Schmalenberg
PWV fordert mehr Einsatz für Tourismus
Seit über zehn Jahren ist das Besucherlenkungskonzept für den Pfälzerwald ein Thema. Dahinter verbirgt sich die Idee, dass nur noch eine begrenzte Anzahl an Wanderwegen in jeder Kommune ausgewiesen und unterhalten wird. Vorteil: interessante und gepflegte Wege, Raum für den Naturschutz. „Es wurden alle acht Ortsgemeinden gebeten, die entsprechenden Wege auszusuchen, sich dabei auch Hilfe zu holen, zum Beispiel bei den PWV-Ortsgruppen“, erinnert Waldfischbach-Burgalbens Verbandsbürgermeister Lothar Weber (SPD) an die Anfänge des Besucherlenkungskonzept, die vor seinem Amtsantritt liegen. In den einzelnen Ortsgemeinden sei das in den vergangenen Jahren mal mit mehr, mal mit weniger Nachdruck angegangen worden. Mit dem Resultat, dass es bis dato kein Besucherlenkungskonzept in der Verbandsgemeinde gibt.
PWV kritisiert fehlende Unterstützung
Zu den Orten, in denen richtig viel passiert ist, gehört Schmalenberg. Dort hat sich der örtliche PWV der Sache angenommen. „Wir hätten das nicht tun müssen. Im Grunde ist es Sache der Verbands- und Ortsgemeinde. Aber uns war und ist das ein wichtiges Anliegen“, sagen die PWV-Vorsitzenden Dieter Rutz und Ute Wilking. In der Sache fühlen sie sich von Orts- und der Verbandsgemeinde aber alleine gelassen. „Da gibt es keine Unterstützung, fehlt es an Ansprechpartnern“, bemängelt Rutz. Dadurch werde eine Chance versäumt, den Tourismus in der Region voranzubringen, „und wir verzichten auf eine Menge möglicher Fördergelder. Andere Verbandsgemeinden machen das deutlich besser“, verweist Rutz auf Dahn und Hauenstein.
Verein kümmert sich und finanziert
Was im Argen liegt, skizzieren Rutz und Wilking an eigenen Erfahrungen. In Schmalenberg wurden vom PWV drei Wege ausgesucht. Attraktiv für Wanderer, weil es was zu sehen gibt. Zum Beispiel den Grauhansenfelsen oder den Holzlandbrunnen. Die Strecken sind zwischen 4,7 und neun Kilometer lang. Eine sogenannte Portaltafel, auf der die Wege verzeichnet sind, wurde am Dorfplatz installiert. Die Geschäftsstelle des Biosphärenreservats, die sich um die Naturpark-Belange kümmert, stellte die Tafel auf. „Dass sie aufgestellt wird, darum haben wir uns gekümmert, nicht die VG“, unterstreicht Rutz.
Der PWV nahm auch Vereinsgeld in die Hand, um die Attraktivität der drei ausgesuchten Wege zu steigern. Drei Sitzplatzgarnituren inklusive Tischen und Bänken aus massivem Holz wurden gekauft, damit Wanderfreunde eine kurze Rast einlegen können. Kosten: 7000 Euro. Über Leader plus gab es einen Zuschuss in Höhe von 75 Prozent, knapp über 4000 Euro.
Was noch fehlt, ist die Beschilderung entlang der Wege. Diese Wege hatte der PWV zuvor mit der für Tourismus zuständigen Mitarbeiterin der Verbandsgemeinde abgestimmt. „Es sind alle Daten erfasst. Sie hat alles gemacht, das Ganze könnte sofort bei Wanderportalen wie outdoor active hochgeladen werden“, sagt Rutz. Das ist aber nicht geschehen, weil zum Hochladen die entsprechenden Daten für das Besucherlenkungskonzept von allen Ortsgemeinden vorliegen müssten. Tun sie aber nicht.
