Waldfischbach-Burgalben Seniorenheim: Abschied vom Rosenberg
Das neue Zuhause der 42 Bewohner ist das Caritas-Altenzentrum St. Nikolaus in der Nikolaus-von-Weis-Straße. Die Einrichtung in Waldfischbach-Burgalben, 1994 eingeweiht, 2012 in die Trägerschaft der Caritas übergegangen, schließt. Einen alten Baum verpflanzt man sprichwörtlich nicht: Der Umzug ist für die älteren Bewohner eine Herausforderung. „Es fällt uns schwer, uns daran zu gewöhnen“, sagt Gretel Strauß. 83 Jahre ist sie alt, hat ihr ganzes Leben in Waldfischbach-Burgalben verbracht. „Und der Rosenberg hat immer dazugehört.“
„So, Frau Strauß, Ihr Geldbeutel ist da. Wenn was drin ist, können wir ja bis Paris durchfahren“, sagt Thomas Matz am vergangenen Donnerstag. Der Einrichtungsleiter hat trotz Umzugsstress seinen Humor nicht verloren. „Dass ein Seniorenheim komplett umzieht, das hat man nun nicht alle Tage“, sagt Matz. In den vergangenen Monaten war er in dualer Funktion tätig. Quasi Bauleiter in Landstuhl und Einrichtungsleiter am Rosenberg. „Das Team ist weit über sich hinausgewachsen und hat wirklich tolle Arbeit geleistet“, sagt Matz über die Mitarbeiter. Pflegedienstleiterin Inge Eckert hat den Umzug akribisch geplant, mit ihrem Team alles organisiert. Auch Angehörige und Freunde der Bewohner helfen beim Umzug.
Nervosität am Vorabend
Waltraud Fabian tritt ebenfalls die Fahrt nach Landstuhl an. Sie ist Heimbeiratsvorsitzende und gespannt auf ihr künftiges Zuhause. „Ich habe es mir zwar auf Bildern angeschaut, aber nicht zu intensiv. Ich möchte es auf mich wirken lassen und es dann in Ruhe entdecken.“ Nervös seien viel Bewohner am Vorabend gewesen, erzählen Strauß und Fabian.
8.05 Uhr. Waltraud Fabian und Gretel Strauß sind die ersten, die den Berg verlassen. Matz beweist Reiseleiter-Qualitäten: „Wir fahren jetzt über die B 270 bis Horbach, dann über Linden und Bann nach Landstuhl.“ Es geht über die frisch sanierte B 270. „Haben sie extra für uns gemacht, damit es nicht so ruckelig ist“, sagt Matz. Die beiden Damen lachen. Es geht durch Horbach. Matz ist die Strecke in den vergangenen Monaten so oft gefahren, dass er jeden Zwerg in den Vorgärten kennt. „Hier war ich noch nie“, sagt Waltraud Fabian. Sie stammt aus Klingenmünster, lebte später in Pirmasens. Ihren 90. Geburtstag im kommenden Jahr „feiere ich in Landstuhl“.
Etwa 50 Helfer sind dabei und sollen – neben der Logistik – den Bewohnern die Aufregung nehmen. Drei Rettungswagen des Roten Kreuzes sind für die Liegendtransporte im Einsatz. Das Nardini-Förderzentrum hat fünf Busse zur Verfügung gestellt. Ein Materialbus des Altenheims aus Bobenheim-Roxheim transportiert Rollatoren und Rollstühle. „Mein sportliches Ziel ist es, dass zum Mittagessen um 12 Uhr alle in Landstuhl sind“, sagt Matz. Gretel Strauß und Waltraud Fabian schauen sich die Landschaft an. „Die Dörfer haben sich wirklich gemacht“, meint Strauß beim Blick aus dem Fenster.
Am Papstbild vorbei
Möbel, Fernseher, Kleidung, all das ist bereits nach Landstuhl gebracht worden. Die Heinrich-Kimmle-Stiftung hat beim Umzug angepackt. Das neue Haus ist eingerichtet, „aber alles, was den Bewohnern für die Gemeinschaftsräume am Herzen liegt, zieht mit um“, betont Matz. Dazu gehört eine Marienfigur für den Gemeinschaftsraum. Der Einrichtungsleiter hat das Porträt von Papst Franziskus bereits am Eingang angebracht. Und der Altar vom Rosenberg „ist auch schon in Landstuhl“. Einige Möbel gingen ans Caritas-Zentrum Pirmasens, das ab September für das Quartiersprojekt Horeb zuständig ist und dafür einiges benötigt.
