Hinterweidenthal
Spielgeräte für Flutopfer im Erfttal gespendet
Die Beteiligten: Die Firma Seibel-Spielplatzgeräte, eine gemeinnützige GmbH aus Hinterweidenthal, die Ortsgemeinde Contwig und ein Garten- und Landschaftsbaubetrieb aus Kall im Kreis Euskirchen, am Rand der Nordeifel. Von der konzertierten Aktion profitieren die Kita Kreuzweingarten, die in Trägerschaft der Stadt Euskirchen ist, sowie die katholische Kita St. Martinus in dem Euskirchener Stadtteil Kirchheim. Im Kreis Euskirchen hatten durch die Flut im Erfttal 26 Menschen ihr Leben verloren, die Schäden an Gebäuden und Infrastruktur sind unermesslich.
Im Kreis Euskirchen ist auch der Gartenbaubetrieb Trautmann zuhause. Und von Mike Trautmann, dem Inhaber des Betriebs, stammt der Impuls, der zu der gemeinsamen Hilfsaktion führte. „Mein Betrieb war verschont geblieben, meine Mitarbeiter waren aber mehrere Wochen als Helfer im Einsatz“, berichtet er. „Von den beiden Kitas steht nur noch die Hülle. Da ist nichts mehr, was noch ganz ist“, sagte er im Telefonat mit der RHEINPFALZ. Die Kitas seien in Container und Notunterkünfte ausgelagert, der Wiederaufbau sei im Gange, werde sich wohl bis ins nächste Jahr hinziehen.
Die Firma Seibel war sofort dabei
Um den Kindern und den Kitas zu helfen, habe er die Initiative ergriffen und mit mehreren Firmen in Deutschland, die Spielplatzgeräte herstellen, Kontakt wegen einer Spende für die von der Flut betroffenen Kitas aufgenommen: „Die Firma Seibel in Hinterweidenthal war sofort dabei“, berichtet Mike Trautmann. Seibel sorge für die Spielgeräte, Trautmann montiert sie vor Ort, habe man vereinbart.
Katrin und Michael Oberle, die Inhaber des Betriebs in der Hinterweidenthaler Wartbachstraße, der für seine kreativen Spielplatzgeräte aus massivem Holz bekannt ist, fanden einen Weg: Das Unternehmen, das eigentlich nur nach Beauftragung fertigt, hatte für die neue Kita in Contwig bereits Spielgeräte im Wert von 20.000 Euro hergestellt. Nun ist der Kita-Bau in Contwig eine Hängepartie. Ein massiver Schimmelbefall sorgte für einen Baustopp. Ergo: Der Bau samt Außenbereich liegt brach, die Spielgeräte können nicht geliefert und montiert werden.
Auch die Gemeinde Contwig beteiligt sich
Die Oberles nahmen nun Kontakt mit der Gemeinde Contwig auf. Ihre Idee: Wenn Contwig für die fertigen Spielgeräte 10.000 Euro spendet, übernimmt die Firma Seibel die zweite Hälfte. Im Ortsgemeinderat Contwig wurde über den Vorschlag aus Hinterweidenthal diskutiert, man holte die Zustimmung der Kommunalaufsicht ein, stimmte dem Deal zu und holte auch noch die Verbandsgemeinde als Mitspender ins Boot.
Rund wurde die Sache durch Außendienstler Johannes Schäfer und Nils Veit, die auf ihre Provision verzichten und vor allem durch die Belegschaft des Hinterweidenthaler Betriebs: Am vergangenen Freitag leisteten rund zwei Dutzend Mitarbeiter unbezahlte Überstunden. Der Erlös aus dieser Aktion fließt in die Gesamtspende ein. „Das ist doch eine Selbstverständlichkeit, dass ich da mitmache“, sagte Katharina Koch, jüngste Zeichnerin im technischen Büro.
Zehn Spielgeräte werden auf die Reise geschickt
Und Denis Dauster, Schreiner in der Produktion, meint: „Es ist ein gutes Gefühl, für die Kinder im Flutgebiet etwas Gutes zu tun.“ „Eine ganz tolle Sache: Wir können gemeinsam einen Beitrag leisten, um den von der Flut Betroffenen zu helfen. Und es ist schön zu sehen, wie engagiert sich unsere Mitarbeiter einbringen“, kommentiert Katrin Oberle dankbar den Einsatz. Versüßt wurden die Überstunden übrigens durch eine spontane Kuchenspende der Hinterweidenthaler Bäckerei Zürn.
Die insgesamt zehn Spielgeräte – von der Minispielanlage „Maxburg“ über Sandkästen und Schaukeln bis zur Spielanlage „Bauhof Landau“ – können in absehbarer Zeit auf die Reise nach Euskirchen geschickt werden. „Die Montage schaffen wir dieses Jahr nicht mehr, weil noch zu viel in und an den Gebäuden zu erledigen ist. Aber zeitig im nächsten Jahr werden die Spielgeräte – natürlich kostenlos – installiert“, nennt der Partner vor Ort, Mike Trautmann, ein Zeitfenster.