Kreis Südwestpfalz Pirmasens: Kreis sucht Partner aus der Ärzteschaft
Die Landrätin betonte, sie sei sich bewusst, dass sich die Situation der ärztlichen Versorgung im Bereich der Verbandsgemeinde Dahn insbesondere durch die Schließung der Praxis Eisel-Lebherz in Fischbach verschärfen werde. Sie habe zahlreiche Gespräche mit den Ärzten vor Ort geführt. Bereits im Mai 2018 habe es erste Gespräche gegeben. Gemeinsam mit den Ärzten des Dahner Tals seien Überlegungen begonnen worden, wie man gegensteuern kann. Vorgeschlagene Konzepte und Lösungsansätze seien aber von der Ärzteschaft nicht angenommen worden.
„Meilenstein“ Weiterbildungsverbund
Der Landkreis habe in der Folge gemeinsam mit den Städten Pirmasens und Zweibrücken ein Projekt zur Sicherstellung der ambulanten hausärztlichen Versorgung in der Südwestpfalz aufgelegt und Axel Motzenbäcker als Projektmanager einberufen. Einen „Meilenstein“ nannte Ganster die Bildung eines Weiterbildungsverbundes im Herbst 2019. Gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz, den Krankenhäusern Zweibrücken, Pirmasens und Rodalben sowie den niedergelassenen Ärzten wurde ein Angebot geschaffen, das den Eintritt in die regionale fachärztliche Weiterbildung erleichtert. Der Verbund verfolgt das Ziel, dass möglichst viele Assistenten in der Region verbleiben und als potenzielle Praxisnachfolger zur Verfügung stehen.
Weiterführungen erreicht
Ganster wies auf erste Erfolge hin. So sei es gelungen, in der hausärztlichen Praxis in Waldfischbach-Burgalben eine kardiologische Zweigpraxis zu eröffnen, in Thaleischweiler-Fröschen konnte der Übergang in den Ruhestand eines Mediziners so gestaltet werden, dass der Sitz nicht verloren gegangen sei.
Derzeit erarbeite die KV ein Konzept für ein Medizinisches Versorgungszentrum im Dahner Tal. In ersten Gesprächen sei das Interesse der Ärzte aber nicht sehr groß gewesen. Deshalb begrüßt Ganster Mainbergers Überlegungen zu einer Zusammenarbeit mit anderen Ärzten und die Gründung eines Ärztezentrums. „Wir würden uns hierüber sehr freuen und diese Initiative selbstverständlich sehr gerne unterstützen“, schrieb sie Mainberger in einem offenen Brief.
Brief als erste Rückmeldung
„Wir sind gerne bereit, bei einem MVZ dabei zu sein. Wir helfen bei der Gelände- und Gebäudesuche, aber es braucht ein, zwei Ärzte, um zusammen den Grundstein zu legen“, sagte die Landrätin. Bislang habe es keine Signale aus der Ärzteschaft gegeben. Mainbergers Brief sei jetzt die erste Rückmeldung gewesen. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, betonte Ganster mit Blick auf den Kreis und die beiden Städte. Allerdings hätte die große Weichenstellung auf Bundes- und Landesebene früher erfolgen müssen.
Freihold: Problem wird ausgesessen
In einer Reaktion auf die Berichterstattung über den Mainberger-Brief schrieb die Linke-Bundestagsabgeordnete Brigitte Freihold: „Allen politisch Verantwortlichen ist die dramatische Lage bekannt. Doch seit Jahren wird das Problem nur ausgesessen. Der Markt wird es nicht richten.“ Sie ergänzte: „Die Einrichtung einer kommunalen Gesundheitsgenossenschaft oder eines Gesundheitszentrums in gemeinsamer Trägerschaft des Landkreises, der Verbandsgemeinde oder der Ortsgemeinden würde eine attraktive Perspektive für Mediziner und das Dahner Felsenland schaffen. Andere Kommunen machen es bereits erfolgreich vor.“
Grüne sehen kommunalpolitisches Totalversagen
Bernd Schumacher, Kreisvorstandssprecher von Bündnis90/Die Grünen, und Berthold Haas, der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Dahner Verbandsgemeinderat, bezeichnen in einer Stellungnahme den Umgang der Kommunalpolitik in Dahn und im Kreis Südwestpfalz mit der angekündigten Schließung der hausärztlichen Praxen in Fischbach sowie in den kommenden Jahren in Bundenthal und Bruchweiler als „katastrophales Totalversagen“. Haas kritisiert, dass „die wohnortnahe Versorgung mit gesundheitlichen Dienstleistungen unendlich erschwert“ werde. Schumacher fordert „nachhaltige Lösungen. Zur Not muss die öffentliche Hand halt Allgemeinmediziner anstellen und bezahlen, damit wenigstens eine Grundversorgung in Fischbach erhalten werden kann“.