Kreis Südwestpfalz
Reifenberg: Weitere Pläne für neue Bäckerei am Dorfplatz
Ende des Monats soll die neue Bäckerei am Reifenberger Dorfplatz öffnen. Wenn sie gut angenommen wird, hat die Bäckerfamilie Grunder aus Rieschweiler schon weitere Pläne: ein Café mit Kuchen an Sonntagnachmittagen, Eis im Sommer und Waffeln im Winter. Eine wichtige Rolle spielt das Haus, das dem „Poschtmarieche“ gehörte.
Eigentlich hatte der Landstuhler Bauunternehmer Alfred Schwarz ein Haus mit Lagerfläche gesucht, um darin zu wohnen. Deshalb hat er das Haus in der Reifenberger Ortsmitte gekauft, das einst Maria Steinacker gehörte, der früheren Briefträgerin, die alle im Dorf als „Poschtmarieche“ kannten. Die Reifenbergerin, die noch in den 70er Jahren mit ihrem Handwägelchen voller Briefe von Haus zu Haus lief und die Post zustellte – und für die Kinder auch mal eine Handvoll Fruchtbonbons dabeihatte –, starb 2011 im Alter von 91 Jahren. Ihr kleines Haus wurde verkauft und wechselte vergangenes Jahr erneut den Besitzer, als Alfred Schwarz es kaufte.
Das Haus soll wieder aussehen wie im Jahr 1904
Seine Absicht, es als Wohnhaus zu nutzen, hat der Landstuhler mittlerweile wieder aufgegeben. Dafür hat er andere Pläne: Ins Erdgeschoss soll im rechten Teil des Hauses die Bäckerei einziehen, außerdem soll dort ein Café entstehen. Auch Gästetoiletten sollen gebaut werden. Der Rest soll zur Ferienwohnung werden. Dabei hat Schwarz einen Traum, wie er sagt. Er möchte den alten Stil bewahren – oder besser gesagt: wieder herstellen.
„Das ist mit eins der ältesten Häuser in Reifenberg“, erklärt Bürgermeister Pirmin Zimmer. Die Idee sei, den ursprünglichen Zustand aus dem Jahr 1904 sichtbar zu machen: Holzfenster, Klappläden, Fensterbänke aus Sandstein. Deshalb stehe man mit Denkmalpfleger Peter Martini in Kontakt, der die Bauabteilung der Kreisverwaltung leitet.
Ob das alles so kommt, wird sich in den nächsten Monaten entscheiden. Denn das hängt auch davon ab, wie gut die neue Bäckerei ankommt, die demnächst in dem neu aufgestellten Container am Dorfplatz eröffnet. Die bisherige Bäckerei in dem Haus schräg gegenüber hat zum Jahresende geschlossen, nachdem das Haus ebenfalls verkauft worden war. Die Bäckerei Brödel von der Neumühle hatte sich auch entschlossen, den Verkauf von Backwaren in Reifenberg aufzugeben.
„Es Ria“ wird weiter hinterm Tresen stehen
So hätte das Dorf ohne Bäckerei dagestanden, wenn nicht Michael und Jacqueline Grunder aus Rieschweiler eingesprungen wären. Dort betreiben sie bereits eine Bäckerei in der Bahnhofstraße, zum Monatsende wollen sie auch Reifenberg beliefern. Ria Eichner, die bereits in der alten Bäckerei hinter dem Tresen stand, werde weitermachen, versichern sie. Ihr Name ist so fest mit dem Lädchen verbunden, dass die Reifenberger ihre Brötchen „beim Ria“ kauften und viele nicht mal wussten, welcher Bäcker dahinter stand. Als sich die Nachricht herumsprach, dass das Haus einen neuen Besitzer bekommt, erzählten es Kinder im Dorf so weiter: „Die Ria wird verkauft.“
Ein halbes Jahr Anlaufzeit haben die Grunders eingeplant. Dass es ein mutiger Schritt ist, dessen sind sie sich bewusst. In Rieschweiler-Mühlbach mit seinen 2500 Einwohnern kämen nur 20 Prozent der Kunden aus dem Ort selbst, der Rest seien Auswärtige, die entweder durchfahren oder gezielt hierher kommen, sagt Michael Grunder. „Wenn ich alleine von den Rieschweiler-Mühlbachern leben müsste, müsste ich zuschließen“, sagt er. Reifenberg hat 850 Einwohner und weniger Durchgangsverkehr, aber er hofft, auch Kunden aus Battweiler, Schmitshausen und Maßweiler gewinnen zu können. Zunächst sollen die bewährten Öffnungszeiten beibehalten werden: von 6 bis 11 Uhr. Wenn es gut läuft, soll länger offen sein, auch sonntags. Dann käme wohl auch mehr Personal hinzu. Neben Backwaren soll es auch Grundnahrungsmittel wie Zucker, Butter, Mich, Mehl, Wurst und Käse zu kaufen geben.
„Langsam rantasten“ möchten sich die Grunders. Sie würden sonntagsnachmittags auch gerne Kaffee und Kuchen anbieten und im Sommer Eis, und sie denken an kleinere Veranstaltungen, etwa an einen Weihnachtszauber mit Waffeln und Glühwein. Bürgermeister Zimmer wünscht sich, dass die Ortsmitte durch die Bäckerei mehr zum Treffpunkt wird und die Leute auch im Freien, auf dem Dorfplatz, sitzen.
Es gibt bereits Interessenten für die Bäckerei-Container
Weil das Haus der früheren Bäckerei verkauft, das neue Haus aber noch nicht umgebaut ist, wird die Bäckerei vorübergehend in zwei Containern am Dorfplatz unterkommen. Die wurden vor einer Woche aufgestellt und dienen als Übergangslösung. Alfred Schwarz hat sie im Internet gekauft und vermietet sie nun an die Bäckersleute. „Noch im vierstelligen Bereich“ seien die Gesamtkosten gewesen, verrät Pirmin Zimmer. Die Container standen zuvor in der Eifel, in Mehren bei Daun, wo sie ebenfalls als Bäckerei dienten. Davon zeugen noch die Schilder „Kleine Pause Stehcafé“, die noch angebracht waren. Laut Zimmer gibt es schon jetzt drei Interessenten für den Weiterverkauf, darunter der Bürgermeister von Nünschweiler, Jürgen Beil, der sich die Container als Lädchen für sein Dorf vorstellen könnte.
Info
Für Sonntag, 12. Januar, 11 Uhr, lädt Reifenberg zum Neujahrsempfang ins Dorfgemeinschaftshaus ein. Bürgermeister Pirmin Zimmer stellt die Pläne fürs neue Jahr vor und blickt zurück, Musik macht die Kreismusikschule.