Hauenstein
Noch kein Bürgermeister-Kandidat aus Partei-Reihen
„Wo, bitteschön bleiben die Parteien?“, fragt denn auch Peter Hofmann im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Er sitzt für die FDP im Verbandsgemeinderat, ohne der FDP anzugehören, und nennt das bisherige Agieren der Parteien ein „Trauerspiel“: Er vermisse „die kämpferische Einstellung und das unbedingte Engagement, den bestmöglichen Kandidaten für diese Verbandsgemeinde zu präsentieren“, sagt er, gehe es doch um nichts anderes als die „Zukunft der Verbandsgemeinde Hauenstein“. Deren Erhalt sei deshalb „eminent wichtig“, weil Hauenstein „bei jeder möglichen Fusion der Verlierer sei“, weil es an Gewicht, an Einfluss und an Bedeutung verliere.
Peter Hofmann erinnert an die „Gründerzeit“ der Verbandsgemeinde vor knapp 50 Jahren, die er als junger kommunalpolitischer Akteur mitgestaltete. „Wir sind damals im Land umhergereist, haben viele Gespräche geführt und haben Ausschau nach dem Kandidaten gehalten, der die schwere Geburt der Verbandsgemeinde Hauenstein am besten managen könnte“, berichtet er. In der Eifel wurde man fündig und präsentierte als Kandidaten den damals blutjungen, knapp über 30 Jahre alten Gottfried Dahm (CDU), der der VG Hauenstein auf die Beine half. Bereits in der Ratssitzung am 9. Juni hatte Peter Hofmann in der K-Frage eine „Lähmung“ konstatiert und den Ratsmitgliedern ein „Wacht endlich auf!“ zugerufen.
Der Allgemeinmediziner im Ruhestand, der auch als Medizin-Professor an der Uni Mainz lehrte, hat seine Besorgnis über diese Entwicklung auch in einem Schreiben an den CDU-Landesvorsitzenden Christian Baldauf zum Ausdruck gebracht. In dem der RHEINPFALZ vorliegenden Schreiben weist er darauf hin, dass die VG Hauenstein „immer eine bedeutende und starke Verbandsgemeinde“ gewesen und maßgeblich „von der CDU geprägt“ worden sei. Leider sei die Partei „in den letzten Jahren zerstritten“, „ohne den nötigen Einfluss“ und ohne „prägende Persönlichkeit“.
Den CDU-Landeschef um Unterstützung gebeten
Die VG Hauenstein brauche bei der nun anstehenden Wahl eine „motivierte Persönlichkeit mit wachem Geist, der ihr den gebührenden Platz zwischen Vorder- und Hinterpfalz verschaffen“ könne. Und er bittet den CDU-Landeschef, seinen „Einfluss bei der Kandidatensuche einzubringen“, damit für die am 13. September stattfindende Wahl ein „starker Kandidat“ mit CDU-Nähe gewonnen werden könne. Er selbst, so schreibt er in dem Brief, sei „parteilos, aber immer am Geschehen interessiert“. Sein Wort habe im Dorf „Gewicht“. Er werde einen entsprechenden Kandidaten unterstützen, schließt Peter Hofmann seinen handgeschriebenen Brief.
Die „Wunschliste“, die der Hauensteiner Christof Reichert bei seiner Wahl zum Landtagskandidaten für die Wahl 2021 formulierte (RHEINPFALZ am 18. Juli), sähe Peter Hofmann gerne um einen weiteren Wunsch ergänzt: „Ich hoffe, dass meine Heimatgemeinde als Verbandsgemeinde erhalten bleibt und nicht zwangsfusioniert wird.“
Dieser Hinweis, sein Appell in der Ratssitzung Anfang Juni und sein Brief an den CDU-Landesvorsitzenden sollen, so Hofmann, aufrütteln, sollen die Wichtigkeit der Entscheidung deutlich machen. Denn: Sehr viel hat sich bei den Parteien respektive Wählergruppen im Vorfeld der Wahl nicht getan. Und: Deadline für eine Bewerbung ist am kommenden Montag, 27. Juli, 18 Uhr.
CDU will am Freitag intern wählen
Bei der CDU, die ihren Kandidaten bei einer Mitgliederversammlung des Gemeindeverbandes am kommenden Freitag, 23. Juli parteiintern wählen will, ist noch keine Entscheidung gefallen. „Wir führen Gespräch in alle Richtungen, sprechen mit möglichen Kandidaten von außen und von innen“, teilte Michael Zimmermann, der den Gemeindeverband der Christdemokraten kommissarisch leitet, auf Anfrage mit. Die CDU werde auf alle Fälle einen Kandidaten präsentieren, einen Kandidaten, der möglichst über „große Verwaltungserfahrung verfügt“.
FWG, SPD und Grüne halten sich bedeckt
Die Freie Wählergruppe der VG, die ihren Rückhalt vor allem im Luger Tal hat, hat zwar erklärt, dass sie den Kandidaten Patrick Weißler, den ersten Ortsbeigeordneten aus Schwanheim, unterstützen werde. Ob freilich der 37-jährige Schwanheimer jener „gemeinsame Kandidat“ ist, den die Koalition aus FWG, SPD und Grünen angekündigt hatte und den man gemeinsam unterstützen wollte (wir berichteten am 18. Mai), das ist offenbar keineswegs in trockenen Tüchern.
Auf die RHEINPFALZ-Anfrage vom 7. Juli, ob Patrik Weißler dieser angekündigte Kandidat sei, teilte Andreas Wilde (SPD) am 14. Juli mit: „Inwieweit der SPD-Gemeindeverband Hauenstein jemanden unterstützt, wird demnächst und zeitnah entschieden.“ Die Mail an Manfred Seibel (Grüne) blieb bisher unbeantwortet. Unbeantwortet blieb ebenso die Frage, ob SPD und Grüne eventuell auch über die Aufstellung eines eigenen Kandidaten nachdächten. Auch von Bernhard Rödig (FDP) gab’s hierzu keine Antwort.
Wilde trat lediglich dem Gerücht entgegen, dass er selbst für das Bürgermeisteramt kandidieren werde. „Bezüglich den Gerüchten, dass ich als Kandidat den Hut in den Ring werfen werde, kann ich ein klares Nein melden.“ Als Beigeordneter in Hauenstein habe er einen Geschäftsbereich, der „sehr viel Spaß macht und in dem ich was bewegen kann“. Zudem funktioniere die Zusammenarbeit mit Bürgermeister Zimmermann und den beiden Beigeordneten Pohl und Kölsch sehr gut.