Kreis Südwestpfalz Regen wär’ ein Segen
Die Felder, Gärten und Wälder waren längst von der Trockenheit des Winters und des Frühjahrs gezeichnet. Beim Wachstum der Pflanzen war aus Wassermangel bereits Stillstand eingetreten. Die Bauern fürchteten um den Ertrag ihrer Mühen und Arbeit. Da half der Regen Anfang Juni. Jetzt droht die Furcht vor heftigem Gewitterregen und schweren Hagelunwettern.
Wer den erbärmlichen jungen Mais auf den Feldern gesehen hat, konnte die Verzweiflung der Bauern verstehen. Eigentlich liebt diese Pflanze die Wärme und kommt mit wenig Niederschlag aus. Bei extremer Wassernot leidet aber auch eine aus Mittelamerika stammende Futterpflanze. Die Niederschläge in der ersten Woche des Junis haben beim Mais sofort gewirkt. Er hat seine Größe in diesem kurzen Zeitraum fast verdoppelt. Der Mais sollte in diesem Jahr an Menge und Qualität schon ein besseres Ergebnis bringen als nur den Durchschnitt des Vorjahres, so der Wunsch der Bauern. Viele der mit Mais bestellten Felder sind bei manchen Landwirten das Ergebnis einer teuren Nachsaat. Ursprünglich war in die Ackerflächen Raps eingesät. Der im Herbst des Vorjahres gesäte Raps war jedoch ein nicht zu erwartender Ausfall, sodass man ihn nicht stehen lassen konnte. Probleme bereitete der Pflanze nicht der Winter, denn der war 2016/2017 harmlos. Die vom Spätherbst bis ins Frühjahr dauernde viel zu geringe Niederschlagsmenge hat dem Raps in einem Ausmaß geschadet wie es die Bauern noch kaum erlebt haben, berichtet Landwirt Werner Veith aus Battweiler. Auf der Gemarkung Contwig bis zum Flugplatz, bei Rieschweiler und Dellfeld, wurden riesige Areale neu eingesät, was doppelte Arbeit und spürbare Zusatzkosten für die Betriebe bedeutete. Nun hofft man auf eine ordentliche Maisernte, aber es gab am jungen Blattwerk des Maises schon deutlichen Hagelschaden. „Das junge zarte Blattgrün ist mehr als nur zerzaust, sondern richtig ausgefranst“, sagt Gustav Hofmann vom Stockbornerhof. Stark betroffen vom Hagel sei auch die Bundenbacher Höhe, berichtet Karl Ehresmann aus Winterbach. Dort war das Hagelunwetter Anfang Juni so stark, dass viele Hausbesitzer sogar Wasserschäden hatten. Die Hagelkörner hatten die Kanaleinläufe verstopft. Es gab in kurzer Zeit Niederschläge von 60 bis 80 Litern. Dies nutzte dem ausgetrockneten Erdreich von Gärten und Feldflur nur wenig, da der Niederschlag keine Zeit hatte langsam zu versickern. Auf dem Erdbeerfeld oberhalb von Höhmühlbach hat Gerold Cetto aus Nünschweiler beim Selbstpflücken der roten Beeren gesehen, was der Hagel an Pflanzen und Früchten für einen Schaden angerichtet hat. „Nur, wenn man es selbst vor Augen hatte, kann man wirklich begreifen, was solch ein Unwetter in wenigen Minuten anrichten kann“, sagt Cetto. Ein wahrer Segen sei der Regen Anfang Juni gewesen, meint Henning Götz vom Kirschbacherhof. Vor allem die Kleeäcker und das Grünland hätten davon profitiert. Für das Biogetreide des Hofes sei es vermutlich auch noch rechtzeitig gewesen, damit es sich jetzt positiv auf die Korngröße von Dinkel und Einkorn auswirkt. Es gibt zahlreiche Felder über die Sickinger Höhe und das Zweibrücker Land verteilt, wo Triticale, Korn, Weizen und Braugerste einen sehr guten Eindruck machen. Die Ähren und Halme sind kräftig ausgebildet. Dies ist jedoch alles noch keine Garantie für eine gute Ernte, denn jetzt kommt die entscheidende Phase für die wichtige Kornausbildung und die danach folgende Reife. Es darf auf keinen Fall zu schnell gehen, weil Hitze und Wassermangel eine gefürchtete Notreife auslösen. Ein solch ungünstiger Verlauf im Reifeprozess schmälert den Ertrag empfindlich. Das Korn schrumpfe bei Trockenheit und Hitze zu schnell, erklärt Götz. Kleines Korn bringt große Nachteile bei m Verkauf jeder Getreideart. Aus erhoffter Braugerste kann bei Schrumpfkorn schnell mindere Futtergerste werden, die auch deutlich schlechter bezahlt wird. Einige Getreidefelder sind schon gelb eingefärbt, was die bald anstehende Ernte des Getreides ankündigt. Jörg Klein aus Niederhausen hat Felder mit Erbsen eingesät, die auch schon Schoten haben. Das Ernteglück der Bauern hängt von den nächsten vier Wochen ab. Denn jetzt entscheidet sich, ob die Säcke prall voll oder halb leer sind. Für Landwirt Werner Veith aus Battweiler sind die harten Wetterwechsel ein zunehmendes Problem für die Landwirtschaft. Deshalb hoffen die Bauern noch auf normalen Regen, denn den könnten das Grünland, Getreide und alle Feldfrüchte gut gebrauchen. Mit dem ersten Grasschnitt im Mai waren die wenigsten Bauern zufrieden, da es an der Menge fehlte. Vor dem letzten Regen waren viele Wiesen schon braun, weil Wasser fehlte. Nun dauert es, bis sie sich wieder erholt haben. Schlecht war der Futterstand auch schon auf den Weiden für das freilaufende Rindvieh und die Pferde. Vor allem Wiesen an Hängen mit Sandboden hatten eine deutliche Braunfärbung. Die sonnigen Tage um Fronleichnam haben die Landwirte genutzt, um richtig trockenes Heu zu ernten. Klaus Schwuchow aus Niederhausen hat es in große Rundballen eingewickelt. Mit der Güte des Futters war er zufrieden, aber die Anzahl der Ballen hätte im Normalfall zahlreicher sein können. Vor allem die Pferdebauern haben Mitte Juni ihr Heu eingebracht, weil es der richtige Zeitpunkt war.