Thaleischweiler-Fröschen RHEINPFALZ Plus Artikel Südwestpfalz: Neue Strategie im Werben um Ärzte

In Zweibrücken eröffnet das Medizinische Versorgungszentrum bald einen zweiten Standort. In Pirmasens und dem Landkreis waren di
In Zweibrücken eröffnet das Medizinische Versorgungszentrum bald einen zweiten Standort. In Pirmasens und dem Landkreis waren die Bemühungen, MVZs anzusiedeln, noch nicht von Erfolg gekrönt.

Der Landkreis Südwestpfalz wird seine Strategie zur Verbesserung der ärztlichen Versorgung im Kreis ändern. Künftig gibt es keinen Projektkoordinator mehr. Dessen Aufgaben übernimmt eine Lenkungsgruppe mit der Landrätin, den Oberbürgermeistern der Städte Pirmasens und Zweibrücken, dem Leiter des Gesundheitsamtes und Vertretern der Kreisärzteschaft sowie der Ärztenetze Süd-West und Zweibrücken (wir berichteten am 12. März).

Am Montag berichtete Landrätin Susanne Ganster im Kreistag über das, was mit Hilfe von Axel Motzenbäcker, Geschäftsführer der Medi Südwest GmbH, seit 2018 gelungen ist. Um die Abstandsregeln und Hygienevorschriften bei dem über 40-köpfigen Gremium einhalten zu können, tagte der Kreistag in der Sporthalle der IGS Thaleischweiler-Fröschen. Ganster führte als größten Erfolg den Ausbildungsverbund für junge Ärzte an. Sie nannte die Einrichtung einer kardiologischen Zweigpraxis in Waldfischbach-Burgalben und die Nachfolgeregelung für den Pirmasenser Neurologen Karl-Josef Klees. Im Dahner Felsenland, wo wegen der Altersstruktur der niedergelassenen Ärzte ein Versorgungsmangel droht, seien viele Gespräche geführt worden. Mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) habe man über die Einrichtung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) in Dahn gesprochen. Ganster lobte Einzelinitiativen wie den Imagefilm von Stefan Mainberger und sprach die jüngsten Bemühungen des Dahner Verbandsbürgermeisters Michael Zwick an.

Kreis vor Daueraufgabe

Der Kampf gegen den Ärztemangel werde „unsere Daueraufgabe sein“, sagte die Landrätin. Es sei wichtig gewesen, durch die Zusammenarbeit mit Motzenbäcker einen Impuls zu setzen. Künftig werde man aber nicht dauerhaft jemanden bezahlen, sondern gezielt Aufträge vergeben.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Christof Reichert sagte, dass die medizinische Versorgung im Kreis „das entscheidende Zukunftsthema“ sei. Er betonte, dass die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung die Aufgabe der KV sei, nicht die der Kommune. Es sei lobenswert, dass sich der Landkreis frühzeitig darum bemüht habe gegenzusteuern. „Wir sind hier in einem Wettbewerb der Köpfe und wir müssen dazu die Vorteile der Region herausstellen“, ergänzte Reichert.

Gezielte Hilfe vor Ort

Alexander Fuhr, der Fraktionsvorsitzende der SPD, merkte kritisch an, dass die Bemühungen der vergangenen beiden Jahre „nicht das gewünschte Ergebnis gebracht haben“. Er forderte eine „differenziertere, strukturiertere Vorgehensweise“ gezielt auf der Ebene der Verbands- und Ortsgemeinden. Es gelte, Unterstützung vor Ort zu leisten. Lutz Wendel (AfD) bemerkte, dass es ein großes Problem sei, für Ärzte passende Immobilien, die gut erreichbar sind und über Parkplätze verfügen, zu finden. Eine Möglichkeit hätten Gemeindehäuser geboten, die aber zum Teil „billig verramscht worden“ seien. Roland Gappa (FDP) appellierte, den Kampf gegen den Ärztemangel als gemeinsame Daueraufgabe anzusehen.

Ganster entgegnete Fuhr, dass Motzenbäcker die Aufgabe hatte, orientiert am Einzelfall Ärzte zu suchen. Jetzt folge mit der geänderten Struktur der zweite Schritt. Neben der Lenkungsgruppe, die unter anderem Aktionen wie den Ärztetag verantwortet, gibt es auf der operativen Ebene eine Arbeitsgruppe, die als Ansprechpartner für Ärzte und kommunale Verwaltungen dient. Unterstützt werden soll die Arbeitsgruppe durch einen Expertenpool, über den Einzelfallberatungen ermöglicht werden. Die Experten erhalten dann einzelfallbezogene Arbeitsaufträge.

Coronavirus: Weniger Tests

Landrätin Susanne Ganster informierte den Kreistag am Montag über die aktuelle Lage in der Corona-Pandemie. Im Kreis habe es weitere Lockerungen gegeben, die Kreisgalerie, die Kreismusikschule und die Kreisvolkshochschule sollen Anfang Juni wieder ihren Betrieb aufnehmen. Das Problem sei, dass viele Unterrichtsorte in Schulen wegen der Corona-Pandemie nicht zur Verfügung stehen, da die Räume nachmittags für den nächsten Unterrichtstag desinfiziert werden. Dass es mit der Öffnung der Kreismusikschule länger dauert, als in anderen Kommunen, kritisierte Dirk Palm (CDU). „Da ist sehr viel Unruhe bei Eltern und Kindern“, sagte er. Ganster erklärte, dass derzeit Gespräche über Standortalternativen geführt werden.

Mit Blick auf die rückläufigen Coronatests fragten Stefan Kölsch (Grüne) und Roland Gappa (FDP), warum nicht mehr Menschen auf das Coronavirus getestet werden. „Wenn nicht getestet wird, gibt es keine Fälle“, sagte etwa Gappa. Ganster erklärte, dass im Testzentrum Höhfröschen bislang 1346 Tests vorgenommen worden seien. Bei etwa jedem zehnte Getesteten sei das Coronavirus nachgewiesen worden. „Jeder Arzt sagt, dass ein Test nur dann vorgenommen werden soll, wenn auch Symptome auftreten“, ergänzte sie. Betreuungseinrichtungen sei angeboten worden, Mitarbeiter testen zu lassen. Davon sei kein Gebrauch gemacht worden. Mittlerweile seien die Öffnungszeiten des Testzentrums und die Erreichbarkeit der Hotline reduziert worden.daa

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