Bechhofen
Personalmangel: Was die Bäckerei Lapot alles tut, um neue Mitarbeiter zu finden
Andreas Engel ist noch immer enttäuscht, wenn er an die Schließung seiner Bäckereifiliale in Käshofen vor einigen Wochen denkt. Er habe mehrere Anzeigen geschaltet, um für die Filiale Personal zu gewinnen, aber dennoch keine Bewerbung erhalten, berichtet der Bäckerei-Inhaber. „Wir haben auch mal den Lohn geändert. Trotzdem hat sich niemand bei mir gemeldet.“
Hin und wieder habe er immerhin Bewerber für sein Haupthaus in Bechhofen. Doch er hat schlechte Erfahrungen gemacht: Termine zum Probearbeiten würden kurzfristig abgesagt – und manch ein Bewerber melde sich gar nicht ab. So mussten wegen der angespannten Personaldecke und zur Entlastung der verbliebenen Mitarbeiter die Öffnungszeiten reduziert werden: Der Laden bleibt an Mittwochnachmittagen wieder geschlossen.
Anreize reichen den Bewerbern wohl nicht aus
Für die Zufriedenheit seiner Mitarbeiter tut Engel einiges, doch selbst das sei wohl nicht Anreiz genug, um neue Mitarbeiter zu gewinnen. Er erklärt: „Alle bekommen von mir eine Sachbezugskarte, die monatlich um einen gewissen Betrag aufgeladen werden kann.“ Diese Einkaufskarte könne regional eingesetzt werden. „Das war uns wichtig. Der aufgeladene Betrag ist immer steuerfrei.“ Vollzeitangestellte erhielten dabei mehr Guthaben als Teilzeitkräfte. Zum Geburtstag gebe es noch einmal Geld auf die Karte, zwischen 50 und 60 Euro. „Der Karteninhaber kann sich sein Geld auch ansparen. Bis er sich zum Beispiel einen Fernseher kaufen kann – den dann im Endeffekt die Firma Lapot bezahlt hat.“
Seine Bäckerei sei zudem Partner beim Deutschen Dienstrad. Schaffen sich seine Mitarbeiter ein Fahrrad an, mit dem sie zur Arbeit kommen, müssten sie keine Mehrwertsteuer bezahlen. „Aber selbst das zählt nicht. Ein Kollege von mir meinte, das sei unter den Angestellten mittlerweile ein alter Hut“, sagt Engel.
Die Arbeitszeiten schrecken ab
Auch Lohnerhöhungen würden nicht helfen. Die meisten Bewerber wollten wissen: „Wann muss ich arbeiten? Wann muss ich kommen? Das steht bei ihnen an der ersten Stelle.“ Das ist in seiner Bäckerei um 5 Uhr, wenn die Waren eingeräumt und Brötchen belegt werden. Um 6 Uhr wird der Laden geöffnet. Am Samstag ist um 13 Uhr Schluss. Darüber seien seine Angestellten froh, denn das sei nicht in allen Bäckereien so. Außerdem hat Engel die Anzahl der Feiertage reduziert, an denen er seinen Laden öffnet. „Meine Angestellten haben auch Freizeit verdient. Man muss nicht immer schaffen“, betont er.
Es habe sich schon lange angedeutet, dass die Filiale in Käshofen geschlossen werden müsse, sagt Engel. Wegen einer Baustelle, um die der Verkehr geleitet wurde, seien weniger Kunden vorbeigekommen.
Einem Mindestlohn steht er kritisch gegenüber
Derzeit arbeiteten im Bechhofer Verkauf drei Personen, einschließlich der Co-Chefin Ina Wagner. „Wir waren mal sechs.“ Aktuell bezahle er 15 Euro pro Stunde plus Sachbezugskarte, sagt Engel. „Viel kann ich da nicht reißen. Ich würde gerne mehr bezahlen. Es gibt Betriebe, die im Bäckerhandwerk weniger bezahlen.“
Das Problem an höheren Löhnen seien die damit verbundenen steigenden Lohnnebenkosten. Auch dem Mindestlohn, der für alle Branchen eingeführt werden soll, steht er deshalb kritisch gegenüber. „Der Arbeitnehmer hat nichts davon. Der Arbeitgeber hat nur Kosten, und der einzige, der daran verdient, ist der Staat. Wenn der Mindestlohn steigt, gewinnt dadurch nur einer.“ Für Bäcker komme noch ein weiteres Problem dazu: „Das normale Bäckergehalt lag früher bei 1800 Euro. Damit kommt heute keiner mehr weit. Unsere Bäcker verdienen mehr. Andere Bäcker verdienen woanders weniger, müssen dann aber weniger schaffen.“
Engel: Es gibt immer weniger kleine Bäckereien
Fraglich sei auch, wie lange im Bäckerhandwerk noch ausgebildet werde. Engel erklärt, dass sein Azubi eigentlich in Kaiserslautern in die Berufsschule gehen müsste. „Nur kriegen die in Kaiserslautern schon gar nicht genug Schüler zusammen, dass es sich lohnt, dort eine Klasse zu bilden. Der nächste Schulstandort wäre für meinen Lehrbub dann Neustadt. Wie kann ich ihm das antun? Das ist so weit weg und dann soll er am nächsten Tag morgens in der Frühe schaffen kommen.“ Es sei immerhin möglich, den Schüler mithilfe eines Antrags in Saarbrücken unterzubringen. Erstaunlicherweise seien die Klassen für Bäckereigesellen dort aber voll. Es könnte daran liegen, dass es speziell in der Umgebung immer weniger kleine Bäckereien gebe, die ihre Waren noch selbst produzieren, vermutet Engel.
Im Umkreis gebe es neben seinem Betrieb noch die Bäckerei Sprengard in Martinshöhe und die Bäckereien Jung und Schmidt in Bruchmühlbach-Miesau. Die Bäckerei Reichhart in Waldmohr schließt am Sonntag. Ab Montag übernimmt die Bäckerei Jung. „Die Lohnnebenkosten fressen uns auf. Ich müsste meine Preise so weit anheben, dass ich im Vorfeld weiß, dass sie keiner mehr kaufen würde. Das Kilo Kornbrot kostet bei mir 3,70 Euro. Viele meiner Kollegen verlangen längst 4,30.“