Kreis Südwestpfalz
Sicher? Aber sicher!
Die Motoren dröhnen an diesem Sonntagvormittag auf, als sich knapp hundert Motorradfahrer vom Heckenaschbacherhof zu zwei gemeinsamen Ausfahrten aufmachen. Obwohl wahrlich kein Motorradwetter herrscht, sind zahlreiche Fahrer gekommen. Dies zeigt den Stellenwert, den die Veranstaltung der Motorradstaffel des Deutschen Roten Kreuzes Contwig mittlerweile erlangt hat. Zum neunten Mal luden sie unter dem Motto „Sicher durch die Motorradsaison“ ein.
Biker aus der ganzen Region und über die Landesgrenzen hinaus sind zum Heckenaschbacherhof gekommen. So zum Beispiel der 61-jährige Franz Schmidt aus Zweibrücken. Er hat bereits vor 40 Jahren die Fahrerlaubnis für zweirädrige Kraftfahrzeuge erworben. Da aus seinem Umfeld allerdings niemand Interesse an dem Hobby gezeigt habe, legte er das Fahren auf Eis. „Mittlerweile sind wir eine Gruppe von Freunden aus der Nachbarschaft, die alle Motorrad fahren. Da hab’ ich mir im vergangenen Oktober eine BMW 580R zugelegt und freue mich über das neue Fahrgefühl bei gemeinsamen Ausfahrten“, so der Zweibrücker. Für ihn ist die Veranstaltung des Contwiger DRK eine „prima Sache“, um mehr Fahrgefühl fürs Motorrad zu bekommen und in einer Gruppe unterwegs zu sein.
Mit der „Rentnerband“ auf großer Tour
Ähnlich sieht es Michael Staase aus Pirmasens, der in Lederkombi und Tourenbike gekommen ist. Er fährt in einer selbst ernannten „Rentnerband“ von acht Gleichgesinnten, die alle zwei Wochen auf größere Tour aufbrechen. „Ich habe zum Jahrtausendwechsel im zarten Alter von 50 Jahren den Führerreischen gemacht und es bis heute nicht bereut“, gibt er freudig Auskunft. „Ich bin kein Raser, genieße einfach das Freiheitsgefühl, und genau das kommt auch hier bei der Veranstaltung rüber. Viele werden daran erinnert, human mit dem Gashahn umzugehen.“
Kai Harstick, stellvertretender Bereitschaftsleiter des Contwiger Rettungsdienstes, wuselt ständig zwischen den Bikern hin und her. Er und sein Team haben alle Hände voll zu tun, um bei allen Teilnehmern nach dem Rechten zu sehen. „Es ist wichtig, dass den Anweisungen der Polizei Folge geleistet wird und keiner rechts überholt“, redet Harstick kurz vor einer jeden Ausfahrt den Bikern ins Gewissen. Dafür erntet er weder böse Blicke noch abfällige Bemerkungen. Egal, ob auf schnittigen Rennmaschinen oder Fahrer in auffälliger Lederkluft – die Teilnehmer sind eher den gediegenen Motorradfahrern zuzuordnen.
Sonderlob für Hilfe bei Feuerwehreinsatz in Hornbach
Bei der zweiten Ausfahrt helfen die Biker sogar bei einem Feuerwehreinsatz in Hornbach. Blitzschnell reagieren alle Fahrer und sperren die Straßen und Kreuzungen für den Verkehr, sodass die Einsatzfahrzeuge freie Fahrt haben. Ein Sonderlob für diese Aktion erreicht das Contwiger DRK über die sozialen Medien. Angeführt wird der Tross Zweiräder übrigens von den Motorradstaffeln der Polizei in der Westpfalz und des Saarlandes. Hinzu kommt die bereits erwähnte Contwiger Abordnung. DRK-Kollegen aus dem Landesverband Saar unterstützen ebenfalls mit ihren Motorrad-Gruppen.
„Das Ziel dieses Biker-Events ist es, das Unfallaufkommen von Motorrädern im Straßenverkehr zu reduzieren“, teilt Kai Harstick mit. Verantwortungsvolles Verhalten und der Verzicht von Alkohol stehen klar im Fokus. Seit der ersten Veranstaltung im Jahre 2011 sei ein leichter Rückgang der Unfallzahlen erreicht worden. Damit zeige sich, dass man den richtigen Weg gehe. An Ständen einer Fahrschule gibt es außerdem einen Überschlagsimulator, die Helmabnahme wird geübt, und unter Aufsicht der Polizei bekommt man Tipps zum Verhalten im Verkehr und in Extremsituationen.
Auch in diesem Jahr wird ein soziales Projekt unterstützt. Alle Einnahmen will das Contwiger DRK an eine 29-jährige Mutter aus Pirmasens spenden, die an Krebs erkrankt ist.