Kreis Südwestpfalz Pfiffige Ideen und eine stolze Tradition

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Walsheim. Obwohl Walsheim gerade einmal knapp 900 Einwohner zählt, sind die passenden Räumlichkeiten für die Feiern im Dorf allemal vorhanden. Da ist zum Einen die alte Schule, die als Dorfgemeinschaftshaus dient. Zum Anderen gibt es den alten Keller der einst berühmten Walsheimer Brauerei. Mit seinem schmucken Kreuzgewölbe bildet das ebenerdige Gebäude das ideale Ambiente für den Weihnachtsmarkt, der stets am zweiten Advent stattfindet. Die meisten örtlichen Vereine beteiligten sich daran, berichtet der Ortsvorsteher vom guten Zusammengehörigkeitsgefühl. Auch im Sommer ist der Keller mit seiner angenehmen Kühle attraktiv. Die alten Abluftlöcher lassen die Luft zirkulieren. Für Wasser und Strom, für Brandschutz und Notausgänge ist gesorgt. Inzwischen gibt es einen Toilettencontainer, „der Auftrag gehörte zu meinen ersten Amtshandlungen“, erzählt der Ortsvorsteher. Nun soll noch der Vorplatz befestigt werden. Der Erlös der Fotovoltaikanlage auf dem Dach soll den neuen Sportplatz finanzieren. Der historische Keller erinnert an die Zeiten, als im Ort noch das in ganz Europa bekannte Walsheimer Bier gebraut wurde. Auf alten Fotos sind die Dimensionen des Gebäudes gut zu erkennen. Das Unternehmen zählte um 1920 zu den größten Brauereien Deutschlands. Diese wurde im 19. Jahrhundert gegründet. „Die Nazis haben sie heruntergewirtschaftet, denn einer der Eigentümer war jüdischer Herkunft“, weiß Thomann. Das war Hans Kanter, der später in Frankreich mit der Marke Kanterbräu erfolgreich war. Anfang der 1980er Jahre wurden die verfallenen Walsheimer Gebäude abgerissen. Die Mauer der Brauerei und das heutige Schwimmbad am Campingplatz – der einstige Eisweiher – sind Relikte aus alten Tagen ebenso wie die drei Villen der früheren Eigentümer. Flaschen, Krüge oder Etiketten finden sich bei manchem Sammler. Es gibt im Ort heute wieder eine kleine Brauerei, die der Privatmann Stefan Raffel betreibt. Dessen dunkles Starkbier wird von Thomann sehr gelobt. Daneben führe er weitere Spezialitäten: „Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Betrieb erweitert wird.“ War die Brauerei einst der größte Arbeitgeber am Ort, so ist es heute das Haus Sonne. Zu der anthroposophisch orientierten Einrichtung für 140 behinderte Menschen gehören ein integrativer Waldorf-Kindergarten und eine Förderschule. In der angeschlossenen Werkstatt fertigen die Beschäftigten Holzartikel, die sie auf Märkten verkaufen. In einem kleinen Dorfladen werden Brot und Brötchen der Bäckerei und Obst und Gemüse vom landwirtschaftlichen Betrieb angeboten. Träger der Einrichtung, die rund 250 Arbeitsplätze bietet, ist noch der Verein „Haus Sonne“, dieser soll aber in naher Zukunft von einer Trägergemeinschaft abgelöst werden. Die Bewohner, die aus ganz Deutschland kommen, sind laut Thomann gut in die Dorfgemeinschaft integriert. Auch Zugezogene fänden in Walsheim schnell Anschluss. „Wer irgendwo mitmachen will, wird gern aufgenommen“, betont der Ortsvorsteher. Und die Auswahl an Vereinen ist groß: Da sind der gemischte Chor des Männergesangvereins, Choract, der von Instrumenten begleitet moderne Musik interpretiert, Kaninchenzüchter, Jugendclub, Pensionärverein, Naturschutzbund, Obst- und Gartenbauverein, AH-Fußballer, Schützenverein sowie diverse Fördervereine und die Feuerwehr, die nicht nur im Notfall im Einsatz ist. Der Sportverein ist mit rund 300 Mitgliedern der größte Verein. Vor zwei Jahren wurde das Sportheim saniert und erweitert und mit einem neuen Sanitärtrakt versehen – mit viel Eigenleistung. In Anbetracht der schlechten Haushaltslage kann die Gemeinde Gersheim kaum aufwendige Projekte fördern oder angehen. Bei einem Schuldenstand von 6000 Euro je Einwohner in Walsheim ist „unser Ortsratsbudget derzeit größtenteils eingefroren“, bedauert Thomann. Der barrierefreie Eingang zum Dorfgemeinschaftshaus soll aber auf jeden Fall gebaut werden. „Leider nicht kaufen kann die Gemeinde das marode Haus am Ortseingang.“ Ansonsten „haben wir aber gar nicht so viele Wünsche“. Dass leere Häuser fast immer Käufer fänden, dass Baulücken auch von auswärtigen Bauherren geschlossen würden, zeuge von der Attraktivität Walsheims. Mit der Infrastruktur können die Bürger zufrieden sein. Am Ort ist noch der evangelische Kindergarten, in Medelsheim und Reinheim sind die Grundschulen, in Gersheim, Zweibrücken und Blieskastel weiterführende Schulen. Eine evangelische und eine katholische Kirche prägen wie der schmucke Dorfplatz mit Brunnen das Ortsbild. Einkäufe erledigen die Walsheimer in Einöd, St. Ingbert oder Homburg. Die Volksbank ist geschlossen, auch der Sparkassenbus kommt bald nicht mehr; „aber Geldinstitute, Ärzte und Apotheken sind ja in Gersheim und mit dem Bus kommt man dahin oder man wird im Auto mitgenommen“, weiß der Ortsvorsteher um die Nachbarschaftshilfe. Die Walsheimer arbeiten heute vorwiegend in den umliegenden Städten, Landwirte gibt es – ganz anders als früher - fast keine mehr. Am Ort ansässig sind noch ein großer Bullenmast- und ein Forstbetrieb, ein Reiterhof, einige Handwerker, ein Gasthof, das Hofstübchen vom Bauernhof Bachmann und die Gaststätte, die zum Campingplatz gehört. Früher in Gemeinde-Eigentum, wurde der Campingplatz dieses Jahr aus Kostengründen privatisiert und wird nun vom holländischen Ehepaar Söhngen betrieben. Ortsvorsteher Thomann freut es, dass der Tourismus leicht zunehme. Das ist aber auch nicht verwunderlich, bei der schönen, sanft hügeligen Landschaft rings um Walsheim.

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