Kreis Südwestpfalz Schwerer Schlag: Bosch streicht 410 Jobs

Die Bosch-Tochterfirma Bosch Emission Systems (BESG) macht ihr Werk in Neunkirchen-Wiebelskirchen dicht, das erst im April 2014 neu gebaut wurde. Betroffen sind dort 200 Mitarbeiter. Für 100 gibt es ein vertragliches Rückkehrrecht zu Bosch Homburg. Dort, im Bosch-Rexroth-Werk, wurde gestern die Streichung von weiteren 160 Jobs angekündigt. Zu den bereits 52 im Vorjahr verkündeten. „Schockstarre“ sei gestern die Reaktion der Mitarbeiter gewesen, berichtet die IG Metall. In Summe falle jeder dritte Arbeitsplatz bei Rexroth in Homburg weg.
Die Bosch Emissions Systems GmbH (BESG), ein 2010 mit Eberspächer gegründetes Joint Venture, seit 2012 alleine bei Bosch, ist seit 2010 in Neunkirchen ansässig und dort 2014 in den Neubau in Wiebelskirchen umgezogen. Das Unternehmen baut Abgasnachbehandlungs-Systeme für Traktoren, Mähdrescher, Bagger, Radlader und Transporter. Das Geschäft des Unternehmens befinde sich „nach wie vor in einer angespannten wirtschaftlichen Lage“, erklärte gestern Bosch-Sprecherin Claudia Arnold. Davon „maßgeblich betroffen“ seien die Firmenstandorte Neunkirchen und Kentwood im US-Bundesstaat Michigan. Als Ursache nennt Arnold die hohen Stückkosten der Abgasanlagen, die dort bei der Produktion anfielen. Versuche, die Kosten zu drücken, hätten nicht ausgereicht. „Mit dem Ausstieg der Hauptkunden aus dem Bestandsgeschäft in Deutschland und den USA wird der Bosch Emission Systems nun die Geschäftsgrundlage entzogen“, sagte Arnold gestern. Die Firma in den USA werde im Herbst 2017 geschlossen, 150 Mitarbeiter würden gekündigt. Im Neunkircher Werk seien 200 Mitarbeiter betroffen. Zum Zeitpunkt des Werksneubaus 2014 habe hohe Nachfrage nach den Produkten bestanden; ein Ausbau des Standorts auf 250 Mitarbeiter war geplant. Doch jetzt wolle der Hauptkunde die „Zusammenarbeit“ bald beenden: „Trotz intensiver Prüfungen gibt es aus heutiger Sicht keine Alternative für den Standort Neunkirchen. Für die betroffenen Mitarbeiter will Bosch gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern sozialverträgliche Lösungen finden. Nach Angaben der IG Metall haben rund 30 Mitarbeiter die BESG bereits verlassen. Von den noch 170 hätten rund 100 ein vertragliches Rückkehrrecht zur Robert-Bosch-GmbH. Als „klares Bekenntnis für den Wirtschaftsstandort Saarland“ hatte der damalige Wirtschaftsminister Heiko Maas 2014 beim Spatenstich für das Wiebelskircher Werk das Engagement der BESG gepriesen. Auch Zweibrücken war neben einem Standort in Thüringen für eine BESG-Ansiedlung im Gespräch. Das Saarland legte sich ins Zeug: Die Firma Saarland Bau und Boden (SBB), eine Tochter der landeseigenen Strukturholding Saar, hatte sich damals bereiterklärt, die 14 000 Quadratmeter große Halle zu bauen und anschließend an die BESG langjährig zu vermieten. Nun tut sich ein Problem auf: 14,5 Millionen Euro hatte die Landesgesellschaft investiert. IG Metall: Verlust von einem Drittel der Jobs ist nicht hinnehmbar Auch Homburg wird von der Rotstift-Politik der Bosch-Entscheider getroffen. Bei Bosch-Rexroth werden in Summe 210 der 710 Stellen gekappt. Im Produktbereich Mobile Anwendungen waren bereits im vergangenen Jahr Sozialplanverhandlungen für 52 Mitarbeiter angelaufen. Jetzt kommen „bis zu 160“ aus dem Produktbereich der Kompakthydraulik hinzu, wie Rexroth-Sprecherin Judith Mühlich gestern nach einer Belegschaftsversammlung bestätigte. Geplant sei, dass sich der Standort künftig vorwiegend auf die Montage und Prüfung von elektrohydraulischen Ventilen und Ventilblöcken konzentriere. Die Vorfertigung von Ventil-blöcken wolle man an Zulieferer auslagern. Teile der Produktion einfacherer Ventile will man ins kostengünstigere türkische Bursa verlagern. Die 160 Arbeitsplätze will Bosch bis Ende 2018 sozialverträglich abbauen. Von einer Schockstarre, in die die Mitarbeiter gestern bei der Belegschaftsversammlung in Homburg gefallen seien, berichtet Ralf Cavelius von der IG Metall Saarpfalz. „Es war einiges über die Flure gegeistert, nie aber die Zahl 160. Das ist ein harter Schlag“, sagt der zweite Bevollmächtigte der Gewerkschaft, zuständig für Bosch. Er forderte die Konzernlenker in Stuttgart und Homburg auf, den Standort mit seinen 5600 Mitarbeiten abzusichern. „Arbeit ist bei Bosch genug da. Es fragt sich nur, wo sie stattfindet“, so Cavelius. Wer einen Preis nach dem anderen für Innovationen einheimse, dürfe die Mitarbeiter nicht im Regen stehen lassen. Man werde um jeden Arbeitsplatz kämpfen. Die Mitarbeiter würden sich kreativ einbringen. Eine Lösung müsse auch die BESG mit einschließen. „Wenn fast jeder dritte Arbeitsplatz bei Rexroth in Homburg wegfallen soll, ist das nicht hinnehmbar.“ Heute kommen die Mitarbeiter der Dieselwerke in Homburg zu Betriebsversammlungen zusammen. Saar-Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) kündigte an, mit den ihr zu Verfügung stehenden Instrumenten möglichst viele Arbeitsplätze im Saarland erhalten zu wollen. Der Immobilie in Wiebelskirchen komme eine besondere Bedeutung zu. Ein kleiner Hoffnungsschimmer sei, dass in die Überlegungen von Bosch, wie es im Saarland weitergehen soll, Bewegung kommt. Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind wurde gestern per Anruf von der Homburger Geschäftsleitung informiert. „Das sind ganz schlechte Neuigkeiten“, sagte Schneidewind. Er könne „nur an die Bosch-Spitze appellieren, dass der Standort Homburg nicht noch weiter abgebaut wird. Und dass er zumindest in seiner nun verbliebenen Form erhalten bleibt – wenn nicht eines Tages dann doch wieder ein Ausbau möglich ist.“ Mit den Bosch-Verantwortlichen und den Arbeitnehmervertretern sei man im „ständigen Austausch“. Schneidewind: „Ich habe schon beim Empfang zum Maifeiertag gesagt, dass mich die Entwicklung bei Bosch-Rexroth mit Sorge erfüllt.“