Ruppertsweiler
Seit 125 Jahren ziert ein kleines Schmuckstück den „Hewwel“
Erforderlich wurde der Bau der Kirche am Ende des 19. Jahrhunderts, weil die frühere, noch aus dem Mittelalter stammende Dorfkirche im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden war und die Kirchen in Hinterweidenthal, Lemberg und Pirmasens, denen die Ruppertsweiler Protestanten zeitweise zugeordnet waren, recht weit weg lagen. Ab 1862 hatte ein Schulsaal als Gottesdienstraum gedient.
Nach der Ortschronik von Ruppertsweiler von Emil Guth war beim Neubau der heutigen Kirche Pfarrer Ludwig Heinrich Baum, der seit 1889 in Hinterweidenthal wirkte, die treibende Kraft. Bauherr war die „Oberste königliche Baubehörde“ in München, die den Plan für diesen kleinen „neuromanischen Bau“, versehen mit Holzdecke und einem spitzen Dachreiter, erstellte und gleichzeitig für die Bauausführung verantwortlich war. Geplant war ein Bethaus, doch hieraus entstand die heutige Kirche. Die Grundsteinlegung fand am 15. September 1895 statt. Als Standort hatte man den Hügel in der Ortsmitte bestimmt, der von den Einheimischen „Hewwel“ genannt wird.
Kirchenbau kostet 9000 Mark
Da die Gemeinde zu arm war, um aus eigenen Mitteln den Kirchenbau zu finanzieren, bat man um eine Beckensammlung in allen protestantischen Kirchen der Pfalz und um Mittel aus dem Fonds des Gustav-Adolf-Werkes. Daraufhin wurde Ruppertsweiler 1872 als zu unterstützende Gemeinde in das Gustav-Adolf-Werk aufgenommen. Das Werk spendete 1894 3500 Mark für den geplanten Kirchenbau. Die Gesamtkosten waren mit 9795 Mark angesetzt. Am Ende lag man sogar günstiger und konnte das Werk für rund 9000 Mark vollenden.
Am 30. August 1896 – knapp ein Jahr nach der Grundsteinlegung – wurde die Kirche durch Pfarrer Baum feierlich eingeweiht. Es war nicht nur ein großer Tag für die Ruppertsweiler Kirchengemeinde, sondern für die Gesamtbevölkerung. Zur Einweihung stiftete die Muttergemeinde Hinterweidenthal ihrer Filialgemeinde Ruppertsweiler eine Bibel. 1934 folgte unter Pfarrer Julius Lehmann und mit Zuschüssen des Gustav-Adolf-Werkes eine Innenrenovierung der Kirche.
Unbeschadet durch die Kriege
Das 50. Jubiläum wurde 1946 in der kaum veränderten Kirche gefeiert, denn das Gotteshaus blieb während des Zweiten Weltkriegs von Beschädigungen verschont. Es dauerte bis zum Jahr 1980, bis die Kirche auf Initiative von Pfarrer Lehr aus Hinterweidenthal grundlegend renoviert und der Innenraum vollkommen neu gestaltet wurden. Das in der Kirche verarbeitete Holz, das im Lauf der Zeit gestrichen und gelackt wurde, erhielt wieder seinen natürlich Farbton.
Betritt man heute das Gotteshaus, fällt der Blick im Altarraum auf die schöne Kanzel aus hellem Holz mit goldenen Verzierungen. Aus dem gleichen Material ist auch die Bestuhlung. Eine elektrische Heizung wurde installiert. Die 1896 gestiftete Bibel wurde von Pfarrer Lehr dem Pfarrarchiv Hinterweidenthal entnommen und zur ehrenden Erinnerung auf den Altar der Kirche gelegt.
Nach der Renovierung des Innenraumes wurden 1982 mit einem Kostenaufwand von 35.000 Mark auch die Außenfassade der Kirche erneuert, das Dach ausgebessert und das Eingangsportal neu gestaltet. Damals wurden zum Beispiel die Buntglasfenster wieder freigelegt und das Holzpodest unter den Bänken eingebaut. Der protestantische Frauenkreis steuerte die Wand- und den Kronleuchter bei.
Verändertes Geläut
Die Kriege waren schon immer die Feinde der Glocken. Die beiden Glocken wurden 1917 vom Turm geholt und abgeliefert. Unter Pfarrer Lehmann wurden statt der früheren zwei nun drei Glocken im Glockenstuhl installiert. Aus diesem Grunde wurde 1925 der Glockenstuhl aufgestockt und die verbliebene kleine „fis“-Glocke der politischen Gemeinde um zwei größere „cis-“ und „e“-Glocken ergänzt. Auch im Zweiten Weltkrieg mussten die beiden großen Glocken abgeliefert werden. Nur die kleine Glocke verblieb im Glockenstuhl.
Ende 1950 wurde in der Glockengießerei Schilling in Heidelberg eine größere „dis“-Glocke gegossen, installiert und geweiht. Beide Glocken blieben seither das vollständige Geläut. Die instrumentale Ausstattung der Kirche änderte sich im Lauf der Zeit mehrere Male. Zuletzt erhielt die Kirche 1974 eine Oberlinger-Orgel mit acht Registern und einem Manual. Sie wurde wieder auf der Empore eingebaut.
Zum Bedauern von Gemeindepfarrerin Susanne Dietrich habe über die Jahre nicht nur die Anzahl der Gemeindemitglieder, sondern auch die der Aktivitäten in der Ruppertsweiler Kirchengemeinde abgenommen. Es gebe keinen Kirchenchor und auch keinen evangelischen Frauenkreis mehr. Was geblieben ist, sind die Präparanden- und Konfirmandengruppen. Vor Ort gepflegt wird zudem die ökumenische Zusammenarbeit, unter anderem mit Bibelwochen.