Bruchweiler-Bärenbach
Sichere Insektenhotels: Auf die Ausstattung kommt es an
„Es gibt mehr als 550 Arten von Wildbienen in Deutschland, die meisten von ihnen leben solitär, das heißt als Einzelgänger“, erklärt Felix Burkhart. „Was schätzen Sie, wie viele Arten der Honigbiene gibt es hier bei uns?“, fragt er anschließend, um mit einem verschmitzten Lachen zu antworten: „Eine.“ Der Bruchweilerer absolviert seit Sommer dieses Jahres ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) bei dem Träger Gnor an der Universität Landau in der AG Chemiedidaktik.
Seitdem hat er sich mit den flinken Pollensammlern intensiv auseinandergesetzt, denn er betreut einen Workshop für Kinder, die sich mit seiner Hilfe ein eigenes Insektenhotel bauen können. „In den Insektenhotels wohnen nicht wirklich die Bienen, sondern ihre Eier, aus denen die Larven schlüpfen. Die legen sie dort ab. Meistens erkennt man am Verschluss des Eingangs, welche Biene hier nistet“, sagt der 19-Jährige. Vor allem die Garten-Wollbiene kann man gut erkennen, sie wählt nämlich ein markantes Material zur Schließung ihrer Niststätte: Sie sammelt Pflanzenhaare, die dann später aussehen wie ein Wattebausch.
Immer mehr Insektenhotels werden aufgestellt
In den letzten Jahren habe es einen starken Trend beim Kauf von Insektenhotels gegeben, was sich Burkhart mit dem wachsenden Bewusstsein für die Wichtigkeit der Bienen erklärt. Denn Bienen bestäuben rund 80 Prozent aller Blütenpflanzen, darunter auch zahlreiche Nutzpflanzen, die der Mensch zur Nahrungsversorgung braucht. „Viele wollen unseren fleißigen Helfern etwas Gutes tun und kaufen dann im Baumarkt ihres Vertrauens ein Insektenhotel. Dass sie dabei nicht immer hochwertige Ware bekommen, ist ihnen aber nicht bewusst. Die meisten Insektenhotels aus dem Baumarkt sind unbrauchbar“, sagt Felix Burkhart.
Baumärkte verwendeten meist billiges Material, das dem Laien aber geeignet erscheint. Tannenzapfen, Bausteine aus Ton, wild durcheinander gewürfelte Holz- und Schilfabfälle, Äste mit eingebohrten Löchern. „Wenn die Biene eine Wahl hat, zieht sie in ein solches Insektenhotel nicht ein.“ Die Löcher seien meistens zu groß, sie auszufüllen, sei für eine Biene viel zu viel Arbeit. In den Löchern und an den Eingängen stünden oftmals noch Holzsplitter hervor, weil sie nicht fein abgeschliffen wurden. Für die zarten Flügel der Biene bedeutet das eine enorme Verletzungsgefahr. „Und wer Tannenzapfen in ein Insektenhotel baut, der holt sich den Fressfeind der Bienenlarven ins Haus. In Tannenzapfen fühlt sich nämlich der Ohrenzwicker richtig wohl“, warnt Burkhart.
Am besten selbst bauen
Er empfiehlt: Einfach selbst bauen! Dafür benötige man lediglich eine gespülte Konservendose und Füllmaterial. Dafür eignen sich Strohhalme, natürliche oder aus Papier, aber auch Bambusstäbe. Hier muss man darauf achten, das Mark in den Bambusstäben zu entfernen. Die Halme und Stäbe kann man dann einfach in die Dose stecken, bis nichts mehr herausfällt. „Man kann auch Löcher in Hartholz bohren, jedoch sollte man hier darauf achten, nicht in die Stirnseite zu bohren. Da reißt das Holz sehr leicht auf“, erklärt der Bruchweilerer. Die Löcher müssen außerdem innen und an der Öffnung glatt sein, um besagte Verletzungen der Biene zu vermeiden.
Wettergeschützter Standort mit Nahrungsangebot
Wohin nun mit dem fertigen Hotel? Auch hier gibt der junge Mann Tipps: Die Hotels sollten stabil befestigt werden und nicht schwingen, das mögen Bienen überhaupt nicht. Sie sollten außerdem wettergeschützt und südlich ausgerichtet sein, denn die Larven brauchen zur Entwicklung Wärme. Am wichtigsten ist aber, dass die Bienen in der Umgebung auch genug Nahrung finden, denn eine Wildbiene geht im Schnitt in einem Radius von 100 Metern um ihren Nistplatz herum auf Futtersuche.
Wer sich also ein Insektenhotel in den Garten stellt, sollte auch für den passenden Bewuchs sorgen. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) empfiehlt für das Blumenbeet Schafgarbe, Akelei, Lavendel, Lupine, Wilde Malve und Astern. Aber auch für das Gemüsebeet und den Balkon gibt es passende Gewächse, die man sich auf der Internetseite des Nabu anschauen kann. Für Felix Burkhart steht fest: Der Erhalt der Artenvielfalt ist für den Menschen von großer Bedeutung. „Damit wir überleben“, bringt er es auf den Punkt. Ein Insektenhotel – wenn richtig gebaut – kann dabei helfen.