Dahn
„Rescuewear“: Jacken, Hosen, Shirts für Einsatzkräfte
Seit inzwischen einem Vierteljahrhundert arbeitet Johan Visser in der Textilbranche, seit 15 Jahren hat er sich dem Entwerfen, Designen und Produzieren von Einsatzkleidung für Sanitäter, Feuerwehrleute, Polizisten und viele weitere Einsatzkräfte verschrieben. Als er sich für diesen Karriereweg entschied, sei früh klar gewesen, dass er sein Unternehmen in Deutschland gründen möchte. Visser ist gebürtiger Niederländer, vor acht Jahren folgte der Gang über die Grenze. „In Deutschland gibt es sehr viele Ehrenamtliche, die Kleidung brauchen, die wir produzieren. Aber um das alles zu verstehen, muss man auch hier leben“, ist Visser überzeugt.
Letztlich hat es den 45-Jährigen gemeinsam mit seiner Frau und den zwei Söhnen nach Dahn verschlagen. „Deutschland ist groß. Wir haben erst einmal geschaut, wo wir uns selbst am wohlsten fühlen“, berichtet er. Dass die Wahl auf die Südwestpfalz fiel, hänge auch mit seinen Wurzeln zusammen. „Die Pfälzer sind offen und herzlich, die Holländer sowieso – das passt einfach“, sagt er mit einem charmanten Lachen. Auch die Lage der Region bekommt von Visser ein wesentlich besseres Zeugnis als von vielen Einheimischen: „Wir sind hier sehr zentral. Belgien, Holland, Basel, Frankreich ... überall ist man schnell.“
Komfort an erster Stelle
Mitten in Dahn beschäftigt Johan Visser mit seinem Unternehmen „Rescuewear“ 15 Mitarbeiter. Produziert werden die Hosen, Jacken und Shirts für Einsatzkräfte in Werken auf der ganzen Welt, unter anderem in Portugal, Tunesien, Pakistan und Vietnam. Die Einsatzkleidung müsse natürlich robust sein, sagt Visser, allein aus dem Grund, dass diese in aller Regel nach strengen Vorgaben des Robert-Koch-Instituts antibakteriell und sehr heiß in Wäschereien gewaschen wird. „Das muss die Kleidung erstmal aushalten“, so Visser. Doch das allerwichtigste Kriterium für den 45-Jährigen ist der Komfort. „Die Leute sind stundenlang im Einsatz. Sie müssen es bequem haben, genug Taschen und Bewegungsfreiheit haben“, betont er. Auch atmungsaktiv müsse sie sein. „Einsatzkräfte können bei 30 Grad im Sommer nicht in kurzen Hosen herumlaufen“, sagt Visser und stellt klar, wie anspruchsvoll es ist, all diese Punkte in einem Produkt zu verbinden: „Was wir hier versuchen, ist Champions League.“
Wenn eine Organisation oder Institution auf „Rescuewear“ zukommt, gibt es keine Kleidungsstücke von der Stange. „Wir entwerfen alles selbst“, sagt Visser. Das beginne mit einer Skizze auf Papier, gefolgt von Material- und Waschtests. „Alle unsere Produkte werden am Ende zertifiziert“, ergänzt er. Im Idealfall dauere es etwa acht bis zehn Wochen, bis ein Produkt fertig ist – von der Skizze bis zur Zertifizierung. „Das ist unsere Fachkompetenz. Wir wissen genau, wie man etwas schnell und gut umsetzt“, betont der Geschäftsführer. Wichtig sei ihm, die jeweiligen Einsatzkräfte bei der Entwicklung neuer Produkte ins Boot zu holen. „Wir brauchen diesen Input. Der enge Austausch mit den Endkunden ist für uns extrem wichtig.“ Große Aufträge könnten zwar ein bisschen mehr Zeit in Anspruch nehmen, doch gerade diese helfen dabei, den Bekanntheitsgrad seines Unternehmens zu erhöhen. Zu seinen Kunden zählt Johan Visser etwa die Deutsche Bahn und die Deutsche Bergrettung. Pro Jahr produziert „Rescuewear“ circa 50.000 Kleidungsstücke.
Neuer Firmensitz in den Startlöchern
Ein Teil der Produkte bleibt direkt hier in der Region. „Wir rüsten die Notärzte des Pirmasenser Krankenhauses und den DRK Ortsverein in Dahn aus“, berichtet Visser. Dabei passe er die Preise im Vergleich zu den Großkunden auch deutlich an: „Das ist ganz logisch. Ich lebe hier in der Region. Wenn ich jemanden unterstützen kann, dann tue ich das auch.“ Künftig sollen auch Mitarbeiter der Kreisverwaltung seine Kleidung benutzen, verrät Visser. Entsprechende Gespräche habe es bereits gegeben.
Sein bisher vielleicht größtes Projekt steht derweil kurz vor dem Abschluss: Ende August will Visser mit seinen Mitarbeitern in den neuen Firmensitz umziehen. Dabei bleibt er seiner Wahlheimat Dahn treu. „Rescuewear“ zieht in das ehemalige Schuh-Hanß-Gebäude direkt neben dem Edeka-Markt. Das unterkellerte Gebäude wurde um ein Stockwerk aufgestockt und komplett saniert. „Uns fehlt es hier einfach an Platz“, begründet Visser die Maßnahme, in die er rund 2,5 Millionen Euro investiert. Der 45-Jährige ist überzeugt, dass auch die Region von diesem Invest profitieren wird. „Dahn lebt nicht nur vom Tourismus. Mit unserem neuen Gebäude haben wir mehr Möglichkeiten, Arbeits- und Ausbildungsplätze in verschiedenen Bereichen zu schaffen“, sagt Visser.
Ambitionierte Ziele
Für sich und sein Unternehmen hat sich der 45-Jährige ambitionierte Ziele gesetzt: „Wir wollen und werden stark wachsen!“ Konkret meint Johan Visser damit, dass sich der Jahresumsatz bis 2027 verdoppeln soll. Im vergangenen Jahr habe der Umsatz 2,3 Millionen Euro betragen, die Tendenz zeige in die richtige Richtung, verrät der Geschäftsführer: „Wir sind jetzt schon bei einem Plus von 50 Prozent. Bis Jahresende gehen wir in Richtung 3,5 Millionen Euro, dann wollen wir über fünf Millionen kommen.“ Visser ist zuversichtlich, dass er diese Ziele mit seinem Team erreichen kann. „Das ist der starke Charakter unserer Firma. Wir sind immer proaktiv – abwarten ist das Schlechteste, das man machen kann“, stellt er klar.