Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Sechs Soldaten helfen als Kontaktnachverfolger

David Schütz vom Artillerielehrbataillon 345 aus Idar-Oberstein unterstützt das Gesundheitsamt Südwestpfalz zusammen mit fünf Ka
David Schütz vom Artillerielehrbataillon 345 aus Idar-Oberstein unterstützt das Gesundheitsamt Südwestpfalz zusammen mit fünf Kameraden bei der Kontaktnachverfolgung.

Die Drähte in der Kreisverwaltung laufen heiß. Corona-Infizierte informieren, Kontakte nachverfolgen, die Einhaltung der Quarantäne kontrollieren. Sechs Soldaten unterstützen das Gesundheitsamt bei diesen Anrufen, die nicht immer angenehm sind. Doch manch Angerufener freut sich sogar, wenn das Telefon täglich klingelt.

„Ach, der Herr Schütz vom Gesundheitsamt! Kein Husten, kein Schnupfen, kein Fieber!“ Etliche Kontaktpersonen wissen schon, was David Schütz hören möchte, wenn er seinen täglichen Anruf macht, berichtet der 30-jährige Soldat des Artillerielehrbataillons aus Idar-Oberstein. Dann geht es darum zu erfahren, ob Menschen, die in Quarantäne sind, weil sie Kontakt zu einem Corona-Infizierten hatten, Symptome zeigen. Und, verrät Gesundheitsamtsleiter Heinz Ulrich Koch, die Anrufe erfüllen einen weiteren Zweck: Wer rangeht, hält sich vermutlich an die Quarantäne-Anordnung. Jeden täglich anzurufen, sei nicht möglich. Man verlasse sich auf das Gespür der Kontaktnachverfolger, wo ein Anruf notwendig ist.

55 Anrufe bis 15.30 Uhr

Insbesondere mit Jüngeren wird der Kontakt digital gehalten. In ein Online-Tagebuch tragen sie täglich ein, wie es ihnen geht, ob sie Symptome zeigen. Das entscheidet auch darüber, ob sie nach Ablauf der Quarantänezeit aus selbiger entlassen werden. Dieser digitale Kontakt biete sich bei älteren Menschen meist nicht an, sagt Schütz. Da greift er dann zum Hörer. 55 Anrufe waren es am Montag bis 15.30 Uhr. Für dieses Mammutprogramm hat sich der 30-Jährige aus der Nähe von Kusel freiwillig gemeldet. „Ich habe Freunde bei der Kreisverwaltung Kusel“, erzählt er. Da habe er gehört, dass die Gesundheitsämter am Limit arbeiten. Wie angespannt die Situation tatsächlich ist, habe er erst hier erlebt. Ein Infizierter habe im Schnitt acht Kontaktpersonen. Da kommen etliche Anrufe zusammen.

Alle haben sich freiwillig gemeldet

Das Prinzip der Freiwilligkeit habe sich bewährt, betont Oberst Stefan Weber, Leiter des Landesverbindungskommandos. So könne man sicher sein, dass die Soldaten motiviert zu Werke gehen. „Die Jungs und Mädels haben erkannt, dass wir in einem gemeinsamen Boot sitzen. Die Pandemie heißt ja nicht umsonst so, sie trifft die ganze Welt“, sagt Weber, der keine Probleme sieht, ausreichend Freiwillige zu finden. Die sechs Soldaten aus Idar-Oberstein sind seit 11. November in der Südwestpfalz eingesetzt und nach einer anfänglichen Schulung fest ins Team integriert, erläutert Landrätin Susanne Ganster. Und dieses Team funktioniert. Ist man nach einem Anruf unschlüssig, bespreche man das mit den anderen, so Schütz. Wenn keiner Rat weiß, hilft die feste Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes, die sich den Raum mit den sechs Soldaten teilt.

Ungehaltenen Chef am Apparat

Die meisten Angerufenen seien einsichtig. Und hadere jemand mit der angeordneten Quarantäne, gehe er auf die Person ein, sagt Schütz. „Ich versuche dann zu erklären, dass es ja darum geht, Angehörige zu schützen: Eltern und Großeltern.“ Manche Menschen haben Bedenken, ihrem Chef zu sagen, dass sie in Quarantäne müssen. Denen sage er dann, der Chef könne sich gern bei ihm melden. Einmal sei das passiert, erzählt Schütz. Der Arbeitgeber wollte nicht einsehen, dass seine Mitarbeiterin als Kontaktperson in Quarantäne sollte. „Man kann auch ganz Deutschland lahmlegen“, habe der Mann geschimpft. Zwei Tage später sei der positive Corona-Test seiner Mitarbeiterin auf dem Schreibtisch der Kontaktverfolger gelandet. Alles richtig gemacht.

Einsamkeit wird zum Problem

Daneben gebe es Menschen, die sich freuen, regelmäßig vom Gesundheitsamt angerufen zu werden, sagt Amtsleiter Koch. Denn in der Gesellschaft führen die Corona-Maßnahmen zu einer „in der Sache gewollten, aber sich dann auch auswirkenden Vereinsamung“, erklärt er. Diese Gespräche lassen sich dann nicht abkürzen nach dem Motto „Danke, über Corona weiß ich Bescheid, den Rest kann ich mir nicht anhören“. In solchen Fällen kommen Mitarbeiter des sozialpsychiatrischen Dienstes zum Einsatz, die in Gesprächen ihre Hilfe anbieten. Um Corona gehe es dann längst nicht mehr.

Zur Sache: Soldaten unterstützen Gesundheitsamt

Die Nachverfolgung von Kontakten Corona-Infizierter wird das Gesundheitsamt des Landkreises noch Monate beschäftigen, schätzt Landrätin Susanne Ganster. Solange sei man für die Unterstützung der Bundeswehr sehr dankbar. 32 Köpfe gebe es eigentlich im Gesundheitsamt, aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens habe man das Personal aber mehr als verdoppelt. Mitarbeiter der Städte Pirmasens und Zweibrücken und der Kreisverwaltung gehören ebenso dazu wie Mitarbeiter des Zolls und des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung, sogenannte Containment Scouts des Robert-Koch-Instituts sowie sechs Soldaten des Artillerielehrbataillons 345 aus Idar-Oberstein.

Seit 11. November unterstützen sie das Gesundheitsamt. Der Hilfeleistungsantrag läuft laut Ganster noch bis 4. Dezember. Oberst Stefan Weber, der Leiter des Landesverbindungskommandos, stellte am Montag in Aussicht, dass er sich bei einem Folgeantrag für eine Verlängerung einsetzen werde. Zwar fällt die Entscheidung in Berlin, er werde sich aber dafür aussprechen, dass die Soldaten aus Idar-Oberstein weiter im Gesundheitsamt Südwestpfalz eingesetzt werden. Schließlich wurden sie nun für diese Aufgabe geschult. Der Einsatz der Soldaten könnte so bis Januar verlängert werden, schätzt Weber. Nach seiner persönlichen Einschätzung sei die Bundeswehr, die aktuell 16.000 Soldaten für Einsätze im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie zurückhalte, wohl in der Lage, dieses Engagement noch bis ins Frühjahr aufrecht zu erhalten. Aktuell werden alle Gesundheitsämter unterstützt. Mit Blick auf die Vorbereitung auf Einsätze müssten die Soldaten dann Stück für Stück wieder zu ihren eigentlichen Aufgaben zurückkehren.

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