Kreis Südwestpfalz Spaßmachen, bis der Schnorres abfällt

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„Ungekocht geniessbar“ – so nennen sich vier junge Saarländer, die im Internet seit Monaten mit lustigen kurzen Videos mit typisch saarländischen Humor – „uff Platt“ viel Spaß verbreiten. Spätestens ihr satirischer Beitrag zur Sperrung der Fechinger Talbrücke machte die Jungs quasi über Nacht zu angesagten Youtube-Bloggern. Jetzt ist ein neuer Kurzfilm fertig: „Lyonerbomber“ feiert am 1. November Premiere im Homburger Eden-Kino.

Bei „geniessbar“ handelt es sich nicht um einen Schreibfehler: Auf diese Schreibweise legen die Spaßvögel großen Wert. Ihr neuer Clip „Lyonerbomber“ knüpft an den so betitelten „Beitrag zur Fechinger Talbrücke“ an. Der Inhalt: Da nicht mehr nur die Fechinger, sondern so ziemlich alle saarländischen Brücken marode sind, droht die Nahrungsversorgung zusammenzubrechen. Um im Saarland den Nachschub an Pils und Lyoner aufrecht zu erhalten, werden am Dillinger Segelflugplatz Lyonerbomber-Piloten ausgebildet. Im Video tauchen veritable Gaststars auf: Kicker Patrick Hermann (Borussia Mönchengladbach), Rapper Es Ta und Frank Beck (Rockband Gamma Ray). „Lyonerbomber“ ist die bislang größte Produktion von „Ungekocht geniessbar“. Der Film ist deutlich länger als die rund 30 bisherigen Youtube-Clips. Der Dreh dauerte mehrere Tage, an die 100 Darsteller, Statisten und Helfer wirkten mit. Unterstützt wurden die vier Jungs Dennis Keller, Robin Klein („Pommes“), Marcello Papa („Mace“) und Julian Schneider („Julez“) von sieben Sponsoren. Förderer hatte es auch schon bei früheren Beiträgen gegeben. Dennis: „Das waren meist Sachspenden. Uns wurden Drehorte oder auch Requisiten zur Verfügung gestellt.“ Die Kosten für die Videoproduktionen übernimmt das Quartett zum Großteil selbst. Ein kleiner Teil wird durch Werbeeinnahmen auf Youtube finanziert: „Bekommen wir von Sponsoren Geld, dann wird das komplett für den Video-Dreh genommen. Wir wollen keinen Profit machen.“ Drei der vier 19- und 21-Jährigen wohnen in Blieskastel, Julian in Illingen. Ihre Hauptzielgruppe bezeichnen sie als männlich und etwa 18 bis 24 Jahre alt. „Aber sogar die Freunde meiner Großeltern kennen unsere Videos“, freut sich Julian. Laut Statistik hat „Ungekocht geniessbar“ die meisten Fans aber auf Facebook, nicht bei Youtube. Angesichts starker Nachfrage haben die Jungs inzwischen sogar ein Postfach für Autogrammwünsche. Dass sie mit dieser Kunst einmal richtig Geld verdienen können, glauben die vier Videokünstler aber eher nicht. Sie befürchten, „dass ihnen viele Likes abspringen“, würden sie ihr Hobby kommerziell betreiben. „Wir machen das aber so lange“, sagt Marcello, „ wie wir Zeit und Lust dazu haben und so lange die Leute unsere Videos schauen wollen.“ Julian denkt sich, dass der Hype nicht ewig anhalten werde: „Das funktioniert eine Zeit lang. Aber dann macht irgendjemand etwas anderes, das bei den Leuten besser ankommt.“ Dennoch freuen sie sich über ihren aktuellen Erfolg: „Dass wir so weit kommen würden, hätten wir nicht gedacht.“ Damit gemeint ist vor allem die Resonanz auf den „Beitrag zur Fechinger Talbrücke“. „Wir dachten, dass wir vielleicht so 10 000 bis 15 000 Aufrufe bekommen“, erinnert sich „Pommes“. Doch praktisch über Nacht seien so viele weitere Klicks dazugekommen, dass im Saarland quasi jeder das Video bereits kannte, bevor die Jungs es offiziell auf Youtube hochgeladen hatten. „Nur unsere Cola-Parodie haben noch mehr Leute gesehen“, schätzt „Pommes“. Bis zum „Beitrag zur Fechinger Talbücke“ hatten die Jungs vorwiegend Parodien auf bekannte Werbespots gedreht – natürlich immer in saarländischer Mundart. „Saarländisch ist einfach sauwitzig. Unsere Witze sind auf Saarländisch entstanden. Nur so kommen sie auch rüber. Auf Hochdeutsch wäre die ganze Komik weg“, bekräftigt Julian. Der Film zur Fechinger Talbrücke war dann die Parodie eines Beitrags des Saarländischen Rundfunks. „Wir haben uns angeschaut, wie der SR so etwas macht, und dann versucht, so etwas parodistisch nachzudrehen.“ Die Charaktere, die sie für dieses Video erfunden haben, tauchen seither regelmäßig in ihren Kurzfilmen auf. Dass dem „Schorsch“ beim Sprechen jedes Mal der Schnurrbart abfällt, wurde zum „Running Gag“. „Das war nicht so geplant. Anfangs war es keine Absicht. Aber weil der Bart ständig abfiel, mussten wir improvisieren. Jetzt bauen wir das immer mit ein“, sagt Julian. Mit dem Produzieren von Videos hatte das Team von „Ungekocht geniessbar“ im August 2014 angefangen, „aus einer Laune heraus, ganz spontan“. Julian Schneider ist seit dem Talbrücken-Clip dabei. Die Ideen kommen plötzlich, jeder bringt seine Vorschläge ein. „Wir ergänzen uns alle sehr gut“, freuen sich Dennis und Marcello. Jeder sei mal für das Schreiben eines Drehbuchs verantwortlich. Alle Filme würden bis ins Detail durchgeplant. „Wenn uns beim Drehen aber ganz spontan etwas Lustiges einfällt, dann bauen wir das noch schnell ein“, erläutert Dennis. Ein Zwei-Minuten-Video nehme ungefähr fünf Stunden Drehzeit in Anspruch. Hinzu kämen etwa zehn Stunden für die Vorbereitung und nochmals bis zu 15 Stunden fürs Nachbearbeiten. „Das ist viel Arbeit“, wissen sie. Doch machen die vier Jungs alles selbst, haben für ihre Videos sogar eine eigene Filmausrüstung. Dennoch, so betonen sie, bestimme das Filmemachen nicht ihren Alltag: „Im Vordergrund stehen Studium oder Ausbildung.“ Julian ist bereits gelernter Mediengestalter für Bild und Ton, Dennis absolviert gerade diese Ausbildung. In Zweibrücken studiert Marcel Angewandte Informatik und Robin Medieninformatik. Jetzt blicken die vier jungen Saarländer gespannt der Premiere ihres Films „Lyonerbomber“ entgegen. Karten für die Homburger Vorstellung gibt’s nirgendwo zu kaufen: Sie werden ausschließlich über Facebook, Instagram und Snapchat verlost. Info —www.ungekocht-geniessbar.de —Autogrammadresse: Ungekocht geniessbar, Postfach 1132, 66431 Blieskastel —Premiere: 1. November, 11 Uhr, Kino Eden Cinehouse in Homburg

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