Es geht vorbei am Landstuhler Krankenhaus. Die ärztliche Versorgung in Landstuhl „ist wirklich hervorragend“, sagt Matz, während sich der Blick auf die Sickingenstadt eröffnet. Mit zwei niedergelassenen Ärzten sind Kooperationsverträge abgeschlossen, „und hier gibt es auch viele Fachärzte“.
Noch einmal um die Ecke. „Da ist es“, sagt Matz und fährt auf den zweistöckigen Neubau zu. Um 8.45 Uhr ziehen die ersten beiden Bewohnerinnen ein. Das Personal hat alles vorbereitet. „Willkommen“, begrüßen sie Strauß und Fabian, leiten sie am Papstbild vorbei in den großen Gemeinschaftsraum, von dem aus sich der Blick in den 500 Quadratmeter großen Innenhof öffnet. „Ich dachte, es wäre nüchterner, aber es ist toll“, sagt Fabian.
Ginkgo im Hof
Während weitere Busse auf dem Weg sind, beziehen Fabian und Strauß ihre Zimmer. Fabian wohnt im zweiten Stock. Sie ist ein bisschen aufgeregt. Kurzer Stopp im Aufenthaltsraum ihrer Wohngruppe. „Da ist ja die Maria“, freut sie sich über die vertraute Statue. Dann der spannende Moment. Bianca Andrie-Wachter, Fachkraft für Soziale Betreuung, schließt die Zimmertür auf. „Oh schön, das ist wirklich toll“, sagt Fabian, als sie zum ersten Mal ihr Zimmer betritt. Sie schaut ins Grüne, kann problemlos ihr Fenster öffnen. „Das war mir wichtig, ich brauche Luft“, sagt sie. Ihre geliebten Bücher sind da. Vor allem ihr Losungsbuch. Den Tag damit zu beginnen, „macht manches leichter“, verrät sie.
Im Erdgeschoss macht sich Gretel Strauß auf den Weg in ihr Zimmer. Tolle Vorhänge, sagt sie. Mit Ginkgo-Blättern als Motiv. Ein Ginkgo steht auch im Hof. Und neue Bettwäsche gibt es. „Schöne Farben“, freut sie sich. Eine alte Kommode der Familie, einst Bestandteil der Posthalterei: „Die musste mit“, sagt sie. Die Kommode dient als Fernsehtisch. Was sie gerne schaut? Sport. Zum Beispiel Snooker und Biathlon.
„Der Rosenberg ist leer“
„Und wie ist es?“, fragt Matz. „Man kann es lassen“, sagt Gretel Strauß lachend. Ein kleines Aber kommt dann doch: „Aber es ist nicht der Rosenberg.“ Roswitha Stöß, die als Servicekraft beschäftigt ist, weiß, was Strauß meint: „Ich habe 34 Jahre auf dem Rosenberg gearbeitet“, sagt sie. Der Kapelle dort „werde ich morgen einen Besuch abstatten“.
Um 11.30 Uhr meldet Matz: „Der Rosenberg ist jetzt leer.“ Die letzten Bewohner sind auf dem Weg. In Landstuhl ist gleich Zeit fürs Mittagessen. Küchenchef Rene Jäger und sein Team haben Gulaschsuppe gekocht. Die Resonanz auf die Zimmer – 84 sind es – und vor allem die neuen Badezimmer ist positiv. Die Aufregung hat sich schon ein bisschen gelegt. Im Innenhof sitzen Bewohner, Angehörige und Mitarbeiter zusammen – wobei Letztere gleich wieder irgendwo gebraucht werden.
Zeit zum Durchatmen haben Matz und sein Team noch nicht. Der Einrichtungsleiter fährt zurück auf den Rosenberg, wo noch einige Tage ausgeräumt und aufgeräumt wird. Die erste Nacht nach dem Umzug verbringt Matz aber in St. Nikolaus, er will für Bewohner und Mitarbeiter da sein. Nach dem Umzug ist St. Nikolaus auch für neue Bewohner geöffnet.