Zweibrücken Schüler der IGS Contwig unterstützen Eltern ihres verunglückten Freundes

Rahel Merten, Jasmin Habibi, Horatiu Baloi und Maximilan Schwarm beim Entfernen der Tapeten.
Rahel Merten, Jasmin Habibi, Horatiu Baloi und Maximilan Schwarm beim Entfernen der Tapeten.

Am 25. September vergangenen Jahres verunglückte der damals 17-jährige Marek Saberatzky mit seinem Fahrrad. Ein Autofahrer hatte ihm die Vorfahrt genommen. Der junge Mann erlitt ein Schädel-Hirntrauma und ist seit dieser Zeit körperlich und geistig schwer beeinträchtigt. Seine Mitschüler stehen ihm zur Seite – auch beim Wohnungsumbau.

Am vergangenen Samstag trafen sich ehemalige Klassenkameraden des verunglückten Marek Saberatzky aus der 13. Klassenstufe der IGS Contwig zu einem Arbeitseinsatz, um die Wohnung behindertengerecht umzubauen. Spontan hätten sich Schülerinnen und Schüler der Abiklasse der IGS Contwig bereiterklärt, Mareks Eltern bei der Renovierung zu helfen, berichtet Florian Cordier, der als ehemaliger Lehrer von Marek beim Arbeitseinsatz ebenfalls tüchtig mit anpackte. Sieben Schülerinnen und zehn Schüler waren an diesem Tag damit beschäftigt, Tapeten abzulösen, Türzargen herauszureißen sowie Fliesen und alte sanitäre Einrichtungen zu entfernen.

Badezimmer wird zur Küche

Sichtlich gerührt von diesem Engagement zeigte sich Mareks Mutter Vera Stauder, die ihren Sohn seit Februar in einer Rehaklinik in Gailingen nahe der Schweizer Grenze mitbetreut. „Marek macht zwar gute Fortschritte, aber Tatsache ist, dass wir später mal ein schwerbehindertes Kind nach Hause bekommen.“ Wann ihr Sohn nach Zweibrücken zurückkommen wird, stehe noch nicht fest. Denn gegenwärtig werde der heute 18-Jährige per Magensonde ernährt, könne weder sprechen noch laufen und sei inkontinent.

Aus Platzgründen müsse man das Badezimmer zur Küche umbauen und umgekehrt. Sämtliche Türen in Mareks Wohnung müssten verbreitert werden und die Steckdosen und Lichtschalter so installiert, dass er sie vom Rollstuhl aus erreichen kann. Zusätzlich werde vorsorgehalber ein Pflegezimmer eingerichtet, obwohl noch nicht klar sei, ob man überhaupt eine 24-Stunden-Pflegekraft zugesprochen bekommt, so Stauder. Was außerdem benötigt werde, sei ein Außenaufzug.

Täglich Therapie

„Ich finde das ganz klasse, dass sich Lehrer und Schüler so für unseren Sohn einsetzen und sich dermaßen engagieren“, freute sich Mareks Vater Heiko Saberatzky. „Direkt nach dem Unfall haben sie uns schon ihre Hilfe angeboten, aber wir haben das die ganze Zeit hinten angestellt, da wir nicht wussten, wie sich das alles noch entwickeln wird. Solange während der Therapie noch Fortschritte zu verzeichnen sind, bleibt Marek auch weiterhin in der Reha-Klinik. Jeden Tag – von Montag bis Freitag – hat er dort Physio-, Ergo-, Logo- und Musiktherapie. Die einzelnen Therapiestunden sind wie in einem Stundenplan aufgelistet. Es gibt da aber auch viele Fälle, wo Kinder oder junge Erwachsene stellenweise drei Jahre therapiert werden, bis sie wieder nach Hause kommen!“

Einer der fleißigen Helfer am Samstag war Markus Vendt. „Als guter Freund versucht man zu helfen, wo es geht. Hier in diesem Haus stecken viele Erinnerungen, denn ich habe hier schon mehrfach übernachtet – einmal sogar zwei Wochen am Stück.“ Ähnliche Beweggründe zu helfen, gab es auch für Sebastian Martin. „Ich bin mit Marek bereits seit der fünften Klasse befreundet. Man hat sich in den Jahren danach immer besser kennengelernt. Als ich von dem Unfall erfahren habe, war das für mich ein Schock, aber gleichzeitig war auch klar, dass ich in irgendeiner Weise helfe.“ Horatiu Baloi bezeichnet sich als einen der besten Freunde Mareks. „Ich habe hier in diesem Haus auch schon übernachtet. Und wenn ich mir jetzt vorstelle, meinem Sohn wäre das Gleiche passiert, dann hätte ich mir auch gewünscht, dass mir seine Freunde in einer solchen schwierigen Situation helfen.“

Info

Für den behindertengerechten Umbau von Mareks Wohnung sowie zur Anschaffung eines Aufzuges und eines Fahrzeuges für den Transport via Rollstuhl hat der Verein „Kontrastbühne“ ein Spendenkonto eingerichtet: IBAN: DE65 5919 0000 0117 9440 00, Verwendungszweck: Marek.

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