Südwestpfalz / Höheinöd
Spitzer will zurück in die Kreisverwaltung
90 der 92 stimmberechtigten Mitglieder, die am Samstagmorgen ins Haus des Bürgers nach Höheinöd gekommen waren, kreuzten ein Ja auf dem Stimmzettel an, zwei Nein-Stimmen erhielt der 52-Jährige aus Donsieders, das entspricht einer 98-prozentigen Zustimmung. „Ich bin überwältigt von dem Ergebnis“, sagte Peter Spitzer strahlend. Zuvor hatte er sich in einer empathischen und kämpferischen Rede als Kandidat präsentiert, der „von ganzem Herzen Südwestpfälzer ist“ und der sich als „Familienmensch, Tier- und Menschenfreund mit großem Sportinteresse und einer Schwäche für Schokolade“ bezeichnete. Er sei durch den Zuspruch vieler Bürger sowie von Mitarbeitern der Kreisverwaltung darin bestärkt worden, sich noch einmal um das Amt des Landrates zu bewerben.
Bereits vor acht Jahren, als es um die Nachfolge von Hans Jörg Duppré ging, standen Spitzer und Ganster zur Wahl. Damals entschieden sich die Wähler mit 53,8 Prozent der Stimmen für Ganster. Spitzer war damals hauptamtlicher Kreisbeigeordneter, ein Amt, das er bis Ende September 2023 innehatte. Nach dem Bruch der CDU-SPD-Koalition hatte die neue Kreiskoalition aus CDU, FWG und Grünen das Amt abgeschafft. „Ihr kennt zur Genüge den Sachverhalt der schäbigen Aktion der Kreis-CDU im letzten Jahr mir gegenüber“, erinnerte er an die Vorgänge. „Jetzt bietet sich Chance, als Landrat zurückzukommen.“
Rettungswache fürs Holzland
Als Landrat möchte Spitzer Wert auf Vertrauen, Kooperation, Transparenz und Teamgeist legen. Nicht nur in der Kreisverwaltung, sondern auch im Austausch mit den Ortsbürgermeistern. Spitzer möchte die Interkommunale Zusammenarbeit intensivieren. Das Ehrenamt als Stütze der Gesellschaft müsse stärker unterstützt werden. Im Bildungsbereich setzt er auf eine generationengerechte Infrastruktur in Bildungs- und Betreuungsfragen. In Sachen Arbeitsplätzen will er sich besonders für die Handwerksbetriebe einsetzen, die eine wichtige Säule für den Fortbestand der Region darstellen. Er will sich dafür einsetzen, dass das Holzland eine Rettungswache erhält, um eine adäquate Notfallversorgung zu gewährleisten. In jedem Dorf soll künftig wieder eine Sirene die Bevölkerung warnen können. Spitzer sieht bei der 2012 gegründeten Kreisenergiegesellschaft noch viel mehr Potenzial, um Geld zur Entlastung des Kreishaushaltes generieren zu können.
Spitzer sparte nicht mit Kritik an Landrätin Ganster. In das Kreisentwicklungskonzept sei viel Geld geflossen, es sei groß gepriesen worden, passiert sei nichts. „Wenn man sich nicht drum kümmert, dann ist das ein totes Kind“, kritisierte er und ergänzte: „Man muss in die Pötte kommen, zeigen, dass etwas passiert, und nicht immer einen Stuhlkreis bilden und alles zerreden“, sagte Spitzer mit Blick auf den Bahnhof Biebermühle, wo das Projekt Gewerbegebiet gescheitert sei. Es könne auch nicht sein, dass man seit einem Jahr auf eine Antwort aus Mainz warte, wie es mit der L475 im Wallhalbtal weitergeht. „Das wird es bei mir nicht geben“, betonte er.
Gegenentwurf zur Landrätin
„Du bist einer, der die Menschen mag“, sagte Alexander Fuhr (Dahn) in Richtung Spitzer, „Du hast deutlich gezeigt, wo Du stehst, was Du für ein Angebot machst.“ Markus Keller (Bobenthal) bemerkte, dass Spitzer der Gegenentwurf zur parteipolitisch ausgerichteten Landrätin sei. Ganster sei „festgefahren im Dagegen“, selbst wenn aus Mainz 16 Millionen Euro als Strukturhilfe an den Kreis und die Verbandsgemeinden fließen, rede die Landrätin das klein. Wolfgang Denzer (Rodalben) beschrieb Spitzer als engagierten, kompetenten Kommunalpolitiker. „Es heißt immer, er hat keine Chance“, sagte Denzer in Richtung Spitzer. „Wenn er keine Chance hat, dann muss er sie nutzen“, fügte er an.
„Wir werden bei der Auszählung gespannt sein, ob es doch für einen Sozialdemokraten reichen kann“, bemerkte Spitzer zum Abschluss des Parteitags. Wie nach seiner Bewerbungsrede spendeten die Mitglieder stehend Applaus.