Corona und die Folgen Südwestpfalz: Tourismus wird hart getroffen

Auch die Hauensteiner Schuhmeile muss dicht machen.
Auch die Hauensteiner Schuhmeile muss dicht machen.

Das Coronavirus stellt fast alles auf den Kopf. Um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, wird das öffentliche Leben von Mittwoch an weitgehend stillgelegt. Nicht nur Verwaltungen und öffentliche Einrichtungen bleiben großteils zu, auch viele Geschäfte. Restaurants müssen abends schließen, Gästezimmer dürfen nicht mehr an Touristen vermietet werden. Eine harte Zäsur, die touristische Regionen wie das Dahner Land und Hauenstein besonders trifft.

Bis vor kurzem lief ihr Geschäft glänzend: das Haus bis in den Frühsommer hinein ausgebucht, viel Zuspruch der Gäste, hervorragende Aussichten auf ein gutes Geschäftsjahr – die jüngsten Millionen-Investionen haben sich offenbar gelohnt. Doch nun stehen die Betreiberfamilien der größten Dahner Hotels, der Vier-Sterne-Superior-Häuser Pfalzblick und Felsenland, schlagartig vor einer unsicheren Zukunft. Alle Gäste reisen ab, die Wellness-Hotels schließen bis auf weiteres ihre Türen. Sie müssen, denn von Mittwoch an gilt die Vorgabe von Bund und Land, dass es keine Übernachtung zu touristischen Zwecken mehr geben darf. Wegen Corona: Die Ansteckungsgefahr soll minimiert werden, Menschenansammlungen müssen daher vermieden werden.

Bis Anfang März sei die Entwicklung noch sehr sehr gut gewesen, stellt Hotelier Manfred Maus fest. Dann habe es langsam angefangen mit Stornos, aber noch sei neu gebucht worden. Gedreht habe sich dies am vorigen Freitag – da wurde die Schließung von Schulen und Kitas angeordnet. Am Wochenende hätten sie noch 125 Gäste gehabt, am Mittwoch reisen die letzten 57 Gäste ab – schweren Herzens, wie Maus feststellt.

Hotel rechnet mit hohem Schaden

Noch schwerer wiegt dies für die Hotelierfamilie und die fast 100 Mitarbeiter. Empfang und Verwaltung bleiben zwar besetzt, doch für die meisten Mitarbeiter gibt es nichts mehr zu tun, zumal auch das Restaurant schließt. Da das Hotel sie halten will, muss es Löhne und Gehälter erst mal weiter bezahlen, ebenso die anderen Kosten des Hauses. Bei fehlenden Einnahmen. „Das kostet gut Geld“, stellt Maus fest. Wenn sie bis Ende April schließen müssten, schätzt er, dürfte ihnen eine halbe Million Euro verloren gehen. Sie verbrauchten zunächst ihre Reserven, wollten aber vorsorglich Mittel bei der Hausbank beantragen; Hilfen über die KfW wurden in Aussicht gestellt. Außerdem wollten sie für den Betrieb Kurzarbeit anmelden; auch hier ist eine Regelung ähnlich wie in der Finanzkrise angekündigt worden. Schwierig ist für Maus vor allem die Ungewissheit darüber, wie lange sie schließen müssen; Online-Buchungen sind daher erst wieder ab Mitte Juni möglich.

Darauf sei niemand vorbereitet gewesen, stellt Maus fest – und: „es hat schon mal mehr Spaß gemacht“. Doch er weiß auch, dass er damit nicht alleine ist: „Es wird alle wirtschaftlich ganz erheblich treffen.“

Personal soll gehalten werden

Davon geht auch das Hotel Felsenland aus. Dort reisen am Mittwoch die verbliebenen 70 Gäste ab, wie Chefin Margit Ruppert bestätigte. Das Restaurant Felsengraf ist bereits geschlossen. Am Wochenende noch hätten sie etwa 140 Gäste beherbergt, bis Mai seien sie voll gebucht gewesen. Der Schaden könne daher schon in den Millionenbereich gehen, meint sie. Die 86 Mitarbeiter wollten sie halten, sagt Margit Ruppert. Auch hier wollen sie nach Überstunden- und Urlaubsabbau auf Kurzarbeit zurückgreifen.

Ein Schlag für die Verbandsgemeinde

Die beiden Hotels sind beileibe nicht die einzigen Betriebe im Tourismus-Bereich, die unter der Corona-Krise leiden. Auch Vermieter von Ferienwohnungen und Zimmern, Pensionen, Campingplätze, Speiselokale, Freizeiteinrichtungen und nicht zuletzt der Einzelhandel, der ebenfalls die Touristen braucht, trifft die Krise – gerade zu Beginn der Saison. „Das ist für uns ein richtiger Schlag“, stellt Verbandsbürgermeister Michael Zwick fest – zumal die Buchungsstände dieses Jahr so gut wie noch nie gewesen seien. Schon von Januar bis einschließlich November 2019 stiegen die Übernachtungen im Vorjahresvergleich zuletzt um 4,9 Prozent auf rund 240.000. Damit ist das Dahner Felsenland Spitzenreiter und mit der Nachbar-VG Hauenstein (plus 7,8 Prozent) treibende Kraft im Landkreis (plus 3,8 Prozent). Eine positive Entwicklung, die auch viele Privatleute veranlasst hat, zu investieren. Für Zwick steht daher fest, dass nun die Hilfe des Staates gefragt ist.

