Südwestpfalz Schulen wünschen sich mehr Busse
In der Realschule plus und der Fachoberschule am Schulzentrum Dahn läuft der Unterricht im Normalbetrieb, berichtet Schulleiter Michael Dürphold. In der Pause dürften die Schüler auf dem Hof die Maske zwar abnehmen, „aber die wollen halt einfach miteinander quatschen, und dann behalten sie lieber die Masken auf, als Abstand zu wahren“. Zwei Lehrer gehörten zur Risikogruppe: Sie bereiten ihren Unterricht zu Hause vor, und zwei Ersatzkräfte führen ihn durch. „Die ADD hat uns die Zeiten zwar nur zu drei Vierteln ersetzt, aber es funktioniert ganz gut“, sagt der Schulleiter. Kürzlich wurde ein Zwölftklässler positiv auf das Coronavirus getestet. Er befinde sich seit knapp zwei Wochen in Quarantäne. Auch für fünf direkte Kontaktpersonen aus seiner Klasse wurde Isolation angeordnet, berichtet Dürphold. Da die Klasse nur zwölf Schüler hat, würden nun alle digital zu Hause unterrichtet. Ansonsten habe es lediglich einzelne Verdachtsfälle gegeben.
Das Unterrichten mit Maske hält Dürphold für sehr belastend. Manche Kollegen klagten über Hautreizungen am Mund. „Man muss auch viel lauter sprechen als sonst, das strengt die Stimme ungemein an.“ In den vergangenen Wochen seien die Schüler für den Online-Unterricht trainiert worden, und die Schule habe ihre Lernplattformen nochmals überarbeitet, um sich für eine eventuelle erneute Schließung zu rüsten. „Man muss sich ja irgendwie vorbereiten“, meint Dürphold. Hier würde er sich mehr Unterstützung von der Politik wünschen. „Wir bräuchten im Grunde einen Computersachverständigen, der sich um nichts anderes kümmert. Der Digitalpakt geht hier total daneben, da wir zwar Hardware einkaufen können, aber das muss alles zusätzlich und nebenher von den Lehrkräften geleistet werden, was auf Dauer nicht möglich ist.“ Der Leiter wünscht sich, früher über Beschlüsse der Landesregierung für die Schulen informiert zu werden. „Bisher wurde beschlossen, und die Anweisung kam dann freitagsnachmittags um 15 Uhr. Da hatten wir meist schon durch die Presse erfahren, was kommt.“
Sitzpläne fürs Gesundheitsamt
„Wir haben bis jetzt – toi, toi, toi – noch keinen aktiven Fall“, erzählt Roland Eich, Schulleiter der IGS Thaleischweiler-Fröschen. Falls das doch passiert, sind Pläne aufgestellt, ist die Nummer des Schulleiters hinterlegt, unter der er Tag und Nacht erreichbar ist. Wer in Quarantäne muss, entscheidet das Gesundheitsamt, dem dazu Sitzpläne an die Hand gegeben werden. „Als Schulleiter habe ich aber die Möglichkeit, anzuordnen, dass jemand vorsorglich zu Hause bleibt“, erläutert Eich. Das Corona-Konzept der Schule habe sich bis dato bewährt. „Unser Vorteil ist, dass unsere Schule aus drei Gebäuden besteht.“ Das ermöglicht getrennte Ein- und Ausgänge für Unter-, Mittel- und Oberstufe. Auch Pausenhöfe und sanitäre Anlagen sind getrennt. Arbeitsgemeinschaften im Ganztagsbereich sind nun klassenintern.
Von den Gesprächen von Bund und Ländern am Mittwoch erhofft sich Eich, dass in Zukunft differenziert wird: Je nach Infektionsgeschehen solle vor Ort über die Form des Unterrichts entschieden werden. „Wir können, aber wir wollen nicht unbedingt in den Hybridunterricht wechseln. Wir bevorzugen ganz klar den Präsenzunterricht, so lange das möglich ist. Unsere Schüler brauchen uns auch“, sagt Eich. Die Differenzierung, etwa durch die Wahlpflichtfächer, halte die Gruppenstärken gering. Die Räume seien groß genug, um Abstand zu halten. Dringend nachgebessert werden müsse der Schülertransport, um Gedränge zu vermeiden.
Erste Fälle an IGS
Lange Zeit war auch die Integrierte Gesamtschule Daniel Theysohn in Waldfischbach-Burgalben nicht von einem Corona-Fall betroffen. Das hat sich geändert: Am Freitag wurde die Infektion der ersten Schülerin bestätigt. Dazu kommt ein weiterer Fall, bei dem noch auf die endgültige Bestätigung eines ersten positiven Ergebnisses gewartet wird. „Natürlich waren wir uns schon die ganze Zeit der Risiken bewusst, aber verständlicherweise ist das mit dem ersten positiven Test nun doch noch mal ein Stückchen realer geworden“, sagt Schulleiterin Irmgard Bauer. Dem Gesundheitsamt wurden nach dem positiven Test die Sitzpläne überlassen, aufgrund derer Quarantäne für 16 Schüler angeordnet wurde. Bisher seien keine Lehrer infiziert oder in Isolation. Bauer hat ihr Recht als Schulleiterin genutzt und die Klassenstufe mit dem Verdachtsfall in Absprache mit der Aufsichtsbehörde für zwei Tage nach Hause geschickt.
