Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel So ist das Jahr 2024 für die hiesigen Landwirte gelaufen

Schweinehalter sorgen sich wegen der Afrikanischen Schweinepest.
Schweinehalter sorgen sich wegen der Afrikanischen Schweinepest.

Viel Regen, Krankheiten und Bürokratie gehören zu den Problemen, mit denen die Landwirte in diesem Jahr zu kämpfen hatten. Jürgen Vogelgesang, Vorsitzender der Bauern im Kreis, berichtet.

Das Jahr war für die Landwirte sehr nass. Mit dem Regen kamen die Pilze, die an manchen Orten ihre Sporen ausbreiteten. Sie hätten die Ernte komplett ruinieren können. „Das Wetter war schon sehr prägend“, sagt Jürgen Vogelgesang, Vizepräsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Pfalz Süd. Der Landwirt aus Martinshöhe, der auch Vorsitzender der Bauern im Kreis Kaiserslautern ist, weiß, dass einige Landwirte eine ordentliche Ernte eingefahren haben, während es für andere einen Totalausfall gab.

Das feuchte Wetter sei auch am Ausbruch der Blauzungenkrankheit beteiligt gewesen, eine durch Stechmücken übertragene Infektionskrankheit, an der Schafe, Rinder und Ziegen erkranken können. 2024 sei das Problem unter anderem durch eine Stechmückenplage, nicht richtig vorbereitete Rinderhalter und durch das Fehlen des Impfstoffes, der erst nach einer Notzulassung im Juni nur in Teilen zur Verfügung gestanden habe, verschärft worden.

„Tierhaltung in der Westpfalz wird exotisch“

„Die Tierkörperbeseitigungsanstalt ist im Sommer kaum mit der Arbeit nachgekommen“, berichtet Vogelgesang. Er appelliert für 2025 an Rinderhalter, wie die Schafhalter zu impfen. „Es sind nicht nur die toten Tiere. Die Milchleistung geht zurück, es kommt zum Verkalben (Kühe verlieren ihre Embryos, Anm. d. Red.) oder die Kühe werden gar nicht erst trächtig.“ Auch die Afrikanische Schweinepest war Thema. Sie sei noch nicht in der Region angekommen, die Schweinehalter fürchteten aber, dass die Krankheit auftreten könnte.

Beide Viruskrankheiten, die nicht auf den Menschen übertragbar seien, hätten die Abwärtsspirale in den Reihen der verbliebenen Viehhalter befeuert. Dabei spielten auch der Rückgang von Schlachtstätten mit hohen Fleischbeschaugebühren und bürokratische Vorschriften eine Rolle. „Tierhaltung in der Westpfalz wird exotisch“, sagt Vogelgesang. Er macht den Mainzer Politikern den Vorwurf, seit Jahren an dieser Schraube zu drehen und stets darauf zu verweisen, dass für Unterstützung kein Geld da sei. „Was kostet es wohl, wenn wir nicht mehr da sind? Wie teuer wird es, Dauergrünland zu pflegen? Oder soll die Region zuwachsen?“ Der Landwirt könne da nur noch den Kopf schütteln.

Investitionsstau in der Landwirtschaft wird größer

Auch das unlängst zwischen der EU und den Mercorsur-Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay ausgehandelte Freihandelsabkommen mache den Bauern Sorgen. Nach 20 Jahren Verhandlung folgte Anfang Dezember die Einigung, insbesondere die Zölle zwischen beiden Handelsregionen weitgehend abzubauen. „Es ist für mich schon erschreckend, zu beobachten, wie dabei die heimische Landwirtschaft aufgegeben wurde, um der Industrie zu besseren Preisen und mehr Wachstum zu verhelfen“, sagt der Vizepräsident des Bauernverbandes. In Zukunft werde „das Auto gegen die Landwirtschaft ausgespielt“. Da stelle sich die Frage: „Will man uns überhaupt noch?“

Das fragten sich vor allem junge Menschen, bevor sie in die heimische Landwirtschaft einsteigen und Höfe übernehmen. Auch im zurückliegenden Jahr sei es nicht gelungen, Planungssicherheit für Investitionen zu bekommen. Wer heute einen Stall aus- oder neubaue, müsse bei den hohen Baukosten immense Summen in die Hand nehmen, meist seien es Millionen Euro. Doch keiner könne bauwilligen Landwirten sagen, ob das, was er baut, in drei Jahren noch den Anforderungen entspricht, oder ob sich wieder neue Vorschriften auftun. „Keiner kann einen Kredit auf 20 Jahre aufnehmen, wenn er gar nicht weiß, was er morgen darf und was nicht“, erklärt Vogelgesang. Der Investitionsstau in der Landwirtschaft werde daher immer größer.

Bei all den Tiefschlägen im Jahr 2024 seien die Preise auf einem guten Niveau stabil gewesen. Das nütze aber denen nichts, die das Getreide nicht vom Acker bekommen haben oder deren Vieh beim Abdecker gelandet ist statt auf dem Teller der Verbraucher. „Ich bin sehr gerne Landwirt und hoffe, ich kann es noch eine Weile bleiben“, sagt der Landwirt aus Martinshöhe. Bei der kommenden Bundestagswahl würden wohl „die Karten neu gemischt“. Ob für die Bauern gut oder schlecht, vermag Vogelgesang nicht abzuschätzen.

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