Schuhmeile schließt

Deutlich zu spüren bekommt die Folgen der Corona-Krise ebenfalls die benachbarte Verbandsgemeinde Hauenstein. Auch dort wird der Fremdenverkehr ausgebremst, muss etwa das Deutsche Schuhmuseum vorerst schließen. Treffen wird dies außerdem – wie in vielen anderen Orten – den Einzelhandel, in Hauenstein vor allem den Publikumsmagneten Schuhmeile. Dort müssen ebenfalls die Geschäfte schließen, da nur noch Läden mit bestimmten wichtigen Waren wie etwa Lebensmittel offen bleiben dürfen. „Eine schwierige Zeit“, die sicher auch Härtefälle generieren werde, stellt der Hauensteiner Verbandsbürgermeister Werner Kölsch fest. Dessen Ordnungsamt wird die Umsetzung übrigens kontrollieren müssen.

Verwaltungen im Krisenmodus

Dahn

„Wir machen nur noch Corona“ – so beschrieb der Dahner Verbandsbürgermeister Michael Zwick am Dienstag die Ausnahmesituation in der öffentlichen Verwaltung. Denn dort muss derzeit vieles schnell organisiert werden: Einrichtungen wie Schwimmbad, Turnhallen und Spielplätze müssen geschlossen, Notbetreuungen an den Grundschulen und Kitas organisiert werden, die Verwaltung selbst muss auf Krisenmodus eingerichtet werden. Für die Bürger bedeutet das: Der persönliche Besuch in der Verwaltung ist nur noch in Ausnahmefällen möglich. Grundsätzlich seien sie nur telefonisch oder per Mail erreichbar, sagt Zwick; die Behörde bleibe auch bis auf einen Mitarbeiter voll besetzt. Für Ausnahmefälle, etwa wenn Stromkunden für ihre Münzzähler nachladen müssten, gebe es aber eine Klingel und es könnten auch telefonisch Termine vereinbart werden.

Auch innerhalb der Verwaltung wird der persönliche Kontakt begrenzt – auch er erledige nun viel mehr per Telefon oder Mail, betont Zwick. Und in sensiblen Bereichen, die für die Versorgung der Bürger unverzichtbar sind, werde der Kontakt der Mitarbeiter auf das absolute Minimum beschränkt. In allen Sparten der Werke etwa seien die Trupps so aufgestellt, dass nur noch telefonisch oder per Mail kommuniziert werde. „Damit wir nicht in die ganze Gruppe in Quarantäne schicken müssen, falls einer erkrankt“, so Zwick.

Abgesagt sind vorerst die Ratssitzungen – ebenso in Dahn, wo zunächst noch für 25. März eine Sitzung vorgesehen war. Für Zwick ist dies aber kein großes Problem, da sich der Bürgermeister in dringenden Angelegenheiten mit seinen Beigeordneten abstimmen und eine Eilentscheidung treffen könne.

Hauenstein

Auch in der Verbandsgemeinde Hauenstein finden erst einmal keine Rats- und Ausschusssitzungen statt. Eingeschränkt sind bereits seit Montag persönliche Besuche der Bürger in der Verwaltung. Die Bürger sollen nur in dringenden Angelegenheiten ins Rathaus kommen, besser per Telefon und E-Mail kommunizieren. Daran hat sich laut Gerold Bernhard, Geschäftsführender Beamter, auch nichts wesentlich geändert. Wer zur Verwaltung komme, müsse auch zunächst bei der Telefonzentrale sein Anliegen vorbringen; dort könnten außerdem Unterlagen abgegeben werden. Die Mitarbeiter der Verwaltung bleiben auch dort voll im Dienst.

Waldfischbach-Burgalben

Anders als noch am Montag vorgesehen ist nun auch die Verwaltung der Verbandsgemeinde Waldfischbach-Burgalben für den Publikumsverkehr geschlossen. Die Verwaltungsangelegenheiten sollten möglichst per Telefon oder E-Mail erledigt werden, informierte der Geschäftsführende Beamte Frank Riedinger am Dienstagnachmittag. Der Besuch der Verwaltung sei nur noch in absolut notwendigen Fällen vorgesehen. Geschlossen werden bis auf Weiteres nicht nur das Hallenbad in Waldfischbach-Burgalben und die Sporthallen, sondern auch die Zentralbücherei.

Thaleischweiler-Wallhalben

Die Rathäuser der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben an den Standorten Thaleischweiler-Fröschen und in Wallhalben sind für den Publikumsverkehr geschlossen, wie die Verwaltung am Dienstag mitgeteilt hat. Eine persönliche Vorsprache ist nur noch nach vorheriger telefonischer Terminvereinbarung möglich. Die Bürger werden gebeten, ihre Amtsgeschäfte per E-Mail oder telefonisch zu erledigen.

Die Telefonnummern sowie die E-Mail-Adressen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finden sich auf der Homepage der Verbandsgemeinde (www.vgtw.de) sowie in der Ausgabe des Mitteilungsblattes vom Donnerstag.

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