Kreis Südwestpfalz Sind die Unternehmen gut genug?

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Junge Leute braucht eine Stadt, die Zukunft haben will. Gibt es dafür Konzepte?

Die Region ist von Abwanderung betroffen, das ist Fakt. Aber mit etwas Glück kommen die Jungen wieder zurück. Darum muss es uns gehen, die wieder herzuholen nach dem Studium oder der Ausbildung. Es gibt positive Beispiele von Heimkehrern, die Töchter des Unternehmers Bernd Hummel beispielsweise sind zurück, ebenso junge Designer in der Schuhindustrie. Dazu müssen Unternehmen hier in der Provinz den jungen Leuten, ich meine die Vertreter der Generation Y ab Jahrgang 1980, aber mehr bieten als anderswo. Tun Sie das? Sie beginnen zumindest damit. Die Schuhindustrie macht das schon ganz gut, auch Unternehmen wie Reppa ist bewusst, dass sie junge Leute brauchen, um ihre Innovationsfähigkeit zu erhalten. Die Generation Y ist mit dem Internet aufgewachsen und weiß daher auch, wie man sich im Netz verkaufen muss. Das müssen sich die Firmen zunutze machen. Sie müssen dafür aber auch etwas bieten. Derzeit geht das über Mitgliedschaften im Fitnessstudio und flexible Arbeitszeiten kaum hinaus. Das heißt, die Unternehmer haben noch nicht kapiert, dass bei den jungen Leuten heute Glück mehr zählt als Geld, dass Familienfreundlichkeit, Sabbaticals und Heimarbeitsmöglichkeiten Standard werden müssen? Genau da setzen wir mit unserer Offensive „Pro Fachkraft“ an. Damit sind wir Vorreiter in Rheinland-Pfalz, wenn das bei uns läuft, kann es zum Modellprojekt werden. Was tun Sie konkret? Zusammen mit einer Unternehmensberatung und einem hochkarätig besetzten Lenkungsgremium wollen wir eine Arbeitgebermarke „Pro Fachkraft Westpfalz“ aufbauen. Los geht das in einer Testphase mit den Firmen psb, FWB, Campus Wellness & Sports und WHG Rahn. Die konfrontieren wir mit Fragebögen, halten ihnen schonungslos den Spiegel vor, prüfen, wo sie stehen. Die Unternehmen müssen sich hinterfragen, ob sie gut genug sind, damit die Generation Y auf sie anspringt. Und dann erhalten sie Handlungsanleitungen. Sind die Firmen generell für das Thema Fachkräftemangel sensibilisiert? Da muss noch Überzeugungsarbeit geleistet werden. Die Großen wie Wasgau tun schon einiges, aber im Mittelstand höre ich noch zu oft: „Das ist für uns kein Thema.“ Was sind Ansatzpunkte? Das fängt schon damit an, sich multimedial richtig zu präsentieren. Aber nur wenige Unternehmen haben bereits einen Imagefilm auf ihrer Homepage, auch im Außen- und Innenauftritt muss teilweise mehr getan werden. Was kann die Stadt tun, um bei der jungen Generation zu punkten? Wir müssen mehrere Baustellen anpacken. Pirmasens muss sich über Leuchtturmprojekte Sichtbarkeit verschaffen. Da gibt es ganz gute Ansätze wie die Stadtgalerie, das Dynamikum, Ausgehmöglichkeiten wie demnächst die Sportsbar im Bahnhof, die Rizzi-Lounge oder auch Emils Bar. Man muss gezielt die weichen und harten Standortfaktoren stärken. Das flächendeckende schnelle Internet und freies WLAN in der Innenstadt spielen da eine ganz wichtige Rolle, da sind wir ja dran. Auch die Regio-App City-Kit ist im Aufbau. Es gibt hier kostengünstige Bauplätze. Und die Kulturszene ist lebendiger, als man denkt. Wenn man will, kann man jeden Abend etwas unternehmen. Deshalb habe ich mich auch bereiterklärt, die Studenten mit der hiesigen Kneipenszene bekannt zu machen. Auch wenn Sie mit 41 Jahren nicht mehr zur Generation Y gehören, frage ich mal. Sie waren selbst zum Studium weg, in Freiburg und Kaiserslautern. Was war der Grund heimzukehren? Pirmasens ist für mich Herzblut und Heimat. Ich habe hier meine Freunde, meine Musikszene, ich schätze die Lebensqualität und vor allem die Natur. Wer wie ich Sport liebt, gerne joggt oder Tennis spielt, hat so viele Möglichkeiten. Mir ging es aber auch darum, als hier Verwurzelter das Gelernte einzubringen