Corona und die Pflegeheime
Südwestpfalz: Der Schutz der Senioren und seine Schattenseiten
Hans Jung, Geschäftsführer und Heimleiter des Seniorenpark in Hinterweidenthal berichtet, dass trotz bereits fehlender Besuche die Stimmung im Haus ruhig und gelassen ist. Sowohl Angehörige, die nicht mehr kommen können, als auch Bewohner haben viel Verständnis für die Schutzmaßnahmen. Das Personal arbeite mit normalen Mund-Nase-Masken. „Wir haben hier schon viele selbstgenähte aus der Umgebung und von Angehörigen bekommen“, sagt Jung, wofür man dankbar sei.
Antje Gillenberg, Einrichtungsleiterin im Haus am Kurpark in Dahn, berichtet ähnliches. „Die Bewohner reagieren verständnisvoll auf die Maßnahmen. Den meisten ist bewusst, dass dies zum Schutze ihrer Gesundheit geschieht.“ Seit den Kontaktbeschränkungen nach außen seien die Beziehungen zwischen Bewohnern und Mitarbeitern noch enger geworden. Auch hier werden die selbstgenähten Mundschutzmasken gerne genommen; „die sind bunt und sehen auch viel freundlicher aus“, sagt Gillenberg. Der Mundschutz werde gut akzeptiert. In beiden Einrichtungen werden die Selbstgenähten in der eigenen Wäscherei gewaschen.
Angelika Salignat, Pflegeleitung im Seniorenheim Hauenstein, beklagt, dass Masken mit Filter (FFP2) kaum zu beschaffen sind. „Selbstgenähte Masken werden auch von unseren Pflegekräften getragen. Wir haben aber noch nicht so viele, dass sich das Waschen im Haus lohnen würde. Die Mitarbeiter nehmen diese mit nach Hause und waschen sie selber“, so Salignat. Den Einsatz von Masken im Demenzbereich hält sie für schwierig: „Die Bewohner können das Gesicht nicht sehen und das kann Angst machen“, sagt sie.
Sebastian Waschow „Leiter Sozialer Dienst im SenVital Senioren- und Pflegezentrum Dahn berichtet, dass Bewohner vermehrt die Möglichkeit nutzen, um über Skype mit ihren Angehörigen in Kontakt zu treten. „Auch der Informationsaustausch zwischen Bewohnern und Personal hat sich noch mehr intensiviert“, sagt er.
Die Schichten werden derzeit noch überall unverändert besetzt, doch für den Ausfall von Personal bestehen Notfallpläne, wie etwa das Haus am Kurpark mitteilt. Dort habe man auch ein Tablet für die digitale Kommunikation angeschafft.
Nicht einfach für Senioren
Die verschärften Schutzmaßnahmen schränken aber die Lebensqualität der älteren Menschen erheblich ein. Und gerade für die, die geschützt werden sollen, ist es oft besonders schlimm. Das kann auch Karin Kliegel-Jenet bestätigen. Sie ist Fachärztin für Allgemeinmedizin und Innere Medizin in Dahn, mit einer Zusatzausbildung in Geriatrie (Altersheilkunde). Regelmäßig macht sie Hausbesuche bei Patienten in Heimen. „Es kommt immer darauf an, ob jemand gewohnt ist, viel Besuch zu haben“, sagt sie. Vor allem für Senioren, die noch aktiv seien, die beispielsweise selbstständig spazieren gehen und soziale Kontakte außerhalb ihrer Wohnung pflegen, sei der Verzicht auf diese Aktivitäten hart. „Ich kenne eine Dame, die aktuell ins Heim umgezogen ist. Die Situation ist für sie komplett neu und der Sohn kann sie im Moment nicht besuchen, für sie ist es besonders schwer“, berichtet die Ärztin. Oft kämen Angehörige ja auch nicht nur zu Besuch ins Heim, sondern unterstützten bei der Pflege, beispielsweise beim Essenreichen, das falle nun auch weg. „Manche Leute essen auch nur, wenn ein Verwandter ihnen das Essen reicht.“
Alte Menschen, die zu Hause gepflegt werden, sollte man so lange wie möglich auch dort lassen, meint die Medizinerin. „Aber wenn die häusliche Pflege aufgrund von Corona ausfällt, kann es durch einen Ortswechsel durchaus Schwierigkeiten geben“, sagt sei.
Alte Menschen aus ihrer gewohnten Umgebung herauszuholen sei immer eine große Herausforderung. Der ungewollte Ortswechsel könne Ängste auslösen. Orientierungslosigkeit, Desorientiertheit, Weglauftendenzen und andere psychische Störungen könnten auftreten.