Kreis Südwestpfalz Schafe, Esel und Fische

Vorne Futter, hinten Melkmaschine – Petra Eichberger und ihre Milchschafe sind ein eingespieltes Team.
Vorne Futter, hinten Melkmaschine – Petra Eichberger und ihre Milchschafe sind ein eingespieltes Team.

Die Liebe zu ihren Tieren und die Leidenschaft für die Natur verbindet sie. Der „Schaf- und Tierzuchtverein Busenberg, Drachenfels und Umgebung“ wurde 1989 gegründet. Angefangen hatte es mit sechs Leuten und einem Kasten Bier, erzählen Mitglieder der ersten Stunde. Mittlerweile ist der Verein auf 82 Mitglieder angewachsen, darunter drei Berufsschäfer.

Die Mitglieder kommen hauptsächlich aus dem Dahner Felsenland, aber auch aus den angrenzenden Landkreisen. Die Palette der im Verein vertretenen Tierarten reicht von den unterschiedlichsten Schafrassen über Hühner, Kaninchen, Pferde, Esel, Rinder, Ziegen, Hunde bis hin zu Vögeln und Forellen. Während Heidschnucke, Merino und Schwarzkopf noch halbwegs bekannt sein dürften, finden sich viele weitere Rassen auf der Liste: Suffolk, Shropshire, Ostfriesische, Texel, Fuchsschaf, Ile de France, Skudde und Waliser Schwarznasen. Vorsitzender Michael Fess betont allerdings, dass man nicht unbedingt Schafe haben oder in der Pfalz wohnen muss, um Mitglied im Verein zu werden. Auch der Flohzüchter aus Hannover sei willkommen. „Es geht einfach um den Austausch untereinander“, und der sei nicht ortsgebunden, sagt Fess. Die Busenberger Schafhalter hätten sich schon immer zusammengesetzt, um zu reden und ihr Wissen auszutauschen, erzählt Michael Fess. Irgendwann beschloss man, einen Verein zu gründen. Je mehr die Landwirtschaft zurückging und die Felder nicht mehr bestellt oder gemäht wurden, desto mehr gewann die Hobbytierhaltung in den vergangenen Jahrzehnten an Bedeutung. Hier setzt der Verein an. Die Offenhaltung der Landschaft sei ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt. „Hier haben wir schon früh Farbe bekannt“, sagt Fess. Man habe schon vor vielen Jahren für die Offenhaltung geworben und versucht, Hobbytierhalter dafür zu gewinnen. Das sei moderner Naturschutz. Fess schätzt, dass derzeit in der Region rund 60 Hektar Land allein durch Hobbyschäfer offen gehalten werden – Flächen, die ansonsten innerhalb von fünf bis sechs Jahren verbuscht und zugewachsen wären. In diesem Jahr zahlt das Biosphärenreservat erstmals eine Förderung für eine Fläche von 20 Hektar. Nicht nur Schafe kommen zum Einsatz, sondern auch Ziegen, Pferde und Rinder. Eine Mischbeweidung sei sinnvoller, weil jede Tierart ihre bevorzugten Fresspflanzen hat. Der Erfahrungsaustausch hat im Verein einen hohen Stellenwert. Ein Freund, der sich auskennt und einem zur Seite steht, sei hilfreicher als so manches Buch, das sich mit dem Thema beschäftigt. Vor allem in der Lammzeit sei die gegenseitige Hilfestellung wichtig. Wenn es Probleme gibt, kann man sich Hilfe im Verein holen – egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit. Trockenfutter für den Winter und Impfstoffe besorgen die Vereinsmitglieder in Sammelbestellungen. Wenn ein Mitglied seine Tiere nicht selbst impfen will, übernimmt das der Vorsitzende. Der Verein will einen Beitrag zur Tiergesundheit leisten, beispielsweise mit Vorträgen zu Themen wie Medikamente, Wurmmittel oder ganz allgemein Entwicklungen in der Tierzucht. So habe man früher die Tiere alle paar Wochen entwurmt, heute mache man das nur noch nach Bedarf, berichtet Fess. Über den Verein erfahren die Mitglieder aktuelle Nachrichten und Entwicklungen, beispielsweise zur Ausbreitung der Blauzungenkrankheit, und erhalten Empfehlungen für Gegenmaßnahmen. „Als Anfänger und Laie wird man hier aufgefangen, und dafür bin ich dankbar“, sagt Christina Berger aus Schönau, die erst seit wenigen Jahren Kamerunschafe hält. Neben der Netzwerkarbeit und intensiven Kontaktpflege gibt es die ein oder andere Exkursion zu Schäferfesten in anderen Regionen. Mit dem Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen pflegt der Verein eine enge Zusammenarbeit, etwa bei den jährlichen Lammwochen, welche die regionale Fleischproduktion in den Fokus rücken, und beim jährlichen Schäferfest. Die Krönung des Vereinsjahrs ist der „Advent im Schafstall“, den der Verein auf dem Gelände der Wasgauschäferei Busenberg ausrichtet und der jedes Jahr Hunderte von Besuchern anzieht. Menschen für ein Leben mit Nutztieren zu begeistern und damit eine Lebensgemeinschaft zu fördern, die es in dieser Region schon immer gab, ist eine große Motivation für die Vereinsmitglieder, berichtet der Vorsitzende Fess.

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