Maßweiler
Neues Pelztiergehege mit Ausstellung, um Besucher zu sensibilisieren
Rund 1000 Quadratmeter groß ist das künftige Domizil von Waschbären, Füchsen und Nerzen, das gegenüber der Tigeranlage auf dem Tierart-Gelände gebaut wurde. Wo einst eine große Asphaltfläche war, sind nun Gehege entstanden, die bereits bepflanzt sind. Die Arbeiten biegen auf die Zielgerade ein, berichtet Eva Lindenschmidt, die stellvertretende Betriebsleiterin der Tierauffangstation. „Die Gärtnerarbeiten sind abgeschlossen, auch das Panzerglas ist eingebaut.“ Im Juli soll die Anlage fertig sein, für die laut Lindenschmidt bereits rund 500.000 Euro ausgegeben wurden. Die für Erdarbeiten denkbar schlechte Witterung der vergangenen Monate – etwa der Starkregen zu Pfingsten – habe die Arbeiten um einige Wochen verzögert. Deshalb habe Tierart auch das für Anfang Juni geplante Sommerfest absagen müssen.
In die Anlage einziehen sollen eine Gruppe Waschbären und noch weitere Tiere, die bereits auf der Station leben, etwa die beiden aus einer polnischen Pelzfarm stammenden Füchse Ronja und Tomek, die seit einigen Wochen bei Tierart leben. Tomek habe sich gut entwickelt, spiele wie ein Hund. „Die Tiere haben kaum Misstrauen, obwohl sie sehr schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben“, sagt Lindenschmidt. Die beiden wurden in Polen von Aktivisten der Tierschutzorganisation Aninova befreit. Die Farm, auf der Tomek lebte, ist laut Lindenschmidt mittlerweile geschlossen. Bei Tierart leben derzeit fünf Silberfüchse – eine Variante des bekannten Rotfuchses –, zwei Polarfüchse und zwei Rotfüchse sowie ein Marderhund.
Nils Nerz für junge Besucher
Das Gehege soll, zusammen mit einer Ausstellung, das Thema Pelztierfarmen und die grausamen Bedingungen für die Tiere dort verstärkt in den Fokus rücken. In den vergangenen Jahren ist das Thema auch bei Tierart immer wieder aufgetaucht, etwa als im November 2022 die beiden aus einer polnischen Pelzfarm geretteten Silberfuchsweibchen Mala und Skadi nach Maßweiler gekommen waren. In dem Gehege sollen neben den Waschbären und Füchsen auch Nerze einziehen. Diese Tiere werden in Europa ebenfalls in Farmen gehalten – allein, um an das Fell der Tiere zu gelangen und es zu Kleidung zu verarbeiten. In das Gehege integriert werden soll auch eine Ausstellung, die sowohl Erwachsene als auch Kinder ansprechen soll. Für die jüngeren Besucher wurde die Figur Nils Nerz entwickelt, die – auf Schautafeln und Installationen – durch die Ausstellung führen wird, berichtet Lindenschmidt. Ebenfalls zu sehen sein wird eine begehbare Fuchshöhle.
Lindenschmidt unterstreicht, dass Tierart und die dahinter stehende Tierschutzorganisation Vier Pfoten nicht an Tierbefreiungen beteiligt sind, allerdings eine politische Lösung, sprich ein Verbot von Pelztierfarmen, unterstützen und befürworten. „Pelztierfarmen sind in Deutschland nicht verboten. Unser Wunsch wäre ein EU-weites Verbot solcher Einrichtungen“, sagt die stellvertretende Betriebsleiterin.
Zur Sache: Pelztierfarmen in Europa
Polen ist nach Angaben der Tierschutzorganisation Vier Pfoten – diese betreibt zusammen mit dem Verein Tierart die Auffangstation bei Maßweiler – der größte Pelzproduzent der EU. Auf Pelzfarmen in Polen werden jährlich etwa 3,5 Millionen Tiere getötet, mehr als 90 Prozent davon sind Nerze. Im Jahr 2022 wurden laut Vier Pfoten auch 30.000 Füchse und etwa 5000 Marderhunde für die Herstellung von Modeartikeln geschlachtet. In Polen werde über ein nationales Gesetz zum Verbot der Pelztierzucht diskutiert. „In der EU haben 19 Mitgliedstaaten bereits ein vollständiges (16) oder teilweises (drei) Verbot der Pelztierzucht verhängt, aber es gibt noch immer Länder, in denen diese grausame Industrie aktiv ist. Einer der Hauptverantwortlichen ist das Land Polen“, sagt etwa Thomas Pietsch, bei Vier Pfoten der Experte für Pelztier-Industrie. Die Europäische Bürgerinitiative (EBI) „Pelzfreies Europa“ hat jüngst über 1,5 Millionen Unterschriften gegen diese Industrie gesammelt, die der Europäischen Kommission im Jahr 2023 übergeben wurden.