Kreis Südwestpfalz Sie kam, sang und bezauberte
In der Wohnung ihrer Eltern hing ein Foto von einer weißen Kirche. „Damit bin ich aufgewachsen“, erinnert sich Barbara Kullen. Dass es die Kirche überhaupt gibt, ist auch ein Verdienst ihres Großvaters, Frank Eller, Bauunternehmer aus New York. Der spendete im Jahr 1922 einen größeren Geldbetrag, damit die Kirche fertig gebaut werden konnte. 95 Jahre später strahlt sie frisch renoviert in neuem Glanz. Und Frank Ellers Enkelin flog über 6000 Kilometer nach Knopp und sang am Sonntag bei der Einweihung.
Erst 1976 habe sie mehr und mehr Fragen zu der Kirche gestellt, deren Fertigstellung für ihren Großvater Frank Eller so wichtig war, erzählt sie. Von einer Kirche in Deutschland habe sie gewusst, auch, dass es der Wunsch ihres Großvaters war, sie nach ihrer verstobenen Großmutter Barbara zu benennen, die aus Schmitshausen stammte. Doch erst später verfolgte sie die Geschichte um die Kirche weiter. Und der Zufall half auch mit. Vor drei Jahren traf Barbara Kullen auf einem Klassentreffen in den USA eine frühere Kommilitonin wieder, eine gebürtige Deutsche. Barbara Kullen erzählte ihr von der Kirche, und gemeinsam machten sie ausfindig, wo sie erbaut wurde. Die Freundin stammt aus Waldfischbach-Burgalben und war erstaunt, dass die Kirche in Knopp-Labach steht, ganz in der Nähe ihrer alten Heimat. Die zwei Frauen schrieben Briefe an die Pfarrei, und 2016 machten sie sich gemeinsam auf den Weg nach Knopp. Da sah Barbara Kullen, die auf Long Island nahe New York City wohnt, auch zum ersten Mal die Kirche, die sie bisher nur von dem Foto in ihrem Elternhaus kannte. Damals wurde in und an der Kirche noch gearbeitet. Ummantelt von einem Gerüst stand sie da, innen wie außen wurde gemalert, ausgebessert und repariert. Damals sei der Wunsch entstanden, die Kirche wieder zu besuchen, wenn sie fertig ist. Geplant war eine zweite Reise für Dezember 2016, doch die Einweihung wurde verschoben. Sie freue sich, nun hier zu sein und die Kirche zu bewundern, sagte Barbara Kullen am Sonntag. Ihr Platz während der Messe war auf der Empore beim Chor. Bei der Kommunion sang sie Auszüge aus Mendelssohns Oratorium Elias. Ihr Gesang passte zur renovierten Kirche: Beide strahlten am Sonntag eine schlichte und wunderschöne Eleganz aus. Seit über 60 Jahre singe sie bereits, jedoch nicht professionell, sagte die Amerikanerin im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Sie habe eine Tenorstimme, was unter Sängerinnen eher selten sei. Deshalb habe man sie auch gerne in Gesangsgruppen und Chöre aufgenommen. Ihre Mutter habe sogar Opern gesungen, allerdings nur als Hobby. Vor fünf Jahren, im Alter von 70, hat sich Barbara Kullen zum ersten Mal an einen Gesangslehrer gewandt. „Hätte man mir damals ein Mikrofon vor die Nase gehalten, wäre ich weggerannt“, erzählte sie. Der Gesangslehrer habe ihr auch dabei geholfen, das Stück für die Knopper Einweihung einzustudieren – und in einem sehr sentimentalen Augenblick, beim Auftritt in der Kirche, nicht zu weinen. Davor habe sie etwas Angst gehabt, gesteht sie. Barbara Kullen hat vier Kinder, ihr Sohn Toni begleitet sie auf ihrer Reise. Sie war früher Anwältin an der Wall Street und arbeitet jetzt noch ehrenamtlich mit benachteiligten Kindern und Jugendlichen, gibt ihnen Nachhilfe, rechnet und musiziert mit ihnen, höre ihnen auch zu. Am Ende des Festes, beim Aufräumen, fragte Barbara Kullen, was mit dem übrig gebliebenen Essen geschehe. Sie befürchtete, es werde weggeworfen. Ihre Freundin erzählte, dass Kullen nach Festen immer ins Obdachlosenheim fahre und das Essen dort an Bedürftige verteile. Barbara Kullen, ihr Sohn und ihre Freundin waren die letzten Besucher, die das Fest am Sonntag gegen 13.30 Uhr verließen. Die Sonne war mittlerweile den Wolken gewichen, aus der Ferne war Donner zu vernehmen, und die ersten Regentropfen fielen auf die Erde vor der Kirche. Die Amerikanerin schaute in den Himmel, freute sich und lachte. „Heilige Barbara“, sagte sie, kurz bevor sie ging, „die Schutzpatronin bei Blitz und Sturm“.