Südwestpfalz Sozialstation: Warum es für viele Senioren ohne nicht mehr geht

Beim Patientencafé in Reifenberg treffen sich die Kunden der Sozialstation Battweiler zum Beisammensein.
Beim Patientencafé in Reifenberg treffen sich die Kunden der Sozialstation Battweiler zum Beisammensein.

Ohne die Sozialstation Battweiler und andere ambulante Dienste könnten sehr viele alte Menschen nicht mehr alleine zu Hause leben. Beim Patientencafé erzählen einige, wie enorm wichtig die Schwestern auf Rädern für ihren Alltag sind.

Im Patientencafé der Sozialstation Battweiler haben wir mit vier Patienten über ihre Situation und den Pflegedienst gesprochen, ebenso mit einer Mitarbeiterin.

Karl Bernhard aus Bechhofen ist 89 Jahre alt und wird seit Oktober 2022 von der Sozialstation betreut. Dreimal wöchentlich kommt eine Hauswirtschafterin zu ihm, einmal wöchentlich besucht er die Tagespflege in Battweiler. Er ist voll des Lobes über die Sozialstation: „Hervorragend. Die Frauen sind so hilfsbereit und freundlich, das gibt es gar nicht. Ich habe keinen Magen mehr und hatte einen Oberschenkelhalsbruch und das rechte Bein ist kaputt, außerdem hatte ich eine Bandscheiben-OP“, erzählt der Witwer von den Gründen, warum er Hilfe benötigt. Neben der Hauswirtschaft bekommt er auch täglich sein Mittagessen von der Sozialstation.

Karl Bernhard
Karl Bernhard

„Da lebt man auf“

Urban Zwing ist 82 Jahre und wohnt in Reifenberg. Er ist seit 2022 Kunde der Sozialstation, die auch er über den grünen Klee lobt. „Das kann man mit Worten gar nicht sagen“, meint er, wenn man ihn nach seiner Zufriedenheit fragt. Er hat Nierenprobleme und eine Entzündung im Bein gehabt, war zuerst in der Homburger Uniklinik und wurde dann verlegt nach Landstuhl. Eine Mitarbeiterin der Sozialstation hat ihm bei der Heilung des Beins stark geholfen. „Die Leute bemühen sich echt. Was die leisten, ist wirklich unglaublich“, freut er sich über die gute Betreuung. Auch die Tagespflege besucht er zweimal wöchentlich. „Da lebt man auf. Wenn es die nicht gäbe, müsste man sie erfinden“, stellt er fest.

Urban Zwing
Urban Zwing

Inge Zimmermann ist 90 Jahre und kommt aus Thaleischweiler. Seit dem Tod ihres Mannes 2017 helfen ihr Mitarbeiterinnen der Sozialstation. Sie ist zufrieden mit der Unterstützung, „nur manchmal kommen sie so spät morgens. Aber das wird nicht anders gehen“, meint sie. Da müsse man ab und zu geben. Zweimal die Woche kommt eine Dame der Sozialstation, fürs Kochen bekommt sie externe Hilfe außerhalb der Sozialstation.

Inge Zimmermann
Inge Zimmermann

Der Contwiger Rudi Semar ist 91 Jahre alt und gehbehindert. Er ist von einem anderen Pflegedienst gewechselt. „Auch dort war die Betreuung gut, aber die Rechnungen sind zu spät gekommen“, sagt er. Ohne Pflegeunterstützung, die er seit vier Jahren in Anspruch nimmt, wäre das Leben für ihn sehr viel schwieriger. „Das ginge auch, aber wäre sehr schwer“, sagt er. Er kocht sich zwar täglich selbst, aber dreimal am Tag kommt jemand von der Sozialstation zur Medikamentengabe. Und dienstags besucht er die Tagespflege in Battweiler.

Rudi Semar
Rudi Semar

Es ist ihr Traumberuf

Niki Tara Reinhardt ist 28 Jahre und Mitarbeiterin der Sozialstation. Sie hat an der Homburger Uniklinik im Pflegebereich gelernt und arbeitet seit einem Jahr bei der Sozialstation. „Ich habe in der Ausbildung schon gemerkt, dass mir die Pflege gut gefällt, wollte aber noch Erfahrung sammeln auf Station“, erklärt sie, warum sie nach der Ausbildung noch im Krankenhaus als Schwester gearbeitet hat. Sie wohnt in Höheischweiler und ist sogenannte Bezirksschwester für Thaleischweiler. Typischerweise fängt der Dienst um 7 Uhr an, dann fährt sie bis zu 20 Patienten am Tag ab. Den Beruf möchte sie bis zur Rente machen. „Den Umgang mit Menschen, bei ihnen Zuhause zu sein und Familienanschluss zu haben, finde ich toll. Man kann den Menschen unheimlich viel geben und bekommt auch sehr viel zurück“, sagt sie. Der Job sei anstrengend, aber immer, wenn sie kurz überlege, die Branche zu wechseln, ziehe es sie zurück in den Beruf.

Niki Tara Reinhardt
Niki Tara Reinhardt

Info: Patientencafé

Einmal im Jahr lädt die Ökumenische Sozialstation Battweiler ihre Kunden ins Patientencafé ein, zum gemütlichen Beisammensein mit ihresgleichen und dem Pflegepersonal. Am Mittwoch war es wieder so weit. Rund 60 der über 300 Patienten aus der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land, der ehemaligen VG Thaleischweiler und aus Brenschelbach trafen sich im katholischen Pfarrheim Reifenberg. Die Sozialstation betreut 320 Patienten ambulant, also bei ihnen zu Hause, und bietet zwölf Tagespflege-Plätze in Battweiler an, die abwechselnd von 40 Patienten genutzt werden. Die Patientenzahlen sind seit Jahren ungefähr gleich, sagt Pflegedienstleiterin Petra Mohring. Für den Fahrdienst zur Tagespflege bekam die Sozialstation am Mittwoch einen Siebensitzer-Kleinbus, der durch die Werbung von rund 20 Sponsoren aus der Region finanziert wurde. Er steht fünf Jahre lang kostenfrei zur Verfügung.

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