Kreis Südwestpfalz Plisch und Plum und die neuen Erstklässer

/Pirmasens. „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“ Das soll Mark Twain einmal gesagt haben. Oder Karl Valentin. Oder Kurt Tucholsky. Irgendjemand hat es jedenfalls irgendwann einmal gesagt, und das Zitat wird immer dann gerne angeführt, wenn es um – nun ja – eben Prognosen geht. Denn je weiter die Zukunft entfernt ist, desto ungenauer ist die Vorhersage, was man immer dann merkt, wenn die Zukunft näher rückt. Dann trifft ein anderes Zitat zu, von dem man genau weiß, wer es geschrieben hat, nämlich Wilhelm Busch in „Plisch und Plum“: „Aber hier, wie überhaupt, kommt es anders, als man glaubt.“ Oder wie man heutzutage geläufiger sagt: „Erstens kommt es anders, zweitens, als man denkt.“ „2016 wird die Zahl der Erstklässer erstmals unter 600 liegen“, schrieb die RHEINPFALZ im Dezember 2010. Das ging aus dem damaligen Schulentwicklungsplan hervor. Der listet auf, wie viele Neugeborenen in den einzelnen Dörfern leben. Daraus lässt sich in etwa ablesen, wie viele Erstklässer es sechs Jahre später geben wird. Ein Beispiel: Ein Kind, das im März 2015 auf die Welt kam und in Dietrichingen wohnt, kommt – sofern es nicht zwischendurch in eine andere Gegend zieht – im Spätsommer 2021 in die Hornbacher Grundschule. 2010 lag die Zahl der Neugeborenen in der Südwestpfalz sehr niedrig. Sechs Jahre später zeigt sich aber: Mittlerweile sind so viele junge Familien hierhergezogen, dass die Zahl der Erstklässer eben nicht unter 600 rutscht. Im Gegenteil: Der Plan wies 2010 noch 547 Erstklässer im Jahr 2016 aus. Tatsächlich sind es 20 Prozent mehr: 673 Kinder werden im August im Landkreis eingeschult. So sagt es zumindest die Prognose mit Stand August 2015 voraus. Stichtag ist der 31. August. Neuere Zahlen hat der Landkreis nicht erhoben. Aber die Verbandsgemeinden haben die aktuellen Zahlen, die auf den tatsächlichen Anmeldungen beruhen. Und mit dem kurzen Abstand von einem Dreivierteljahr stimmt die Prognose so gut wie überall. Manchmal haargenau. An der Grundschule Dellfeld zum Beispiel: Die Prognose vom August 2015 sagt dort 20 Schüler voraus. Elf aus Dellfeld, sechs aus Battweiler, drei aus Walshausen. Genau so steht es auch in den Anmeldezahlen der Verbandsgemeinde, die Sachbearbeiter Frank Kilian mitgeteilt hat. Auch in Hornbach stimmen sowohl die Gesamtzahl als auch die Zahlen aus den einzelnen Orten. In Contwig das gleiche Bild. In Bechhofen stimmt die Gesamtzahl von 13 Erstklässern, allerdings sind darunter nur sieben Bechhofer Kinder statt elf. Dafür sind es drei statt zwei aus Rosenkopf, und drei Käshofer Schüler haben sich für Bechhofen entschieden, weil es dort eine Ganztagsschule gibt. Sie fehlen der Wiesbacher Grundschule. Die kommt nur auf elf statt 15 Schüler. Denn auch zwei Kinder aus Kleinbundenbach aus der Prognose fehlen. Dafür kommt ein Kind aus Mörsbach hinzu, das in der Prognose deshalb nicht auftaucht, weil Mörsbach ein Stadtteil von Zweibrücken ist und damit nicht zum Kreis Südwestpfalz gehört. Das heißt: Etwas Bewegung ist immer noch drin. Vor allem bei den Ganztagsschulen. Denn normalerweise gilt für die Grundschulen der sogenannte Schulbezirk. Ein Sechsjähriger, der in Krähenberg wohnt, wird in Wiesbach eingeschult. Es sei denn, es gibt einen gewichtigen Grund, eine andere Schule zu besuchen. Ein solcher Grund ist der Besuch der Ganztagsschule. Der Krähenberger Junge könnte deshalb auch in die Wallhalber Grundschule gehen. Die Zahlen zeigen auch: Die Grundschulen im Zweibrücker Land müssen sich keine Sorgen um ihren Erhalt machen. Überall reichen die Zahlen noch aus, um eigene erste Klassen zu bilden. Das wäre erst dann anders, wenn in zwei aufeinanderfolgenden Klassen weniger als 24 Kinder sind. Die würden dann zusammen eine sogenannte Kombiklasse bilden. Nach den derzeitigen Zahlen könnte das 2017 die Grundschule Maßweiler treffen. Aber danach sah es auch in früheren Jahren schon aus, und trotzdem reichten die Zahlen bisher immer für eine Klasse pro Jahrgang. Auch die neue Ganztagsschule in Rieschweiler nimmt Maßweiler offenbar keine Schüler weg – auch, weil Maßweiler zwar keine Ganztagsschule ist, aber eine Nachmittagsbetreuung bis 16 Uhr anbietet. Kombiklassen gab es in den vergangenen Jahren im Zweibrücker Land zwar keine, aber im Rest der Südwestpfalz schon, unter anderem in Weselberg und in Nünschweiler, dort sogar mit den Erst- bis Viertklässern in einer Klasse. Der Grund ist bekannt: Zwar wohnen in Höheischweiler und Nünschweiler genug Kinder, aber ihre Eltern schicken sie lieber in die Ganztagsschule nach Thaleischweiler-Fröschen. Fürs nächste Schuljahr wurde in Nünschweiler laut den Zahlen der Verbandsgemeindeverwaltung sogar kein einziges Kind angemeldet. „Ich mache sie nicht zu“, hatte Verbandsbürgermeister Thomas Peifer im Dezember im Gespräch mit der RHEINPFALZ gesagt. Die Betonung lag aber nicht auf „nicht“, sondern auf „ich“. Denn auf Nachfrage ergänzte er: „Die Eltern vielleicht.“ Anders gesagt: Die Frage, wie lange es in Nünschweiler noch eine Grundschule gibt, werden die Eltern selbst treffen – eben indem sie ihre Kinder dort anmelden oder in den Ganztagsschulen in Thaleischweiler-Fröschen oder Rieschweiler-Mühlbach. Deshalb sagte Bürgermeister Peifer über Nünschweiler auch: „Ewig wird’s die Schule dort nicht geben.“ Alle übrigen Grundschulen stünden aber außer Frage. Die Zahl der Flüchtlinge hat keine Auswirkungen auf die Prognose der Schülerzahlen. Die Zahlen stammen vom August 2015, und da hatte die Flüchtlingswelle noch gar nicht so viel Fahrt aufgenommen wie im folgenden Herbst. Dazu kommt, dass Asylbewerber zwar in der Südwestpfalz ein neues Zuhause finden, aber oft nur vorübergehend – etwa weil ihr Asylantrag abgelehnt wird oder weil sie gar nicht hier bleiben, sondern in andere Städte ziehen oder in ihre Heimat zurückkehren. Kreissprecherin Ulla Eder sagt dazu: Eine Aussage, wie sich die Flüchtlingszahlen auf die Grundschulklassen auswirken, „wäre reine Spekulation“. Oder um es mit Mark Twain, Karl Valentin, Kurt Tucholsky oder wem auch immer zu sagen: „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“