Hauenstein
Plädoyer für Windräder vor der Haustür
„Letztlich wird Wasserstoff als Energieträger übrig bleiben. Der Mensch hat in den letzten 200 Jahren alles restlos ausgeplündert, was wir an Energie haben. Um den letzten Tropfen Erdöl wird es ein Hauen und Stechen geben“, sagt Norbert Meyerer. Was den ehemaligen Physiklehrer, der für die CDU im Hauensteiner Verbandsgemeinderat sitzt, aufgerüttelt hat, sind die Aussagen von Wissenschaftlern, dass die Menschheit noch 100 Jahre habe. „Das lässt mir keine Ruhe. Wir müssen doch etwas tun“, sagt Meyerer. Er hält Wasserstoff für den Energieträger der Zukunft. „Um die Jahre des Sterbens hinauszuzögern, brauchen wir eine Energiequelle, die nicht endlich ist. Das ist der Wasserstoff. Hoimar von Dithfurt hat vor Jahren das Buch geschrieben: ,Am Anfang war der Wasserstoff’. Um diesen Wasserstoff müssen wir uns bemühen“, ergänzt er.
Um aus Wasser Wasserstoff und Sauerstoff herzustellen, wird viel Energie benötigt. Diese müsse vor Ort gewonnen werden, erklärt Meyerer. Den Energiebedarf könnte mit Windkraftanlagen abgedeckt werden. „Wir brauchen Windräder. Mit ihnen können wir genügend Energie erzeugen. Elektrische Energie für den täglichen Verbrauch und Energie, um Wasser zu spalten und Wasserstoff zu speichern.“
Ausbau zu langsam
Meyerer ärgert es, dass der Ausbau der Windenergie in Rheinland-Pfalz nicht richtig vorankommt. Und er begrüßt, dass die Bundesregierung die Notwendigkeit zu handeln erkannt und in dieser Woche weitreichende Regelungen getroffen hat. Deshalb müsse über Windkraft im Pfälzerwald geredet werden. „Wenn die Landesregierung Mut hätte, dann hätte sie es schon längst zugelassen“, sagt Norbert Meyerer mit Blick auf den Bau von Windkraftanlagen im Pfälzerwald. Einen geeigneten Standort kennt Meyerer: das ehemalige Militärareal Langer Kopf beim Hermersbergerhof. Das liegt außerhalb der besonders geschützten Kernzone des Pfälzerwaldes.
Reservat kein Dogma
Meyerer kennt den Biosphärenstatus, den der Pfälzerwald hat. Das könne aber kein Argument sein, um jede weitere Entwicklung zu verhindern. „Das Biosphärenreservat soll kein Dogma sein, an dem es nichts zu rütteln gibt“, sagt er. „Es würde auch uns gut tun, wenn wir uns mit Energie selbst versorgen könnten“, fügt er an.
Meyerer spricht von einer Zeitenwende, die ein Umdenken erfordere. Und er weiß, dass seine Meinung derzeit wohl nicht mehrheitsfähig ist. „Ich will die Ratsmitglieder überzeugen“, sagt er mit Blick auf die Verbandsgemeinde. Am 28. Juni, bei der nächsten Sitzung des Verbandsgemeinderates, will er das Thema im Rat wieder ansprechen. „Am liebsten würde ich im Rat eine Elektrolyse vorführen“, ergänzt er. Und er appelliert an seine Kollegen: „Wir sind verpflichtet, Verantwortung zu übernehmen.“ Er geht davon aus, dass sich das Land Rheinland-Pfalz in der Frage Windkraft im Pfälzerwald bewegen wird, wenn der Anstoß von unten, von den Gemeinden und Verbandsgemeinden, kommt. „Wir brauchen diesen Anschub von unten her“, ergänzt er.
Postkartenbild überholt
Die Aussagen, dass der Wald unter dem Bau der Windkraftanlagen leiden würde, weist er zurück. „Es ist dieses Bild im Kopf: Der Pfälzerwald ist windradfrei. Wir brauchen ein anderes Bild“, sagt Meyerer und wendet sich gegen dieses überholte Postkartenbild. „Dem Pfälzerwald würde es nicht schaden. Wir könnten weiterhin durch den Wald wandern, den Sauerstoff einatmen, Waldbaden ...“, bemerkt er. Und er appelliert: „Wir brauchen dieses Umdenken, um die Zeitenwende zu erreichen. Und ich bin sicher, wir werden dadurch etwas gewinnen.“