Fischbach / Trulben RHEINPFALZ Plus Artikel Südwestpfälzer Transportsysteme für Europas Autowerke

Etliche Mitarbeiter sind schon seit den Anfangsjahren dabei. Wie Tanja Faltermann (v.l.), Dagmar Frins, Alexander Wiederkehr und
Etliche Mitarbeiter sind schon seit den Anfangsjahren dabei. Wie Tanja Faltermann (v.l.), Dagmar Frins, Alexander Wiederkehr und Peter Metzmann. Rechts die Gründer Sabine Buchmann und Frank Leitner.

Sie tragen Autodächer, befördern Scheiben oder Stoßfänger: FLS-Transportsysteme aus Fischbach und Trulben sorgen dafür, dass Fließbänder bei Automobilherstellern nicht stillstehen. Maßgeschneiderte Technik aus der Südwestpfalz spielt für große Autoproduktionen in Europa eine tragende Rolle.

Nur ein Schild vor dem Haus verrät, dass in dieser beschaulichen Wohngegend Produkte auf den Weg gebracht werden, die für große Namen wie Audi, VW und Mercedes von Bedeutung sind. Denn dort, in dem Gebäude einer ehemaligen Hausarztpraxis, hat die FLS Frank Leitner Spezialsysteme GmbH im September 2021 ihr neues Domizil bezogen. Dort sitzt die Verwaltung, dort wird geplant, entworfen, konstruiert. Transportsysteme für die Automobilhersteller und Zulieferer nehmen dort ihren Anfang. Produziert werden sie im ehemaligen Salamander-Werk in Trulben, das seit 2015 in Firmeneigentum ist; der frühere Produktionsstandort im Fischbacher Gewerbepark wird inzwischen weitgehend als Lager genutzt.

Der Schritt in die Selbstständigkeit

Täglich pendelt der geschäftsführende Gesellschafter Frank Leitner zwischen Fischbach und Trulben hin und her - über die Landesstraße eine Strecke von weniger als einer halben Stunde. Dass Konstruktion und Produktion auseinanderliegen, hat für ihn aber auch Vorteile: In Fischbach könne er ruhig arbeiten, stellt der 54-jährige fest.

1998 hat er gemeinsam mit Sabine Buchmann das Unternehmen BLS gegründet – in bescheidenen Räumen in Hinterweidenthal und mit einem Lehrling. Beide Gründer hatten sich damals selbstständig gemacht; Frank Leitner war zuvor Betriebsleiter bei der später geschlossenen Fischbacher Firma Bico Systemtechnik, Sabine Buchmann dort in der Konstruktion tätig. In der Konstruktion arbeitet die 49-Jährige auch bei FLS. Den Kindern zuliebe ist sie aber 2005 aus der Geschäftsführung ausgestiegen, die seitdem Frank Leitner alleine verantwortet.

Hauptgeschäft mit Automobilindustrie

Seit der Gründung hat sich das Unternehmen auf Transportsysteme vor allem für die Automobilindustrie konzentriert. Dabei arbeiten sie auch direkt mit den großen Herstellern zusammen. Mit Audi beispielsweise haben sie einen Rahmenvertrag für die automatische Fertigung unterschiedlicher Transportteile, berichtet Frank Leitner. Audi-Werke werden damit europaweit beliefert. Zu ihren Kunden zählen außerdem VW und Mercedes, darunter die Lkw-Sparte in Wörth.

Von kleinen Muster-Serien bis zu einer Größenordnung von einige hundert Stück können sie produzieren. Hinzu kommen Spezialanfertigungen wie beispielsweise ein Behälter für eine Elektro-Batterie. Für diesen Prototypen waren dann schon besondere Anforderungen zu erfüllen, wie Leitner erläutert – Material und Konstruktion mussten schließlich auch einer möglichen Explosion standhalten. Spezialanfertigungen und Kleinserien seien ihre Stärke, sagt Leitner – weil sie nicht so groß und damit auch sehr flexibel seien.