Auch die lang gestreckte IGS in Waldfischbach-Burgalben biete gute Möglichkeiten, die Klassenstufen zu trennen. „Schwachpunkt an unserem Gebäude sind die schmalen Flure, da ist bei den Schülern Disziplin gefragt“, sagt Bauer. Mit Blick auf die Verhandlungen am Mittwoch wünscht sie sich, dass nicht entschieden wird, einzelne Klassenstufen wieder komplett ins Homeschooling zu schicken. Hybridunterricht mit Klassen, die in zwei Gruppen und im wochenweisen Wechsel zu Hause und in der Schule unterrichtet werden, „können wir, das haben wir vor den Sommerfeiern gezeigt“, sagt sie. Ihr größter Wunsch lautet: „Unbedingt beim Schülertransport nachbessern“. Die besten Konzepte in den Schulen helfen nicht, „wenn die Kinder vor und nach der Schule dicht gedrängt gemeinsam im Bus unterwegs sein müssen“.
Vorsichtig bei Verdachtsfällen
An der Berufsbildenden Schule Rodalben mit ihren mehr als 1000 Schülern und 80 Lehrern gab es bisher keine Corona-Infektionen. „Alle Hygieneregeln werden strikt eingehalten, aber wir haben auch Glück gehabt“, meint Schulleiter Stefan Eichenlaub. Zwei Schüler befänden sich zurzeit in Quarantäne, Lehrer seien bisher nicht betroffen. Zu den Entscheidungen, die diese Woche auf Bundesebene anstehen, mochte sich Eichenlaub nicht äußern. Die BBS hat sich auf verschiedene Szenarien vorbereitet. Zur Not werde die Hälfte einer Klasse vor Ort unterrichtet und die andere Hälfte im Stream einbezogen, wobei täglich gewechselt würde. Der Schulleiter sieht Vorteile in diesem Konzept, weil es die Tagesstruktur der Schüler wahrt und doppelte Belastung des Kollegiums durch Präsenz- und Digitalunterricht vermeidet. Müsste die Schule bei einem vollständigen Lockdown schließen, ginge der Unterricht nach Stundenplan online vonstatten. Die Schüler erhielten zudem Arbeitsaufträge und Übungsmaterialien. „Man klopfe auf Holz“, sagt Eichenlaub, in der Hoffnung, weiterhin unbeschadet durch die Pandemie zu kommen.
Glimpflich kam bisher die Hauensteiner Wasgauschule durch die Pandemie, auch wenn die im Herbst und Winter üblichen Krankheiten nicht ausbleiben. „Bei uns ist momentan keine Lehrkraft und kein Schüler von Amts wegen in Quarantäne“, berichtet Leiterin Arlett Hübsch. Die Realschule plus lege Wert auf Prävention: „Es ist ein großes Plus unserer überschaubaren Schulgemeinschaft, dass wir uns kennen und vor allem, dass wir miteinander reden“, sagt die Rektorin. Mit Verdachtsfällen gehe man äußerst vorsichtig um: „Wenn Kollegen von Sorgen wegen Begegnungen mit positiv Getesteten berichten, wenn Eltern mit der Schule aus dem gleichen Grund Kontakt aufnehmen, dann raten wir, sich eine Auszeit zu nehmen, dem Unterricht fernzubleiben und gegebenenfalls einen Test durchführen zu lassen.“ Im Übrigen spiegele die Diskussion den öffentlichen Diskurs im Kleinen wider: Es gebe vereinzelt Eltern, die etwa die Maskenpflicht wegdiskutieren wollen, und auf der anderen Seite solche, die eine Verschärfung der Maßnahmen fordern.
Konzept für Gruppenteilung
„In der gegebenen Situation halten uns an die vorgegebenen AHA-Regeln und lüften stetig. Wir könnten uns in dieser schwierigen Zeit Schöneres vorstellen, aber wir schlagen uns durch“, resümiert die Schulleiterin. Von den vorgesetzten Dienststellen erwarte sie künftig klar formulierte Anweisungen „ohne die Wörtchen ,sollte’, ,könnte’ …“.
An der Schule unter dem Needing wird noch Präsenzunterricht durchgeführt. Für den Fall, dass eine Teilung der Gruppen verordnet würde, hat die Schule ein Konzept in der Schublade: Die Klassenstufen fünf, sieben und neun würden aufgeteilt und könnten „täglich im Präsenzunterricht beschult werden. Das gibt unser Raumangebot her“, sagt Hübsch. Die Klassenstufen sechs, acht und zehn werden ebenfalls in kleinere Gruppen aufgeteilt, jedoch wechseln hier tageweise Präsenzunterricht und Homeschooling ab. So wäre eine Gruppe in der einen Woche montags, mittwochs und freitags, in der nächsten Woche dienstags und donnerstags in der Schule. An diesen fünf Tagen wird nach dem regulären Stundenplan einer Woche gearbeitet, während an den Homeschooling-Tagen, an denen die nächste Gruppe im Klassenzimmer ist, Arbeitsaufträge bearbeitet werden.