Hilfe fehlt auch bei Beschilderung
Es könne aber doch nicht sein, dass man deshalb in Schmalenberg im luftleeren Raum hänge. Einen Ansprechpartner bei der VG gebe es nicht. Und der fehlt dem PWV auch bei einem weiteren Punkt: „Die Wege müssen noch beschildert werden. Für diese Schilder gibt es im Rahmen des Besucherlenkungskonzeptes Vorgaben, damit diese einheitlich aussehen“, erläutert Ute Wilking. Nachdem der PWV sich schon um Portaltafel und Sitzgruppen gekümmert habe, sieht er nun die Orts- oder Verbandsgemeinde in der Pflicht, für die Beschilderung zu sorgen. „Pfosten, an denen die Schilder angebracht werden können, haben wir schon aufgestellt. Die Leute sprechen ja schon vom Pfostenwanderweg“, sagt Rutz.
47 Schilder werden für die drei Wege benötigt, ein unverbindliches Angebot dafür „haben wir auch mal eingeholt“, sagt Rutz. Etwa 1800 Euro kosten diese. Gefragt wurde beim PWV-Hauptverein, auch bei Tourismus Pfalz – „aber es gibt dort keine Möglichkeit, diese Beschilderung zu finanzieren“, sagt Wilking. Auch weil es nicht Aufgabe des PWV sei, sich darum zu kümmern, verweist Rutz auf die Aussage vom PWV-Hauptverein.
Bürgermeister verweist auf andere „große Baustellen“
Den Ärger des PWV „kann ich schon nachvollziehen“, sagt Verbandsbürgermeister Lothar Weber. Gerade der PWV Schmalenberg sei sehr aktiv. Aber man müsse auch die Gesamtsituation betrachten, ergänzt er, und könne dann vielleicht verstehen, warum es zu den Problemen kam. Es sei richtig, dass dem Tourismus in der Vergangenheit nicht der höchste Stellenwert eingeräumt werden konnte, „weil wir einige sehr große Baustellen und schwierige Projekte aufzuarbeiten hatten“, erinnert Weber. Die Mitarbeiterin im Bereich Tourismus habe sich sehr für das Besucherlenkungskonzept eingesetzt, aber nicht jede Ortsgemeinde habe den erforderlichen Beitrag erbracht. „Aus unterschiedlichen Gründen“, sagt Weber.
Krankheitsbedingte Lücke weitere Hürde
Erschwert worden sei alles dadurch, dass die Mitarbeiterin seit Jahresbeginn krankheitsbedingt fehlt und vieles liegen blieb. „Wir können die Stelle aber nicht einfach nachbesetzen, extern ausschreiben“, verweist der Verbandsbürgermeister auf Haushaltsgegebenheiten und darauf, dass sie nach der Gesundung auch wieder ein Recht auf ihren Arbeitsplatz habe. Tourismus sei zudem ein Fachbereich, „in dem sich nicht so einfach mal jemand einfach einsetzen lässt. Da braucht es auch Fachkenntnisse“, sagt Weber. Durch die Corona-Pandemie seien zum Beispiel Kräfte der VG stark im Ordnungsdienst gebunden.
VG will Lösung finden
VG-Mitarbeiterin Anka Weidler habe sich jetzt verstärkt in das Thema Tourismus eingearbeitet, zwischenzeitlich auch schon Kontakt zum PWV aufgenommen, um den Sachverhalt zu klären. „Wir wollen dafür eine Lösung finden. Diese Schilder werden finanziert“, sagt Weber, der diesbezüglich auch schon mit Schmalenbergs Ortsbürgermeister Peter Seibert gesprochen hat. „Eine Lösung könnte zum Beispiel sein, dass der PWV einen Zuschussantrag stellt, um Fördergelder aus dem Leader-Projekt ehrenamtliche Bürgerprojekte zu bekommen“, sagt Anka Weidler. Weitere Ideen seien zu prüfen. Gemeinsam soll das passieren. Grundsätzlich werde die Verbandsgemeinde das Thema Besucherlenkungskonzept im kommenden Jahr noch mal in allen Ortsgemeinden neu angehen, „und dann mit mehr Nachdruck“, unterstreicht Weber.