und zur Fortentwicklung der Region beizutragen. Pirmasens hat Potenzial. Das habe ich auch, als ich noch bei der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz gearbeitet habe, den Leuten in meinem Umfeld gesagt. Ich habe die ins Auto gepackt und ihnen gezeigt, was wir hier zu bieten haben. Was haben Sie bei der Entwicklungsagentur gelernt? Ich war unter anderem im Bereich Regionalmanagement tätig, habe brach gefallene Bahn- und Militärflächen für deren städtebauliche Entwicklung vorbereitet, das Ergebnis sieht man am Bahnhofsgebäude. Auch das Leerstandsmanagement wurde bei der Entwicklungsagentur vorbereitet. Das sind Dinge, die eine Stadt voranbringen und wichtig sind, um junge Leute hier zu halten. Welche Rolle spielt das Thema Wohnen? Eine große. Supergünstige Preise allein reichen nicht. In den Immobilienmarkt in Pirmasens muss mehr Qualität rein. Für anspruchsvollen Wohnraum zahlen die Leute gerne auch ein bisschen mehr, das sieht man an den Lofts in der früheren Salamander-Fabrik. Machen Firmen genügend Offerten, um junge Leute an sich zu binden, finanzieren sie Stipendien oder machen sie duale Studienangebote? Da entsteht hier und da etwas, aber vieles steckt noch in den Kinderschuhen. Das Problem ist, dass wir hier vor allem Klein- und Mittelständler haben. Darunter gibt es viele heimliche Gewinner, aber die kennt niemand. Was ist mit der Fachhochschule? Haben Sie als Wirtschaftsförderer Vorstellungen, wie’s weitergehen sollte? Die FH muss sukzessive ergänzt werden, da laufen immer mal wieder Gespräche. Da wünschen wir uns auch mehr Unterstützung bei der Außendarstellung. Ich habe angeboten, im Rahmen vom Studium Generale einen Gastvortrag zum Wirtschaftsstandort Pirmasens zu halten, damit den Absolventen klar wird, sie müssen nach dem Bachelor oder Master nicht in die Ferne schweifen. Wir kriegen als Wirtschaftsförderung oftmals Anfragen von jungen Leuten, die wissen wollen, wo sie Praktika machen können. Das Potenzial vor Ort ist zu wenig bekannt. Schulen, Unternehmen, Fachhochschule, da muss noch mehr ineinandergreifen. Meiner Ansicht nach haben wir mit dem Arbeitskreis Schule und Wirtschaft eine gute Ausgangsbasis, dieses Thema zielgerichtet anzupacken. Angebot und Nachfrage sollen passen, dasmuss in den Fokus. Welche Studiengänge hätten Sie denn gerne noch vor Ort, wenn Sie wünschen dürften? Wenn das Rechenzentrum im Ariusbunker kommt, kann ich mir gut so etwas wie Cloud Engineering vorstellen, also Softwareentwicklung in der Cloud. Auch Produktdesign würde zur Industrie vor Ort passen. Auf jeden Fall sollte die Industrie von neuen Studienangeboten profitieren. Von der Marschrichtung her wäre es wichtig, in Pirmasens etwas anzubieten, was einmalig ist. So wie das PFI oder das ISC. Ein Klebstoffkompetenzentrum wäre großartig. Auf diesem Weg zieht man junge Leute in die Stadt. Die FH ist eine wichtige Keimzelle für Innovation. Was kann die Wirtschaftsförderung tun, damit Pirmasens für die Generation Y ein Thema bleibt? Wir tun schon eine ganze Menge. Da ist zum Beispiel das Netzwerk „Neu in Pirmasens“. Da zeigen wir Zugezogenen, wo Ausgehmöglichkeiten in der Stadt sind und bringen sie auch noch mit Gleichgesinnten zusammen. Wir waren mit der Auftaktveranstaltung in Emils Bar, dann in der Rizzi-Lounge, weitere Veranstaltungsorte werden das Dynamikum, das Campus oder auch das City Hotel sein. Alles um zu demonstrieren, es gibt mehr von euch und niemand muss abends allein im Pub sitzen. Auch „PS Kreativ“ ist eine schöne Sache, für die sich andere Kommunen in der Zukunftsregion Westpfalz interessieren. Alle sechs Wochen treffen sich bei einem Stammtisch in dem Netzwerk Kreative, Künstler, Architekten, Designer, Fotografen, Spieleentwickler. Davon können Impulse ausgehen, für die Unternehmen, aber auch für die Kulturszene in der Stadt.

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