Kampf gegen Coronavirus Südwestpfalz: Mediziner warnen vor Lockerung des Kontaktverbotes

Unterschiedlich ist noch die Kontaktregelung für Seniorenheime in Stadt und Landkreis. Dies soll sich laut Kreis noch ändern.
Unterschiedlich ist noch die Kontaktregelung für Seniorenheime in Stadt und Landkreis. Dies soll sich laut Kreis noch ändern.

In der Südwestpfalz steigt die Anzahl der Neuinfizierten weiter an. Insgesamt 65 positiv Getestete registrierte das Gesundheitsamt am Sonntag. Nach wie vor ist es ein langsamer Anstieg. Mediziner warnen jedoch vor Diskussionen über Lockerungen. Eine Corona-Ambulanz in Pirmasens soll die niedergelassenen Ärzte weiter entlasten.

Der befürchtete rasante Anstieg von positiv Getesteten bleibt in der Südwestpfalz bislang aus. Nach wie vor steigt die Kurve hier verhältnismäßig langsam – ganz anders als etwa im benachbarten Frankreich, wo vor allem im Elsass die Krankenhausbetten längst nicht mehr ausreichen für die Erkrankten. Beruhigend finden das auch Mediziner wie die Pirmasenser Ärzte Günter Zinßius und Michael Ehmann, die beide im Testzentrum Höhfröschen mitarbeiten. „Da haben wir einen Vorteil als Provinz“, meint Zinßius. Ihren Anteil daran könnten auch die frühzeitigen und strengen Kontaktauflagen des Kreises haben, vermutet Landrätin Susanne Ganster. Diskussionen über Lockerungen seien allerdings absolut verfrüht, warnen die Mediziner eindringlich. „Wir können nicht zurückgehen“, sagt auch die Landrätin – und „auf keinen Fall Entwarnung geben“.

Nächste Woche mehr Klarheit

Die kommende Woche werde, so Zinßius, ein wenig der „Knackpunkt“ werden: Wenn nach der zweiten Woche der Isolation die Anzahl der Neuinfizierten weiterhin nur langsam steige, dann könne man davon ausgehen, durch die Isolation schon etwas erreicht zu haben. Denn in der Regel begännen nach fünf, sechs Tagen der Ansteckung die Symptome, die in der zweiten Woche dann zu schweren Verläufen führen könnten. Danach könne man sich nicht mehr anstecken. Zahlen über Genesene liegen nicht vor; möglicherweise gebe es aber bald Bluttests, um eine Immunisierung nachzuweisen.

Dass Vorsicht geboten ist, hängt auch damit zusammen, dass etliche Testergebnisse auf sich warten lassen. Denn Labors kommen derzeit mit der Auswertung der Tests kaum noch nach. Das Labor im Saarland, mit dem er zusammenarbeite, verdeutlicht Zinßius, sei etwa mit 800 bis 900 Tests regelrecht überrannt worden; dort werde nun auch am Wochenende gearbeitet. Hinzu kämen Lieferengpässe, etwa bei Reagenzien.

Materialengpässe bereiten dem Kreis derzeit keine Sorge. Sie hätten sich rechtzeitig mit Mundschutz und Schutzbekleidung ausgestattet, betonte die Landrätin erneut. Und sie hätten nun auch beschlossen, für das Elsass etwas davon zu spenden. Übrigens werde auch keine Arztpraxis abgewiesen, die sich deswegen hilfesuchend an den Kreis wende. Allerdings, betont Ganster, sei das nicht die Aufgabe des Kreises, Praxen auszustatten, sondern Ansprechpartner seien die Kassenärztlichen Vereinigungen.

Materialmangel für Ärzte ein Problem

Bei niedergelassenen Ärzten ist die Versorgung allerdings ein großes Thema. Der Mangel sei eine „unbefriedigende Situation“, stellt Hausarzt Zinßius fest – „das setzt viele Ärzte unter Druck“. Denn nicht jeder habe die Möglichkeit, Corona-Patienten in separaten Räumen zu behandeln. Die Herausforderung sei es, potenziell Infizierte von den anderen Patienten zu trennen.

Entlastung sollen da die Corona-Ambulanzen bieten, in denen infizierte Patienten behandelt werden, die nicht ins Krankenhaus müssen. In Zweibrücken gibt es eine solche Ambulanz am Krankenhaus, in Wallhalben wurde eine zweite eingerichtet, in Pirmasens wird nach einem Standort für die dritte Ambulanz gesucht.

Corona-Ambulanz Wallhalben: Finanzierung noch unklar

Der Wallhalber Standort ist bereit, ab dem heutigen Montag zu starten, sagt Ganster. Doch wann er tatsächlich den Betrieb aufnehmen wird, ist offen. Der Grund: Die Verhandlungen mit der Kassenärztlichen Vereinigung über die Finanzierung sind immer noch nicht abgeschlossen, wie Ganster feststellt – es sei ja eine zusätzliche Leistung. Man rechne aber in der kommenden Woche mit einem Ergebnis.

Die mangelhafte Ausstattung der Praxen, dazu die offenen Finanzierungsfragen – für die vielen medizinischen Fachkräfte, die sich über ihren normalen Alltag hinaus engagieren, ist das eine zusätzliche Hürde. Zumal sie nicht nur unter zeitlichem, sondern oft auch unter psychischem Druck stehen, wie die Mediziner schildern: Die Einsätze unter ungesicherten Bedingungen führten ebenfalls zu Diskussionen in den Familien.

Am Ende des Tages sei es wichtig, stellt die Landrätin fest, dass man in Rheinland-Pfalz einmal grundsätzlich über dieses System sprechen müsse. Denn sie habe den Eindruck, dass sich darin nicht jeder seiner Verantwortung stelle.

Unterschiedliche Regelungen für Heime

Dass manches noch nicht rund läuft, zeigt sich auch an der Handhabung der Besuche in Seniorenheimen, die in den beiden Städten und im Landkreis unterschiedlich ist. Der Kreis habe, erklärt dies Ganster, zunächst eine strengere Regelung, nämlich die Abschottung der Heime, erlassen, dann habe das Land eine weniger strenge Regelung verfügt, wodurch der Kreis – anders als die Städte – seine Regelung gleich zurückgenommen habe. In der Hoffnung darauf, dass das Land auch diesen Detailbereich noch regeln werde, was aber noch nicht geschehen sei. Die Städte hätten das Land nun gebeten, dass einzelne Rechtsverordnungen bestehen bleiben dürften. Dazu habe das Land aber eine Prüfung des Gesundheitsamtes verlangt, die man auch erstellt habe. Bis zur Entscheidung des Landes bleibt es erst einmal bei unterschiedlichen Handhabungen. Entsprechend unterschiedlich sind laut Ganster die Rückmeldungen aus Heimen: Mancherorts funktioniere das Abstandhalten, andernorts hielten sich die Besucher trotz Hinweisschild einfach nicht daran. Eine belastende Situation für Angehörige, weiß Ganster – aber auch ein hohes Risiko für Senioren.

x