Studie RHEINPFALZ Plus Artikel Onlineshopping: Südwestpfälzer bundesweit Spitzenreiter

Amazon ist bundesweit der stärkste Online-Händler. Die über 30 Päckchen, die im Schnitt jeder Südwestpfälzer 2019 bestellt haben
Amazon ist bundesweit der stärkste Online-Händler. Die über 30 Päckchen, die im Schnitt jeder Südwestpfälzer 2019 bestellt haben soll, stammen aber, anders als zunächst behauptet, nicht alle von diesem Händler.

Für Verwunderung sorgte vor einer Weile die Meldung, wonach die Südwestpfälzer bundesweit am meisten bei Amazon bestellen. Auf Nachfragen bei den Instituten, die die Umfrage durchgefhürt haben, hat sich aber vor allem die Vorliebe für den einen Onlinehändler relativiert. Deutliche Unterschiede gibt es dagegen zwischen Stadt und Land.

31,7 Päckchen soll jeder Südwestpfälzer laut einer Konsumentenstudie der MRU-Unternehmensberatung im vergangenen Jahr, also noch vor der Corona-Pandemie, bestellt haben. Allerdings sind hier alle Online-Händler gemeint – es geht nicht nur um Bestellungen bei Amazon, wie in der Meldung irrtümlich zu lesen war, betont Martin Groß-Albenhausen, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH).

Pirmasenser bestellen deutlich weniger

Das würde bedeuten, dass bei jedem Kreisbewohner von Rumbach bis Käshofen im Schnitt fast alle zwölf Tage der Paketbote klingelt. Die Südwestpfälzer sind nach der Studie bundesweit Spitzenreiter. Dicht dahinter folgt der Landkreis Cochem-Zell mit 31,6 Paketen im Jahr. Laut MRU sind die Südwestpfälzer in der Region mit ihrer Online-Bestellfreude nicht allein, zumindest verglichen mit den Bewohnern anderer Landkreise. Die Südpfälzer kommen beispielsweise auf 29 Pakete und Kaiserslautern-Land auf 29,7. Deutlich weniger Päckchen wurden online in den Städten bestellt. Die Pirmasenser orderten 2019 jeweils 19,8 Päckchen, die Zweibrücker 20. Pirmasens landet damit auf Platz 335 der insgesamt 401 Kreise und Städte. Wesentlich mehr kaufen die Kaiserslauterer online ein: Sie kommen laut MRU auf 26,2 Pakete im Schnitt und landen damit auf Platz 103. Vergleichsweise wenig bestellen die Bewohner des Saarpfalz-Kreises, bei dem Homburg als eingekreiste Stadt eingerechnet wurde. Hier wurden im vergangenen Jahr „nur“ 19,5 Pakete pro Person bestellt.

Anzahl der befragten Südwestpfälzer offen

Grundlage für die Auswertung von MRU sind Interviews des BEVH. Der Verband befragt das ganze Jahr über eine repräsentative Zahl von Menschen nach ihrem Online-Bestellverhalten. So werden laut Groß-Albenhausen um die 40.000 Kunden befragt. Abgefragt wird nicht nur die Anzahl der Bestellungen, sondern auch der Preis, die Art der Ware und der Kaufort, also Onlineshop, Onlinemarktplatz oder Teleshopping, wie Groß-Albenhausen weiter erläutert. Wie viele Südwestpfälzer für die Befragungen kontaktiert wurden, konnten Groß-Albenhausen und Jona Miller von MRU nicht sagen. Laut Groß-Albenhausen wurden in Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr 1780 Personen befragt. Runtergerechnet auf die 98.000 Kreisbewohner würde dies rund 43 befragte Südwestpfälzer ergeben. Ob das wirklich repräsentativ ist? Jona Miller von MRU geht davon aus, dass eine repräsentative Stichprobe zumindest auf Ebene der Bundesländer gegeben sei.

Bundesweit wurden übrigens meist Elektronikartikel bestellt, dicht gefolgt von Bekleidung. Amazon war mit 28 Prozent aller Onlinebestellungen der stärkste Händler.

Weiss sieht keine Versäumnisse des Marketingvereins

Auf die Auswertung von MRU angesprochen, sagt Erich Weiss, Sprecher der Pirmasenser Einzelhändler, dass die Anzahl von rund 20 Paketen im Jahr für die Pirmasenser schon hoch sei, erst recht die mehr als 31 Päckchen der Kreisbewohner. „Die Nachfrage ist da“, schließt Weiss daraus. Ein Versäumnis des Pirmasenser Stadtmarketings, die Kreisbewohner von den Vorzügen des Direkteinkaufs in Pirmasens zu überzeugen, sieht Weiss darin aber nicht. Mit Blick auf die Untersuchung schienen die Pirmasenser selbst vieles immer noch lieber im stationären Einzelhandel zu kaufen als im Internet.

„Es geht immer was, vielleicht erkennen es jetzt auch andere“, sagt Weiss, der das Problem beim Marketingverein in der geringen Anzahl an Einzelhändlern unter den Mitgliedern sieht. Unter den 130 Mitgliedern im Marketingverein seien nur zwölf Einzelhändler. Entsprechend wenig Aktionen könne der Verein deshalb anstoßen. Er selbst mache mit seinem Picks-Raus-Markt mehr als die Hälfte seines Umsatzes mit Kreisbewohnern. Das gelinge aber nur, weil er entsprechend Werbung mache, die in einer ähnlichen Größenordnung liege, wie sie die Discounter tätigen.

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