Steinalben
Renaturierung des Moosalbtales: So funktioniert die Rückkehr zum Auenland
Im November 2023 fiel der Startschuss für eines der größten Naturschutzprojekte in der Region. Auf 1,8 Fließkilometern soll die teils stark begradigte Moosalbe zwischen Waldfischbach-Burgalben und Steinalben renaturiert werden. Entstehen sollen ein ökologisch wertvoller Auenwald und im Hangbereich entlang des Radwegs ein natürlicher Mischwald. Ziel ist, die Artenvielfalt zu erhöhen und zugleich den Hochwasserschutz sowie den Naherholungswert zu verbessern.
Felix Leidecker (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Waldfischbach-Burgalben, ist optimistisch, dass der Verbandsgemeinderat im März die erforderlichen Baggerarbeiten ausschreiben kann. Der Baubeginn ist für Mai oder Juni vorgesehen. Bis zum Ende des Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.
Projekt stand zwischenzeitlich auf der Kippe
Der Optimismus war kurz vor Jahresfrist zurückgekehrt. Denn zuvor stand das mit 1,7 Millionen Euro veranschlagte Vorhaben erneut auf der Kippe. Das rheinland-pfälzische Umweltministerium hatte die seit längerer Zeit zugesagte Förderung aus dem Landesprogramm „Blau Plus“ – die Förderquote beträgt 90 Prozent – wegen erwarteter Kostensteigerungen überraschend nochmals auf den Prüfstand gestellt.
Die erwarteten Mehrkosten ergaben sich durch lange Prüfzeiten und Änderungswünsche der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd, die die wasserrechtliche Genehmigung erteilen muss. Das Ministerium hatte die Förderung quasi auf Eis gelegt und die VG auf ein Förderprogramm des Bundes verwiesen, was bedeutet hätte, dass das gesamte Antragsverfahren hätte von Neuem beginnen müssen. Zudem stellte sich heraus, dass es das Bundesprogramm in der Form noch gar nicht gibt. Dann „gab es ein klärendes Gespräch mit einem positiven Ende“, hatte Leidecker im Dezember im Verbandsgemeinderat gesagt und signalisiert, dass das Projekt doch umgesetzt werden kann. „Ich bin überzeugt, dass das ein herausragendes Projekt ist, ein Kleinod entsteht, das die Menschen begeistern wird“, sagt Leidecker.
Das ist geplant
Kern des Vorhabens ist die Rückverlegung der Moosalbe in ein mäanderndes Bachbett vom Bereich der Kläranlage Steinalben bis zur Höhe der Abzweigung der B270 nach Waldfischbach-Burgalben. Dadurch soll eine sich selbst regenerierende Auenlandschaft entstehen, die als Lebensraum für viele Arten dienen, Wasser in Trockenzeiten speichern und bei Hochwasser die Fließgeschwindigkeit bremsen soll.
Für die Umsetzung sind große Erdbewegungen nötig. Bevor das neue Landschaftsbild sichtbar wird, prägt schweres Gerät die Arbeiten. Rund 30.000 Kubikmeter Erde werden bewegt, teils im Tal gelagert, teils abtransportiert. „Wir müssen dafür durch keine Ortslage fahren“, sagt Leidecker. Entweder erfolgt der Transport direkt zur B270, wofür eine Reifenwaschanlage eingerichtet werden müsste, oder komplett über den dann gesperrten Radweg bis zur K25.
Wie anspruchsvoll die Arbeiten sind, hat der Waldumbau bereits gezeigt. In drei Abschnitten wurden die nicht standortgerechten Fichten am Hang entlang des Radwegs entfernt. Ein klimastabiler Mischwald soll entstehen, der ökologisch mit dem Auenwald vernetzt ist und sich nach 15 Jahren selbst überlassen bleibt. „Wir haben diese Maßnahmen abgeschlossen und im Dezember fertig gepflanzt“, sagt Revierleiter Christoph Wagner. Die Stiftung Natur und Umwelt (SNU) förderte den Waldumbau mit 147.000 Euro.
Mehrere Bänke sollen aufgestellt werden
Bei der Holzernte seien besondere Transporte erforderlich gewesen: Wege unter Brücken mussten vorübergehend tiefergelegt und anschließend wieder aufgebaut werden, an der Bahnlinie sei millimetergenaues Arbeiten nötig gewesen. Die Bachaue sei vollständig entfichtet worden. Von 1600 Festmetern Holz blieben 250 Festmeter für die Renaturierung stehen, darunter die von der B270 sichtbaren „Marterpfähle“. Sie werden mitsamt Wurzel herausgezogen und dienen später der Reduzierung der Wasserfließgeschwindigkeit.
Nach Abschluss der Renaturierung soll der Radweg saniert werden. Rund 600.000 Euro hat die Verbandsgemeinde aus dem Regionalen Zukunftsprogramm beantragt, vor allem für den Radweg entlang der Moosalbe. Aus demselben Landesförderprogramm sollen zudem Bänke finanziert werden. „Einige werden wir sicher im Moosalbtal aufstellen, damit die Menschen diesen entstehenden tollen Ort genießen können“, sagt Leidecker.