Übergabe des Gutachtens für das Krankenhaus war die Tätigkeit von ,Gesunddenken’ zunächst beendet; wir stehen aber weiterhin für eine Umsetzungsbegleitung zur Verfügung, und ich sehe auch eine Chance für Rodalben als Gesundheitsstandort“, antwortet Jakschies per E-Mail auf eine RHEINPFALZ-Anfrage. „Das Heft des Handelns liegt bei der Stiftung und beim Krankenhaus Pirmasens als dem aktuellen Nutzer des Geländes. Pirmasens hat einen Sieben-Jahres-Vertrag, da ist in dieser Zeit für uns nichts umsetzbar.“
„Es ist aktuell nichts Konkretes zu vermelden“, lautet die Stellungnahme von Pfarrer Franz Ramstetter, von Amts wegen Vorsitzender des Stiftungsrates. Man sehe aber, dass das Gebäude „in Schuss gehalten“ werde für eine künftige Weiternutzung.
Renovierungsarbeiten im Krankenhaus
Und doch keimt mit der Einbeziehung des Krankenhausareals Hoffnung auf für eine wegweisende Nachnutzung. Die Hoffnung baut auf die Unterstützung eines Investors, den die in Aussicht gestellte Förderung motiviert, sich einzubringen.
Stadtbürgermeister Claus Schäfer (CDU) deutet gegenüber der RHEINPFALZ Zuversicht an: „Für das Areal des Krankenhauses ist es gut, dass es letztendlich doch nicht aus dem Sanierungsgebiet gestrichen wurde.“ Falls die Entwicklung des Geländes kurzfristig Fahrt aufnehme, könnten gegebenenfalls Fördermittel eingesetzt werden. Die Voraussetzungen für eine Förderung seien erfüllt.
„Ob die Machbarkeitsstudie fortgesetzt wird, kann ich leider nicht beantworten“, sagt Schäfer, „aber meines Erachtens dient sie als Vision oder Ideengeber für Architekten, Planer, Investoren.“ Zurzeit würden im Krankenhaus einige Renovierungsarbeiten durchgeführt, „was vermuten lässt, dass der Standort Rodalben die nächsten Jahre erhalten bleibt und somit auch die Arbeitsplätze. Vielleicht erkennt die Geschäftsführung des Krankenhauses Pirmasens in den folgenden Jahren das Potenzial unseres Standortes, und wer weiß, was sich daraus ergibt“.
Projektförderung läuft im Jahr 2029 aus
Auch Torsten Striehl (SPD) knüpft Hoffnungen an eine nachhaltige Nutzung durch die städtebauliche Förderung: „Durch die Aufnahme des Standortes wurden verbesserte steuerliche Rahmenbedingungen geschaffen, die es einem Investor ermöglichen, steuerliche Sonderabschreibungen auf seine baulichen Investitionen in Anspruch zu nehmen.“ Doch hob er hervor, dass die Stadt nicht Eigentümerin des Grundstücks und der Immobilie ist. Sie habe folglich keinen direkten Einfluss auf die Nachnutzung. Der künftige Stadtrat könne jedoch Projekte unterstützend begleiten.
Ralf Lehman (Grüne) meint: „Die Stadt Rodalben ist auch mit der im Herbst zu gründenden Stadtentwicklungsgesellschaft finanziell nicht in der Lage, das Servas-Gelände und in absehbarer Zukunft das Krankenhausgelände zu entwickeln und zu vermarkten.“ Mit dem städtebaulichen Sanierungsgebiet habe die Stadt jetzt aber die einmalige Chance, aktiv auf mögliche Investoren zuzugehen. Dies gehöre zu den Aufgaben der künftigen Stadtentwicklungsgesellschaft. Neben Fördergeldern könnten insbesondere die steuerlichen Aspekte Anreize für mögliche Investoren sein, erklärt Ralf Lehman.
Die Hoffnung auf eine nachhaltige Nutzung, durchaus mit dem aktuellen Betreiber, dem Städtischen Krankenhaus Pirmasens, hat mit der Aufnahme des Krankenhausareals in das städtebauliche Sanierungsgebiet neuen Nährboden bekommen. Doch die Zeit drängt, die Projektförderung läuft im Jahr 2029 aus.