Corona und die Folgen
Südwestpfalz: Besondere Anforderungen an die Schwestern der Sozialstation
Die Wasgau-Sozialstation deckt im Landkreis Südwestpfalz die Verbandsgemeinden Dahner Felsenland, Hauenstein und Pirmasens-Land ab, reicht also von Bottenbach im Westen bis St. Germanshof im Süden und Hofstätten im Norden. „In einer für uns alle schweren Zeit versuchen wir, den Geschäftsbetrieb in unserer Sozialstation aufrecht zu erhalten“, hat der Vorstand in einem Rundbrief die Mitglieder informiert. „Erste Priorität für uns alle ist die medizinische Versorgung und Pflege unserer Patienten, wo es gewünscht wird.“ Um dies zu gewährleisten, stünden Vorstand und Pflegedienstleitung in engem Kontakt.
Der Umgang mit den Patienten sei zwar nicht eingeschränkt, habe sich aber an den besonderen Anforderungen der derzeitigen Pandemie auszurichten, betont der zweite Vorsitzende Hans-Peter Ganster im Gespräch. „Einige Kunden sagen uns Einsätze ab. Meist handelt es sich hierbei um leichtere Versorgungen, wie beispielsweise Hilfe beim Anziehen von Kompressionsstrümpfen. In anderen Fällen haben wir jedoch auch zusätzliche Anfragen. Die prüfen wir und erfüllen sie, so gut es geht.“
Fensterputzen fällt aus
Manche Leistungen muss die Station in der derzeitigen Lage aber zurückstellen. „Hier sagen wir von unserer Seite insbesondere verschiebbare Einsätze ab. Das reicht beispielsweise vom Osterputz über Fensterputzen bis zum Vorhängewaschen. Täglich prüfen wir, ob wir die hauswirtschaftlichen Leistungen und die reine Betreuung nicht ganz einstellen müssen. Bisher haben wir uns in dringenden Fällen für ein Weitermachen entschieden und wollen es in diesen Fällen aufrechterhalten.“
Die Schwestern der Sozialstation versorgen derzeit rund 330 Patienten. Vor der Corona-Pandemie waren es etwa 400 . „Bei den Patienten, die von uns versorgt werden, gibt es in den Leistungen keine Einschränkungen“, sagt Ganster. Durch die überschaubaren Absagen, hauptsächlich in der Stadt Dahn, seien jedoch einige Touren nicht mehr ausgelastet. Die müssen aber dennoch gefahren werden, weshalb der interne Tourenplan leide.
Ausländische Helfer ersetzen
Für den Dienst am Menschen sind für die Sozialstation derzeit über 30 Schwestern und Pflegerinnen im Einsatz. Krankheitsbedingt gebe es derzeit keine Ausfälle beim Personal, sagt Ganster. Zwei Helferinnen mit Kindern seien aber zu Hause. Die Helfer seien in ihren Einsatzzeiten zwar etwas eingeschränkt, die Gesamtversorgung leide jedoch nicht darunter.
Positive Auswirkungen auf die Station habe im Moment ein anderer Aspekt. Vielerorts seien ausländische Helfer meist aus östlichen Ländern nach Hause gefahren. In diesen Haushalten sei jetzt ein Bedarf für Pflege entstanden. Ganster: „Die Sozialstation verfügte bisher über keine ausländischen Helfer, weshalb wir von diesem Problem nicht betroffen sind“.
Keine Mitarbeiter infiziert
Dass sich die Schwestern im vielfachen Umgang mit den Patienten besonders schützen müssen, damit sie weiterhin helfen können, versteht sich. „Unser Personal ist in dieser besonderen Situation einsatzbereit“, sagt Ganster. Aber gibt es ausreichend Pflegehilfsmittel, Desinfektionsmittel, Schutzmasken und Schutzkleidung? „Wir haben noch Vorräte, damit sich unser Personal schützen kann. Um weiteren Nachschub sind wir bemüht“, erläutert Ganster.
Auf die zwingende Einhaltung der bestehenden hygienischen Vorschriften seien alle intensiv hingewiesen worden. „Unser Vorgehen richtet sich nach dem derzeitigen Pandemieplan, welcher ganz genau die Schutzmaßnahmen vorgibt. Die Empfehlungen von staatlicher Seite und vonseiten der Arbeitsgemeinschaft der Sozialstationen in Speyer werden zeitnah umgesetzt. Infiziert hat sich bei unserer Einrichtung glücklicherweise bisher niemand.“
Noch reicht der Vorrat an Hilfsmitteln
Ist der Nachschub von Hilfsmitteln gewährleistet? „Wir sind in allen Beschaffungsprogrammen präsent“, berichtet Ganster. „Wir haben bisher schon mit Vorratshaltung im Haus gewirtschaftet. Das leert sich jedoch langsam.“ Trotzdem sei keine Panik angesagt, es sei noch alles da. Die gewünschte Menge bekommen wir jedoch leider nicht, nur die jeweiligen Zuteilungen. Unsere Schwestern sind alle mit ihren medizinischen Masken unterwegs, um sich zu schützen.“
Bekommt die Sozialstation Hilfsmittel vom Landkreis, vom Land, Bund oder von Privaten? „Von dort ist bisher noch nichts gekommen“, stellt Ganster fest. „Die Notwendigkeit haben wir dort aber gemeldet, auch bei der Arbeitsgemeinschaft der Sozialstationen in Speyer.“ Von Privaten hätten sie bereits mehrfach selbst genähte Mundmasken erhalten, sagt Ganster – dankbar für diese und weitere Hilfen.
Eine wichtige Einrichtung der Sozialstation ist, dass sie Ältere und Alleinstehende mit warmen Mahlzeiten versorgt. „Essen auf Rädern wollen wir in jedem Fall weiter anbieten. Das wird auch gerne angenommen.“ Die beiden Vorsitzenden der Einrichtung sind sich einig: „In dieser schwierigen Zeit wollen wir zu unserem Auftrag stehen, da zu sein für die Schwachen und Hilfsbedürftigen, so gut wir können.“
Finanzielle Auswirkungen noch nicht abzusehen
Ob es durch die Corona-Pandemie zu finanziellen Einbußen bei der Sozialstation kommt, sei noch nicht abzuschätzen. „Unser Personal, welches ein festes Gehalt bezieht, baut wahrscheinlich Minusstunden auf. Die finanziellen Auswirkungen sind noch nicht überschaubar. Bis Februar ist jedenfalls finanziell noch alles im Lot gewesen“, stellt der Vorstand fest.
Träger der Sozialstation sind die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden sowie die örtlichen Krankenpflege- und Elisabethenvereine, die man durch eine Mitgliedschaft unterstützen kann.