Behälter entsteht zeitgleich mit Automodell

Etwa 30 Entwicklungen gibt es bei FLS pro Jahr im Durchschnitt, vor allem für Vorserien und kleinere Serien. Mustergestelle können dabei auch komplett digital entwickelt werden, nur über die vom Kunden gelieferten 3D-Daten. Ein Verfahren, das dem Kunden einiges an Zeit ersparen kann. Die digitale Entwicklung hat – weiter bestärkt durch Corona – die Arbeit im Betrieb über die Jahre ohnehin stark verändert. Früher, blickt Sabine Buchmann zurück, habe der Kunde ein Bauteil geschickt, dann hätten sie ein Musterteil gefertigt – heute gingen Datensätze auf die Reise, erklärt die Konstrukteurin.

Das Internet hat den gesamten Produktionsprozess verändert. Schon während ein neues Automodell entwickelt wird, setzt die Entwicklung der Beförderungsteile ein. Was in Fischbach heute entstehe, werde meist für Autos entworfen, die erst in vier oder fünf Jahren auf den Markt kämen, sagt Frank Leitner.

Schwierige Nachwuchssuche

Aus dem Gründer-Duo mit Lehrling ist längst eine größere Belegschaft geworden. 20 Beschäftigte arbeiten inzwischen an Entstehung und Verkauf der Spezialsysteme. Etliche sind seit vielen Jahren dabei, zum Teil seit den Anfangsjahren. Zwei Auszubildende im Produktionsbereich sind außerdem aktuell im Team, Feinwerkmechaniker der Fachrichtung Konstruktionsbau.

Nachwuchs zu finden, stellt Leitner, gelernter Maschinenbaumechaniker, fest, sei allerdings sehr schwierig. Was die beiden Firmengründer nicht wirklich verstehen können. Zum einen sei die Tätigkeit durchaus anspruchsvoll, meinen sie, und im Handwerk lasse sich heutzutage auch mehr verdienen als in vielen anderen Berufen. Die Wertschätzung des Handwerks, stellt Sabine Buchmann fest, sei einfach zu gering.

Beschaffung als neue Herausforderung

Die Suche nach Fachkräften wird wohl eine Herausforderung bleiben, befürchten beide. Derzeit ist es nicht die einzige. Corona haben sie noch relativ gut überstanden, doch die Folgen des Krieges in der Ukraine spüren auch sie nun stärker. Insbesondere auf dem Beschaffungsmarkt. „Die Preise explodieren“, stellt Frank Leitner fest: Während eine Tonne Baustahl 2020 noch für 600 Euro zu haben war, koste sie 2022 bis zu 1700 Euro. Bis zu 500 Tonnen benötigen sie etwa für ihre Produktion im Jahr. Dass der Strompreis zeitgleich ansteigt, macht die Sache nicht besser – bei einem jährlichen Bedarf von etwa 210.000 Kilowattstunden. Kalkulieren sei schwierig geworden, stellt Leitner fest. Ebenso das Weiterreichen mancher Mehrkosten.

Mit der Auftragslage ist Leitner zufrieden. Und er bleibt zuversichtlich, wenn er auf die Entwicklung auf dem Automobilmarkt schaut. Beim E-Auto gebe es zwar weniger Teile und damit weniger Transportbehälter, räumt er ein. Für FLS werde es dennoch eher mehr Arbeit geben, weil viele neue Modelle auf den Markt kämen.

Zwischen 2,5 und drei Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet das Unternehmen im Schnitt pro Jahr. Eine Größenordnung, mit der die Gründer zufrieden sind. Der Betrieb solle überschaubar bleiben, betont Leitner: Lieber bleibe man kleiner, dafür aber sehr flexibel.

Blick in die Fertigung in Trulben, wo die Beförderungssysteme hergestellt werden.
Blick in die Fertigung in Trulben, wo die Beförderungssysteme hergestellt werden.
Hunderte Transportbehälter hat FLS schon entwickelt. Davon haben die Mitarbeiter ebenfalls Modelle in Klein angefertigt. Dieses
Hunderte Transportbehälter hat FLS schon entwickelt. Davon haben die Mitarbeiter ebenfalls Modelle in Klein angefertigt. Dieses Teil etwa ist im Original 2,80 Meter lang und 1,60 Meter breit und dient zum Transport von einem Audi-Dach.
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