Hauenstein
Schuh Marke verlässt Online-Marktplätze
„Der stationäre Handel ist an allen Ecken und Enden gebeutelt“, sagt Luise Marke (77). Die Gründerin der Firma Schuh Marke zählt auf: Die Kaufkraft der Kunden sei vielerorts gesunken, das Einkaufsverhalten der Menschen habe sich grundlegend verändert und es werde immer schwerer, Mitarbeiter zu finden. Die Schuhbranche habe sich noch nicht von den Einbrüchen während der Corona-Pandemie erholt, die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen steige. „Da ist man froh, wenn man noch bei den Überlebenden ist“, bringt es Luise Marke auf den Punkt. Sie führt die Firma gemeinsam mit ihrem Sohn Mike Marke (54).
Das alles hat Auswirkungen auf das Unternehmen. Das Firmen-Flaggschiff, die 2000 Quadratmeter große Verkaufsfiliale in Hauenstein, laufe gut und liege beim Umsatz vorne, erklärt Mike Marke. So große Räume bräuchten viel Frequenz, die gebe es in Hauenstein. Dahinter reihe sich die Filiale in Luxemburg ein, die seit 1991 betrieben wird und ebenfalls gut besucht werde.
Doch an anderen Standorten sehe das anders aus. Die Innenstädte lockten die Kunden nicht mehr so stark wie früher. In den vergangenen drei Jahren sei es daher notwendig gewesen, etliche Filialen zu schließen, schildert Mike Marke. Darunter auch das erste Geschäft von Schuh Marke, das 1981 in Hochspeyer eröffnet wurde.
Den Anfang machte ein „fahrendes Gewerbe“
Den Grundstein für das Unternehmen legte Luise Marke, die 1973 ein fahrendes Gewerbe anmeldete und Schuhe verkaufte. Heute unterhält Schuh Marke 15 Filialen im Raum Pfalz, Saarland, Baden-Württemberg, Hessen und Luxemburg.
Hinzu kommen sogenannte Monolabel-Geschäfte in Saarbrücken, Hauenstein, Landau sowie in Neunkirchen und Kaiserslautern. Während in den Filialen Damen-, Herren- und Kinderschuhe verschiedener Marken verkauft werden, gibt es bei den Geschäften mit Monolabel-Struktur Schuhe einer einzigen Marke. Ein Beispiel dafür ist der Tamaris-Shop in der Kaiserslauterer Einkaufsgalerie „K in Lautern“. Doch egal, ob Filiale oder Monolabel: Wichtig sei immer der bestmögliche Service, eine kompetente Beratung und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, betont Luise Marke.
Über alle Standorte verteilt zähle das Unternehmen 180 Mitarbeiter, würde gerne weitere einstellen. Der Verwaltungssitz liegt in Hauenstein, nur einen kurzen Weg von der Verkaufsfiliale entfernt. Dort, an der alten Bundesstraße, befindet sich auch das Lagergebäude der Schuhhändler, aus dem alle Filialen beliefert werden. 15 Personen sind vor Ort in der Verwaltung tätig, 20 Personen arbeiten in der Logistik.
Was die Einnahmen angehe, habe Schuh Marke das Vor-Corona-Niveau noch nicht wieder erreicht, der erwartete Jahresumsatz werde bei 24 Millionen Euro liegen, umreißt Mike Marke. Den Einnahmen stehen immer höhere Betriebskosten entgegen, etwa hohe Mietpreise für die angemieteten Filialräume sowie gestiegene Mietnebenkosten.
Vieles wird zurückgeschickt
Etwas, das sich für die Firma nicht ausgezahlt habe, seien die Online-Marktplätze, erklärt Mike Marke. „Das ist süßes Gift“, sagt der Unternehmer. Seit der Pandemie sei Schuh Marke bei den großen Online-Portalen vertreten, doch das sei ein rein defizitäres Geschäft. Zwar werde viel Ware bestellt, die dann im Lager in Hauenstein verpackt und von dort versendet werde. Doch vieles davon komme anschließend wieder zurück und werde nicht gekauft. Die hohen Rücksendequoten in Kombination mit den Gebühren, die Schuh Marke an die Online-Plattformen zahlen müsse, machten das Geschäft unrentabel. Die Konsequenz: Ende des Jahres will sich Schuh Marke von den Marktplätzen zurückziehen.
Der eigene Online-Shop soll indes bestehen bleiben, betont der Geschäftsführer. Das Angebot werde von Kunden gerne genutzt, um sich vor einem Besuch in einer der Filialen über das Sortiment zu informieren. Während jüngere Menschen kaum noch in Geschäften einkauften, sehe das bei den etwas älteren anders aus. „Sie schätzen den Service und die fachliche Beratung“, sagt Luise Marke.
Qualität statt Wegwerfprodukte
Zu den treuen Stammkunden gehörten beispielsweise Kunden aus Frankreich, die für das Einkaufserlebnis nach Hauenstein kämen. Doch auch Menschen aus dem Karlsruher Raum und Baden Württemberg fänden den Weg hierher. Von Wegwerfprodukten, die für wenig Geld gekauft werden und dann nach kürzester Zeit auf dem Müll landen, distanziert sich die Unternehmerin ganz klar. „Unser Name ist Programm“, sagt Luise Marke. Schuh Marke stehe für Qualität und Markenschuhe. „Wenn man einen Schuh pflegt, hält er richtig lange“, betont sie.