Kreis Südwestpfalz Pirmasens/Höhfröschen: Nächste Schritte im Kampf gegen die Corona-Krise

So wie in Zweibrücken sollen ab Donnerstag in Höhfröschen Menschen auf das Coronavirus getestet werden.
So wie in Zweibrücken sollen ab Donnerstag in Höhfröschen Menschen auf das Coronavirus getestet werden.

Nach den ersten drei Coronafällen im Landkreis – gestern kamen zwei Infizierte aus den Verbandsgemeinden Dahner Felsenland und Zweibrücken Land hinzu – wurden weitere Maßnahmen getroffen, um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen. Morgen eröffnet ein Corona-Testcenter in Höhfröschen. Die Kreisverwaltung ist ab heute geschlossen, das Gesundheitsamt hat sein Personal aufgestockt.

Die Corona-Hotlines sind überlastet, die Nachfrage nach Testmöglichkeiten ist groß, die Anzahl der Fieberambulanzen ist nicht ausreichend. „Da haben wir uns entschlossen, wir bereiten etwas Eigenes vor“, erklärte Landrätin Susanne Ganster am Dienstag im Pressegespräch. Das Corona-Testcenter wurde am Dienstag auf dem Gelände der Schnelleingreiftruppe im Gewerbepark 3 bei Höhfröschen aufgebaut und soll am Donnerstag um 17 Uhr seinen Betrieb aufnehmen. Montags bis freitags können dort von 17 bis 20 Uhr nach vorheriger Vereinbarung mit dem Hausarzt oder der eigens dafür eingerichteten Hotline Corona-Tests vorgenommen werden.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) habe eine schnelle und unbürokratische Umsetzung des Corona-Testcenters verhindert, weil sie „auf Formalitäten beharrt und keine Kulanz zeigt“, erklärte die Landrätin mit Blick auf den verspäteten Start. Erst als am Montagabend sichergestellt werden konnte, dass ein niedergelassener Arzt mit Kassenzulassung bereitsteht, der die von der KV geforderten Abrechnungen übernimmt, konnte das Testcenter umgesetzt werden.

Drei Ziele werden laut Ganster mit dem Testcenter verfolgt: Die niedergelassenen Ärzte und die Krankenhäuser sollen entlastet werden. Alle Verantwortlichen können dadurch sparsam mit Schutzausstattung umgehen. Und schließlich sei es ein deutliches Zeichen an die Bevölkerung, dass die Kommunen so etwas selbst organisieren können, wenn es die KV nicht umsetzen kann.

Anmeldung über Hotline

Weil die derzeitige Hotline des Gesundheitsamtes häufiger überlastet ist – „es ist schon zum Ausfall der ganzen Telefonanlage der Kreisverwaltung gekommen“, sagte Ganster –, wird eine eigene Hotline eingerichtet. Dort stehen zehn Telefonplätze zur Verfügung, die mit geschulten Mitarbeitern besetzt werden. Darunter sind fünf Mitarbeiter der Stadt. In dem Büro hält sich ein Arzt für Rückfragen auf. Ob ein Anrufer getestet wird, wird anhand eines Fragenkatalogs des Robert-Koch-Instituts ermittelt, wie Hans-Ulrich Koch, der Leiter des Gesundheitsamtes, bemerkte. Die Hotline wird ab Donnerstag werktags von 9 bis 16 Uhr erreichbar sein.

Andere Einrichtungen hätten Lehrgeld bezahlt, sagte Ganster mit Blick auf Fieberambulanzen in der Pfalz, die zum Teil überrannt worden seien. Zugang zum Testcenter in Höhfröschen erhält nur, wer über die Hotline oder den Hausarzt angemeldet wurde. Eine Überweisung ist nicht erforderlich. Ohne Anmeldung wird niemand vorgelassen, ein Ordnungsdienst wird vor Ort sein, es findet eine Zugangskontrolle statt, sagte Ganster.

Drei Behandlungsräume stehen zur Verfügung, Ganster geht davon aus, dass in den drei Stunden bis zu 100 Menschen getestet werden können. „Die Menschen haben das Bedürfnis kurz von einem Arzt untersucht zu werden. Sie wollen nicht nur den Mund aufmachen und den Abstrich vornehmen lassen“, begründete die Landrätin, warum man sich gegen die Drive-in-Lösung entschieden habe.

Kreisverwaltung geschlossen

Die Kreisverwaltung selbst ist ab Mittwoch geschlossen. Ein Kontakt ist nur noch per Telefon oder E-Mail möglich. „Im Moment kommen Bürger verstärkt zu uns. Damit wir unsere Mitarbeiter schützen können, werden wir schließen“, sagte Ganster. Eine Vorsprache bei einem Mitarbeiterist aber nur bei nicht aufschiebbaren, notwendigen Angelegenheiten möglich. Denkbar sei, an drei Tagen jeweils zwei Stunden für diese Gespräche vorzusehen, sagte Ganster.

Das Gesundheitsamt, in dem im Moment 28 Mitarbeiter im Einsatz sind, hat Tätigkeiten wie die Einschulungs- oder amtsärztlichen Untersuchungen eingestellt. „Wir haben unsere Mitarbeiter mit anderen Aufgaben betraut und wir haben Unterstützung aus anderen Verwaltungsabteilungen“, sagte Koch. Auch wenn die Hotline teilweise überlastet sei – fünf Telefonplätze gibt es dafür –, es sei gewährt, dass „jeder, der ein Problem hat, irgendwann jemanden erreicht“.

Ganster hätte sich gewünscht, dass das Land den Katastrophenfall ausruft. „Im Moment ist jeder auf sich alleine gestellt. Wir lassen täglich einen Krisenstab laufen und machen einfach“, ergänzte sie. Die Zusammenarbeit unter den Kommunen – der Kreis und die Städte Pirmasens und Zweibrücken – funktioniere hervorragend. Das zeige sich auch beim Testcenter, an dem Stadt, Kreis und die beiden Krankenhäuser beteiligt sind.

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