Waldfischbach-Burgalben
Regelbetrieb an der IGS: Vier Schulen in einer
Normalerweise unterrichtet Joachim Finkler Deutsch und Geschichte. „Dass ich mir mal über Hygienepläne Gedanken machen muss, hätte ich nicht gedacht“, bekennt er. Gemeinsam wurde an der Schule der Plan zum Neustart im Regelbetrieb erarbeitet. Finkler verantwortet nun die Umsetzung. „Wir schauen uns alles genau an, justieren nach, wo es notwendig ist“, sagt er. So muss bei der Abfahrt der Busse nach Schulschluss nachgebessert werden. Die Fläche vor der Schule, wo die Schüler auf den Bus warten, ist schmal. Maske tragen und Abstand halten sind Pflicht. „Bei den Jüngeren hat das ganz gut geklappt“, sagt Bauer. Bei den Schülern der Klassen acht bis zehn fehlte es aber etwas an Disziplin. „Deshalb werden wir jetzt auch an den Bushaltestellen Gruppen bilden, entsprechend der Fahrtziele“, sagt Finkler. Das Konzept der Realität anpassen, nennt er das.
Drei Neustart-Pläne erarbeitet
Drei Neustart-Pläne wurden erarbeitet: Regelunterricht, Präsenzunterricht in Kombination mit Unterricht daheim und reines Homeschooling. Dass Version drei greift, hofft niemand, „denn Schüler wie Lehrer sind froh, dass sie sich wieder persönlich im Unterricht sehen“, unterstreicht Bauer.
Die Integrierte Gesamtschule (IGS) entstand – auch was die Gebäude angeht – aus der früheren Realschule und der Hauptschule. Vor Corona war das nicht immer ideal, angesichts des langgezogenen Baukörpers mit teils langen Wegen. „Wer hätte gedacht, dass uns diese Bauweise mal zugute kommt“, sagt Bauer. Die Schule ist jetzt im Prinzip in vier kleine Schulen aufgeteilt. Jeder dieser Bereiche wird von einer Schülergruppe genutzt. Die Klassenstufen fünf und sechs, sieben und acht, neun und zehn sowie die Oberstufe bilden je eine Gruppe. Jede Gruppe hat einen eigenen Eingang, einen abgesperrten Pausenhofteil mit eigenem Zugang und eigenen Toiletten. Die Lehrer verteilen sich entsprechend auf unterschiedliche Lehrerzimmer, die in den verschiedenen Schulbereichen eingerichtet wurden. Das ermöglicht es, in den einzelnen Abschnitten, in denen sich die Schülergruppen aufhalten auf Einbahnstraßenregelungen oder zeitlich verschobene Pausen zu verzichten. Rot-weiße Absperrketten trennen die vier Bereiche innen und außen. Der Schulbereich einer anderen Gruppe darf nur unter Aufsicht einer Lehrkraft betreten werden. Notwendig ist das, wenn Fachräume aufgesucht werden.
Sport findet nur im Freien statt
Auf vieles, was die Schule ausmacht und ausgezeichnet hat, wird dagegen verzichtet: keine Bläserklasse, keine Schülerband, kein Schulchor. „Singen im Unterricht wäre sogar erlaubt, aber darauf verzichten wir aus Sicherheitsgründen“, erläutert Bauer. Sport wird zwar unterrichtet, im Moment aber ausschließlich im Freien. Auch wenn Hallensport ebenfalls gestattet wäre. Hier geht es noch um Fragen der Hallendurchlüftung.
Das sind Themen, die bei den derzeit täglich stattfindenden Fachkonferenzen der Lehrer besprochen werden. Während der Sommerferien war das Kollegium mehrmals an der Schule, um an der digitalen Lernplattform Moodle fortgebildet zu werden. Für den Fall der erneuten Schulschließung, von dem jeder hofft, dass er nicht eintritt. Sollte jemand an der Schule positiv auf Corona getestet werden, „entscheidet das Gesundheitsamt, wie verfahren wird“, sagt Bauer. Schüler, die mit ihren Familien den Urlaub in Risikogebieten verbrachten, haben das gemeldet. Ein negativer Corona-Test ermöglicht ihnen den Schulbesuch.
Im Herbst wird vieles schwerer
„Jungs, da fehlt es aber an Abstand“, sagt ein Schüler während der Pause zu seinen Mitschülern. Die Regeln müssen für Schüler und Lehrer zum Alltag gehören, wissen Bauer und Finkler. Die Schulleiterin hat von ihrem Büro aus den Überblick über die Pausenhöfe. Sie ist mit dem Verhalten der Schüler zufrieden: „Die sind schon sehr diszipliniert“, sagt sie. In der Pause müssen alle raus, alle müssen Maske tragen. Noch funktioniert das. Aber was ist, wenn das Wetter schlecht wird? Wenn es kalt wird und regnet? Weder die Pausenhalle noch die überdachten Pausenbereiche werden reichen. „Auch dann werden wir Lösungen finden müssen“, sagt Finkler. Das Sommerwetter ermöglicht es, im Grunde dauerhaft für die so wichtige Durchlüftung zu sorgen. Wenn der Herbst kommt, wird das eine Herausforderung. Hände desinfizieren, Masken tragen, außer in Klassensälen – das sind schon bekannte Auflagen. Manche Lehrer unterrichten auch mit Maske. Eine Pflicht dazu besteht nicht.
Mit den Gedanken schon beim Abitur
Erste Erkenntnisse nach drei Schultagen: Regelbetrieb bedeutet noch lange keinen normalen Schulalltag. Bestes Beispiel ist der Schulstart für die Fünftklässler. Statt großem, bunten Kennenlernfest vor den Sommerferien „gab es dieses Mal am Montag eine gemeinsame Begrüßung auf dem Schulhof“, berichtet Bauer. „Wir müssen neue Lösungen finden“, sagt Finkler. Elternabende, Wahlen der Elterngremien, Elterngespräche müssen anders organisiert werden. Der Tag der offenen Tür, wichtig, um neue Schüler für die Schule zu begeistern, „kann in der gewohnten Form nicht stattfinden“, sagt Bauer. Und die Gedanken sind schon im neuen Jahr, beim Abitur. Auch das wird aus hygienischer Sicht ganz neue Anforderungen stellen.