Kreis Südwestpfalz Schwesternhaus wird Wohnheim für Flüchtlinge

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Contwig bekommt ein zweites Wohnheim für junge Flüchtlinge, die ohne Eltern nach Deutschland kommen: Das Schwesternheim an der katholischen Kirche soll Platz für etwa 15 Jugendliche bieten. Der Verwaltungsrat der katholischen Kirchengemeinde hat am Mittwochabend zugestimmt. Das Pfarrheim, das kirchliche Vereine nutzen, bleibt aber.

Pfarrer Johannes Müller ist bereits angesprochen worden, was aus dem Pfarrheim wird, und er gibt gleich Entwarnung: „Nur die Etage, wo die Schwestern gewohnt haben“, soll genutzt werden. „Das Pfarrheim bleibt Pfarrheim, die Bücherei bleibt Bücherei“, sagte er gestern im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Im ersten Obergeschoss sei aber Platz für 14 Jugendliche, vielleicht auch mehr. Dort gebe es acht bis neun Zimmer, die man zum Teil als Zweibettzimmer nutzen könne, einen großen Gemeinschaftsraum, eine große Küche und mehrere Bäder. Die Etage diente früher als Wohnheim für die Dominikanerinnen, von denen früher ein Dutzend in Contwig lebten. „Aber das ist lange her“, sagt Pfarrer Müller. Ende September haben die letzten beiden Schwestern Contwig verlassen: Nikola Löckelt und Virgula Winkelblech, die fast 60 Jahre in Contwig gelebt und sich in der Kirchengemeinde engagiert hatten. Sie zogen nun ins Mutterhaus des Ordens in Speyer. Damit schloss die Schwesternstation in Contwig nach 102 Jahren. Laut Kreissprecherin Ulla Eder hatte Landrat Hans Jörg Duppré die Idee, das nun leerstehende Schwesternheim für jugendliche Flüchtlinge zu nutzen, die ohne Eltern nach Deutschland kommen. Wann die ersten Jugendlichen einziehen werden und woher sie kommen, steht noch nicht fest. Auch zu den Kosten könne man noch nichts Genaues sagen. Das Land erstatte aber die Kosten für Unterbringung und Betreuung. Laut Pfarrer Müller bekommt die Kirche für das Wohnheim Miete. „Das ist ein sehr moderater Betrag“, sagte er. Ob und wie sich die Contwiger Kirchengemeinde engagieren wird, könne man noch nicht sagen. Die Betreuung der Jugendlichen übernehmen die Johanniter mit Sitz in Pirmasens. Laut Vorstand Dominik Tretter geht es darum, mit ihnen den Tagesablauf zu gestalten – etwa aufstehen, frühstücken, gemeinsam kochen. Sozialarbeiter werden sich um die Flüchtlinge kümmern. Sie würden ihnen beispielsweise helfen, den Ort kennenzulernen, in Vereinen mitzumachen und Behördengänge zu erledigen. Die Jugendlichen werden auch Sprachunterricht bekommen, möglicherweise von der Kreisvolkshochschule oder dem Internationalen Bund (IB). Ob die Johanniter selbst diesen Unterricht anbieten können, müsse man noch sehen. Vieles sei derzeit noch nicht ganz klar, sagte Tretter: Wie viele Sozialarbeiter in Contwig beschäftigt werden, hänge beispielsweise davon ab, wie viele Jugendliche aufgenommen werden. Auf jeden Fall sollen rund um die Uhr Betreuer dabei sein; offen ist aber, ob die Johanniter selbst nachts vor Ort sind oder ob das jemand anderes übernimmt. Auch wann es losgeht und woher die Flüchtlinge kommen, stehe noch nicht fest. „Wir wählen die Jugendlichen nicht aus“, sagte er. Es sei aber sinnvoll, Jugendliche aus dem gleichen Land und von der gleichen Religion aufzunehmen. Das Schwesternhaus sei nur eine kurzfristige Lösung. Hier würden die Flüchtlinge unterkommen, bis sie in eine Wohngruppe oder eine andere Jugendhilfeeinrichtung umziehen. Dort werden sie dann betreut, bis sie 18 sind. Laut Kreis-Sprecherin Ulla Eder sollen weitere Einrichtungen folgen, weil Bedarf bestehe. Konkrete Pläne für einen bestimmten Ort oder gar ein Gebäude gebe es derzeit aber noch nicht. Dass der Anfang bei zwei Häusern in Contwig gemacht wurde, sei Zufall. Wie zuletzt am 6. November berichtet, wird das CJD Homburg in einem Haus in der Bahnhofstraße acht Jugendliche betreuen, die ohne Eltern nach Deutschland geflüchtet sind. Die Kreisverwaltung stehe in engem Kontakt mit allen freien Trägern der Jugendhilfe. Beispielsweise habe man sich vergangene Woche zu einem runden Tisch getroffen. Zum Zuge kämen Träger, die bereits in der Lage sind, eine Einrichtung zu betreiben. Beim Schwesternhaus in Contwig hätten sich die Johanniter von sich aus angeboten. „Letztendlich entscheidet der Kreis, welche Hilfsorganisation mit ins Boot genommen wird, allerdings stets im Einvernehmen und nach Angebot und Bereitschaft der Hilfsorganisation“, erklärt Eder.

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