Südwestpfalz / Bliesgau
Reihenweise Reiher: Der Storch-Konkurrent breitet sich aus
Viele Menschen bezeichnen die kräftig gebauten Vögel nur als Fischreiher. Tatsächlich gehören Fische bis zu einer Größe von 20 Zentimetern zu ihrer Beute. Sie sollen jedoch nur rund ein Drittel ihrer Nahrung ausmachen. Bei Anglern und an den Fischteichen ist es dennoch nicht beliebt, wenn der Graureiher dort heimlich auftaucht.
Sein bevorzugter Lebensraum sind feuchte Wiesen sowie die Uferbereiche von Bächen, Seen und Flüssen. Auch auf Weiden und Feldern sind die Vögel häufig zu sehen, sofern es dort viele Mäuse, Käfer und Heuschrecken gibt. Der Graureiher ist am Tag und bis in die späte Dämmerung aktiv. In unseren Gefilden ist er längst zum Standvogel geworden. Nur in einem frostreichen Winter müsste er nach Süden ziehen, um sicher zu überleben.
Große Brutkolonie oberhalb der Kirschbachermühle
Die Graureiher brüten nur ganz selten einzeln. In der Regel bauen sie ihre Nester in einer Kolonie hoch oben in Laub- und Nadelbäumen. Rund um den Horst sehen hohe Bäume wie gekalkt aus – tatsächlich handelt es sich aber um Kot. Wegen der kreischenden Laute ist die Brutkolonie kaum zu verfehlen. Im Hornbachtal befürchten Vogelkenner sogar, dass sich der unerschrockene Vogel mehr ausbreitet, als es zu begrüßen wäre. Er dürfte außerdem zum Nahrungskonkurrenten des Weißstorchs werden. Zwischen Hornbach und der Großsteinhauser Mühle sind im Frühjahr über 40 Graureiher gezählt worden. Hinzu kommen noch mehr als 15 Silberreiher, die ebenfalls über Winter nicht mehr wegziehen. Auch die Nil- und Nonnengänse sind zu Standvögeln im Pirminiusland geworden. Noch größer ist die Anzahl der Grau- und Silberreiher im Bliestal zwischen Limbach, der Fischerhütte Beeden, der Talaue um die Blies bis nach Webenheim und Einöd.
Mit gesenktem Kopf und gekrümmtem Hals schleicht der Fischreiher auf der Suche nach Nahrung langbeinig durch das seichte Wasser, durch Tümpel, Wassergräben, Wiesen und Bachufer. Hier spürt er Wasserinsekten, Frösche, Mäuse, Insektenlarven, Regenwürmer und Schlangen auf. Blitzschnell sticht der Reiher mit seinem gelblichen, dolchförmigen Schnabel zu – für die Beute gibt es dann kein Entrinnen mehr. Oft steht er auch bewegungslos lauernd in den Wiesen, bis die Beute nahe genug vor ihm auftaucht und er zuschlagen kann.
Im Flug ist der Kopf eingezogen
Das Flugbild des Reihers unterscheidet sich deutlich von Storch und Kranich, er fliegt mit einem S-förmig gekrümmten Hals. Der Storch ist ein Segler mit seinen weit ausgebreiteten Schwingen, dem ausgestrecktem Hals und weit nach hinten ragenden Beinen. Der Kranich wiederum hat ebenfalls die langgestreckte Flughaltung, um den Luftwiderstand klein zu halten.
Der Graureiher lebt in einer festen Partnerschaft, der Nestbau erfolgt gemeinsam. Das Männchen bringt das Baumaterial, das vom Weibchen sortiert wird. Im Abstand von jeweils zwei Tagen legt das Weibchen vier bis fünf Eier, die Brutzeit dauert in der Regel 25 Tage. Die Fütterung der Jungvögel erfolgt durch beide Eltern. Ausgewachsene Vögel können bis zu zwei Kilogramm wiegen und ein Lebensalter von 25 Jahren erreichen.
Drei lange, schwarzen Schopffedern
Seinen Namen trägt der Graureiher zurecht: Das Gefieder am Rücken ist aschgrau mit weißen Bändern. Stirn und Oberkopf sind weiß gefärbt. Auffallendes Merkmal sind drei lange, schwarze Schopffedern, die einen Federbusch bilden. Markant sind zudem die schwarzen Augenstreifen. Die Schwungfedern sind schwarz, eine dreifache schwarze Fleckenreihe schmückt seinen Vorderhals.