Heltersberg / Waldfischbach
Protest gegen Sparkassen-Schließung: „Das Holzland wacht auf“
„Das kann doch nicht sein. Im Holzland leben 4000 Menschen, dort gibt es den größten gewerblichen Arbeitgeber im Landkreis, der branchenbedingt die höchsten Löhne zahlt. Aber wir werden Zug um Zug abgehängt“, ärgerte sich Peter Jochum aus Heltersberg, der die Demonstration gemeinsam mit Wolfgang Vatter und Egbert Besier organisiert hatte. 4000 Einwohner ohne Bargeldversorgung, das dürfe nicht sein. In Hermersberg, wo der Sparkassenchef wohne, lebten 1700 Menschen, die seien doppelt versorgt.
In Hinterweidenthal mit seinen 1500 Einwohnern gebe es eine Selbstbedienungsstelle mit zwei Kontoauszugdruckern der Sparkasse und der Volksbank sowie einem Geldautomaten für Kunden beider Geldinstitute. „Es geht doch“, sagte Jochum. Auch die Versorgung im Kreis Kaiserslautern sei besser geregelt: Die Sparkasse unterhalte dort in jedem größeren Ort eine Filiale, monierte eine Demonstrantin.
„Ich hätte ihr Regen gewünscht“
Vergangenen Sommer sei Landrätin Susanne Ganster, die Verwaltungsratsvorsitzende der Sparkasse, beim Jubiläum im offenen Auto durch Schmalenberg gefahren. „Ich hätte ihr Regen gewünscht“, sagte Wolfgang Vatter unter Applaus. Denn im sprichwörtlichen Regen stehen gelassen fühlen sich die Bewohner des Holzlands. Der Verwaltungsrat setze sich aus Politikern der Region zusammen. „Die stehlen sich aus der sozialen Verantwortung“, klagte Jochum.
Die erbosten Bürger aus Heltersberg, Schmalenberg und Geiselberg bekannten, zum ersten Mal überhaupt in ihrem Leben zu demonstrieren. Etliche sind schon im Rentenalter – „genau jene, die die Sparkasse aufgebaut haben, werden jetzt im Stich gelassen“, sagte Vatter. Es sei genug. „Wenn uns unsere Politiker im Stich lassen, dann wählen wir nächstes Mal eben andere“, sagte ein Demonstrant. Der Protest wurde lautstark begleitet von Pfeifen und Tröten. Abgehängt, das heiße auf Pfälzisch: „Em Hund vum Arsch abgfall“, zitierte Jochum aus der RHEINPFALZ am Sonntag. Genau so fühle man sich, wenn man nördlich der B 10 lebt.
Gemeinde würde Raum stellen
Der Erhalt der Grundversorgung werde von der Politik immer hochgehalten. Tatsächlich aber, so Jochum, „wird sie mit Füßen getreten“. Die Gründer von Sparkasse und Raiffeisenbanken „würden sich im Grab umdrehen, wenn sie sähen, was daraus geworden ist“, beklagte Jochum. Es könne doch nicht die Bank der Zukunft sein, wenn man erst beim Discounter für 20 Euro einkaufen müsse, um 200 Euro Bargeld zu bekommen.
Es sei ein Hohn, wenn die Sparkasse beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ einen Sonderpreis auslobt, aber gleichzeitig Dörfern die Zukunft nehme, in dem sie Filiale um Filiale schließt. Wie solle man da Menschen bewegen, ins Holzland zu ziehen?, wollte Jochum wissen.
Der Eigentümer der Immobilie in Heltersberg habe erklärt, dass er den Raum für den Geldautomaten für eine geringe Miete bereitstellen würde. „Auch die Ortsgemeinde wäre bereit, einen Raum zu stellen“, sagte der Beigeordnete Rainer Stucky. Ortsbürgermeister Ralf Mohrhardt musste bei der Demo berufsbedingt passen. Aber die Sparkasse hat das abgelehnt, auch nach einem Gespräch, das der Vorstand im November mit Mitgliedern des Heltersberger Gemeinderates geführt hatte.
Nächste Demo in Pirmasens
Der für Heltersberg angekündigte Sparkassenbus sei keine Alternative. Das habe sich beim VR-Bank-Bus gezeigt. Viele bedauerten, dass man sich damals nicht gewehrt habe, als die VR-Bank-Filiale schloss. Jetzt reicht es, finden sie und stimmten lautstark Besiers Forderung zu: „Wir wollen unsere Geldautomaten.“ Eine Forderung, der sie kommenden Freitag bei einer neuerlichen „Fridays for Finanzen“-Demonstration Nachdruck verleihen wollen. Dann zieht die Demonstration ab 11 Uhr vom Bahnhof bis zur Zentrale der Sparkasse in Pirmasens. Die Demonstranten hoffen, dass sich dort ein Vertreter des Sparkassenvorstandes äußert. Parallel läuft eine Unterschriftenaktion, mit der ein Geldautomat gefordert wird.
Dass so viele Menschen gekommen waren, um ihrem Unmut Luft zu machen, freute die Veranstalter. „Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben eine Demonstration angemeldet“, sagte Vatter. Aber es müsse endlich gezeigt werden, dass das Holzland nicht alles klaglos hinnimmt. Friedlich verlief die Demo, bilanzierte die Polizei in Waldfischbach-Burgalben, die einen Teil der Bahnhofstraße abgesperrt hatte.