Hauenstein
Pipeline-Bau sorgt für Ärger im Pfälzerwald
„Die Wege in der Steinbach sind kaum noch passierbar. Ich weiche halt auf den Fahrradweg Richtung Spirkelbach aus“, sagt eine 40-Jährige, die mit ihrem Hund regelmäßig die Runde vom Baugebiet Kühhohl ins Tal dreht. Und auch die beiden älteren Nordic Walker, die ebenso regelmäßig im Tal die Stöcke schwingen, sind verärgert: „Aus den gut begehbaren Wegen sind aufgeweichte, schlammige und unebene Parcours geworden, die nur noch im Slalom zu begehen sind.“ Auch sie weichen mittlerweile auf andere Strecken aus.
Was ist da los auf den Feldern? Eine Firma aus dem niederbayrischen Deggendorf ist dort zum Teil mit schwerem und überbreitem Baugerät zu Gange, um vorbereitende Arbeiten zu erledigen, damit in den nächsten Wochen und Monaten die Trans-Europa-Naturgas-Pipeline (TENP III) verlegt werden kann. Auf einer Strecke von 51 Kilometern Länge zwischen Mittelbrunn und Klingenmünster ersetzt TENP III die weitgehend in der gleichen Trasse liegende und in den 70er Jahren verlegte TENP I. Es handle sich dabei um eine „technisch notwendige Neuerrichtung“, teilte das Unternehmen Open Grid Europe GmbH (OGE) aus Essen mit, unter dessen Regie die Bauarbeiten laufen.
Arbeitsstreifen eingerichtet
Die Deggendorfer Firma Streicher ist nun damit befasst, einen Arbeitsstreifen einzurichten, der für den An- und Abtransport der rund einen Meter starken Pipelinerohre benötigt wird. In diesem Zug werden, so teilt das Unternehmen weiter mit, auch Telekommunikationskabel ausgetauscht. „Eingriffe in die Natur und Landschaft werden dabei so gering wie möglich gehalten“, hatte eine Pressemitteilung vom 3. November versprochen.
Das freilich sehen die Nutzer der Wald- und Feldwege deutlich anders. Die Spuren der Arbeiten sind überdeutlich: Da ist Waldrandbewuchs in der Steinbach komplett platt gemacht worden, am Fahrradweg im Talgrund der Steinbach ist eine Stück Auwald verschwunden. Die Wege sind durch das Befahren mit schwerem Gerät verbreitert und von zum Teil tiefen Spurrillen durchzogen. Feldraine sind verschwunden. Wo bisher Böschungen waren – beispielsweise am „Falkenburgblick“ – klaffen jetzt fast senkrecht stehende Lehmwände. Betroffen sind auch Teile des Premiumwanderwegs „Schusterpfad“ und des Spazierwanderwegs „Steinbachweg“, der unlängst von der Gemeinde „mit großem Aufwand“ hergerichtet wurde, wie Ortsbürgermeister Michael Zimmermann mitteilt.
Ortsbürgermeister kennt das Problem
Er hat sich selbst ein Bild von den Zuständen gemacht und bestätigt die Klagen der Nutzer der Wege. Er muss freilich konstatieren: „Gegen die Arbeiten an sich und den Einsatz schwerer Maschinen können wir nichts machen, da dies alles der Pipeline-Gesellschaft durch Dienstbarkeiten und Nutzungsvereinbarungen dauerhaft zugestanden wurde.“ Er betont aber auch die „Verpflichtung, den ursprünglichen Zustand der Wege wiederherzustellen und andere Bereiche zu renaturieren“. Er gehe davon aus, dass „dies sehr zügig nach Ablauf der eigentlichen Arbeiten erledigt wird.“ Und: „Wir werden die Arbeiten überwachen und gegebenenfalls den Rückbau einfordern.“
Zu dieser Verpflichtung steht auch das Unternehmen: „Ja, wir sind verpflichtet, nach Abschluss der Bauarbeiten Straßen und Wege wieder in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen“, bestätigt ein Sprecher der OGE auf RHEINPFALZ-Anfrage. Auf die Frage nach einem Zeitfenster bleibt er – und das ist die weniger gute Nachricht – vage. Der eigentliche Pipelinebau, also der Rückbau der TENP I und die Neuverlegung der TENP III, beginne Mitte März. Er dauere „bis voraussichtlich Anfang 2024. Anschließend werden die Straßen und Wege wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt.“
Für Gassigeher, Wanderer und Spaziergänger bedeutet das: Es wird noch dauern.
