Thaleischweiler-Fröschen RHEINPFALZ Plus Artikel Schul-Graffiti: Auf gemeinsamer Mission mit dem Mann vom Mars

Dschungel, Lebensbaum, Leseratte – es gibt viel zu entdecken auf dem Graffiti im MSS-Raum an der IGS in Thaleischweiler-Fröschen
Dschungel, Lebensbaum, Leseratte – es gibt viel zu entdecken auf dem Graffiti im MSS-Raum an der IGS in Thaleischweiler-Fröschen, das kunstaffine Schüler kurz vor den Weihnachtsferien gemeinsam mit Künstler Carl Kenz realisiert haben.

Farbe in die Welt bringen, das ist die Mission, der sich Carl Kenz verschrieben hat. Der Künstler, der in der Region Kaiserslautern lebt, ist dort aber nach eigenen Aussagen nur gelandet. Geboren wurde er, sagt Kenz über sich selbst, auf dem Mars. Farbe, verbunden mit vielen Intensionen, hat Kenz jetzt an die Integrierte Gesamtschule in Thaleischweiler-Fröschen (IGS) gebracht.

Genauer gesagt wurde die Farbe in den Aufenthaltsraum der Oberstufe gebracht. Wer hier künftig in Pausen und Freistunden seine Zeit verbringt, etwas trinkt, gemeinsam lernt, einfach chillt, kann seine Augen nun über die neu gestalteten Wände gleiten und sich inspirieren lassen. Denn Motivation, Inspiration, Reflexion waren wichtige Bestandteile bei der Arbeit der Schüler aus den Klassenstufen elf und zwölf, die gemeinsam mit Kenz Farbe an die Wand brachten. Die gemeinsame Mission lautete: Fantasie beflügeln, Menschen zum Lachen und zum Nachdenken anregen. Mittels Graffito, denn das ist die Kunstform, der sich Kenz intensiv widmet. In vielen Ländern dieser Welt hat der Künstler, der sich öffentlich bewusst nicht zeigt, schon zum Lachen, zum Nachdenken angeregt und mit seiner Kunst Farbe in eine manchmal graue Welt gebracht.

Auch in der Südwestpfalz hat Kenz in Zusammenarbeit mit Schülern sichtbar Spuren hinterlassen – und begeisterte Schüler. „What I do“ heißt das Werk in der Grundschule in Waldfischbach-Burgalben. „Was ich tue, wird nie verstanden, sondern immer nur gelobt und getadelt“, steht hinter diesem Werk. Auf den Philosophen Friedrich Nietzsche geht das Kunstwerk zurück, das Kenz an der Grundschule in Höheinöd verewigt hat: „The Joyful Wisdom“, die fröhliche Wissenschaft, heißt es.

Teil eines Landesprojekts

Entstanden sind diese Werke 2020 im Rahmen des Landesprojekts „Jedem Kind seine Kunst“. Und im Rahmen des Landesprojektes war Kenz nun an der IGS tätig. „Bei uns war es eher jedem Oberstufenschüler seine Kunst“, sagt Nadine Detemple lachend. Detemple ist Lehrerin für Bildende Kunst an der IGS und Vertrauenslehrerin. Sie hat die Gruppe zusammengestellt, die gemeinsam mit Kenz in einer Projektwoche weiße in bunte Wände verwandelte. Mit Motiven, „die viel mit uns, unserem Leben, unseren Wünschen, unserem Weg zu tun haben“, sagen Sara Becker, Adrian Lohr, Anny Töbs und Isabell Igel, die zu den Nachwuchskünstlern gehörten, die das Projekt in Theorie und Praxis umsetzen durften. Klasse zwölf besuchen sie normalerweise.

Graffiti, sagt Detemple, sei Thema im Kunstunterricht gewesen. Es nicht nur bei der Theorie zu belassen, sondern die Kunst auch praktisch umsetzen, „war mit ein Grund, warum wir uns für das Landesprogramm beworben haben“, sagt sie. Im schulischen Kontext „bekommt man keine Spraydose in die Hand“, erläutert Detemple. Nur die Vorarbeit auf Papier – der Sprayer spricht von skills, wenn es um Entwurfszeichnungen geht – waren an der Schule im Rahmen des Unterrichts möglich. Das große Finale, aus vielen Skills ein Gesamtkunstwerk zu gestalten und es auf die Wand zu sprayen, „das hat uns das Projekt ermöglicht“, erklärt Detemple.

14 kunstaffine IGSler

Kunstaffin sein, das war eine Voraussetzung auf Schülerseite, um am Projekt teilnehmen zu können. 14 kunstaffine IGSler waren es schließlich. Die Wahl des Künstlers fiel ganz bewusst auf Kenz und sein Werk. „Each one, teach one“ ist für Kenz ein wichtiges Leitmotiv bei Projekten an der Schule. Frei übersetzt: Wer eine Kunst beherrscht, unterrichte einen anderen darin.

Dieser Leitlinie folgte er nun an der IGS. Graffiti und cool, diese Wörter gehören für viele zusammen. Aber einfach eine Wand besprayen, das ist in der Regel erst mal Sachbeschädigung. Graffiti als Kunst ist etwas ganz anderes. Was es ist, das hat er mit den Schülern erarbeitet. Wobei erarbeitet wahrscheinlich der falsche Ausdruck ist, denn es ging darum, der Kunst und damit der Kreativität und Fantasie Raum zu bieten. Auch im MSS-Raum.

Von der Theorie zum Tag

Theorie, dann das eigene Tag, die persönliche Unterschrift auf dem Kunstwerk, entwickeln, so startete das Projekt. Jeder durfte seinen Entwurf zeichnen – mit Bleistift auf Papier. „Diese Entwürfe wurden zusammengenommen, von allen sind Elemente an der Wand zu finden“, erzählen Becker, Lohr, Töbs und Igel. Kenz habe ihnen viel Freiraum gelassen und viel Vertrauen geschenkt, als es darum ging, die Farbe an die Wand zu bringen. Zaghaft, bekennen die vier, hätten die meisten begonnen, als es ans Sprayen ging. „Aber die Sicherheit hat man sehr schnell bekommen. Wir wurden schnell immer mutiger, zuversichtlicher“, beschreiben sie den Entstehungsprozess. Auch weil Kenz sie ermutigte. „Wenn mal was schief gehe, dann kann man es auch ausbessern“, habe er immer gesagt und geholfen, wenn mal was schief ging. Wenn heute der Auftrag käme, eine Wand zu besprühen? „Sehr gerne“, trauen sich die vier das zu.

Entstanden ist ein Werk, das auf den ersten Blick viele Elemente beinhaltet, die anzuschauen einfach Spaß machen. Aber hinter dem Werk steckt viel mehr. Der Lebensbaum, die Tür, die nach dem Schulabschluss offen steht, aber erst mal in einen Dschungel führt, weil man manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht und gar nicht weiß, welche dieser Möglichkeiten genutzt werden sollen. Der Dschungel steht auch für Abenteuer, das Abenteuer des Lebens. Eine Rakete fliegt jetzt auch bildlich durch den Raum. Sie symbolisiert den Start. Vielleicht den Start ins Leben als Graffiti-Künstler.

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