Maßweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Füchse und Marderhunde: Tierauffangstation hat neuen Bewohner aus Pelzfarmen

Die Füchse Skadi (schwarz), Samara (grau) und Mala (weiß).
Die Füchse Skadi (schwarz), Samara (grau) und Mala (weiß).

Die Tierauffangstation bei Maßweiler hat seit Mittwoch fünf neue Bewohner: Zwei Marderhunde und drei Füchse zogen nach einer Reise quer durch Deutschland übergangsweise in zwei unbewohnte Fuchsgehege. Sie stammen von Pelzfarmen in Polen – ein Thema, das auf der Station in naher Zukunft in den Fokus gerückt werden soll und auch einige Baumaßnahmen nach sich ziehen wird.

Es dauert keine fünf Minuten, dann haben die beiden Marderhunde Asami und Emi ihre Transportboxen verlassen und erkunden schnüffelnd ihre neue Welt – die um ein Vielfaches größer ist als die winzigen Käfige auf den Pelztierfarmen, die bisher ihre Heimat waren. Die drei neuen Nachbarn der beiden, die Füchse Skadi, Mala und Samara, lassen sich ein wenig länger Zeit, aber auch sie vermitteln den Eindruck, dass ihnen ihr neues Gehege gut gefällt.

Hannah Nicolaysen und Nicole Meyer strahlen. Die beiden Mitarbeiterinnen der vom Verein Tierart mit Unterstützung der Tierschutzorganisation Vier Pfoten betriebenen Tierauffangstation waren die Reisebegleiter der fünf Neuankömmlinge. Rund neun Stunden waren die beiden mit dem Transporter und den Tieren quer durch Deutschland unterwegs. „Es war viel los auf den Straßen“, berichtet Nicolaysen. In Norddeutschland haben die beiden die Tiere auf einer Auffangstation abgeholt, zuvor waren die Tiere von Tierfarmen aus Polen nach Deutschland gebracht worden.

Polarfüchsin wurde wohl zur Zucht verwendet

Asami und Emi sind zwei Marderhund-Weibchen, eine Tierart, die normalerweise in Asien beheimatet ist, aber bereits in weiten Teilen Europas als eingewanderte Tierart gilt. Mala und Skadi sind zwei Silberfuchsweibchen, mit weißem (Mala) und schwarzem (Skadi) Fell. Silberfüchse sind Varianten von den auch in Deutschland heimischen Rotfüchsen – und in der Pelzindustrie sehr beliebt. Samara ist ein Polarfuchsweibchen und im Gegensatz zu den anderen Tieren bereits einige Jahre alt. In Pelzfarmen werden die Tiere nach Angaben von Stationsleiter Florian Eiserlo und Thomas Pietsch, bei Vier Pfoten Experte für das Thema Wildtiere in der Textilindustrie, selten älter als ein Jahr, bevor sie getötet werden. „Wir vermuten, dass Samara wohl zur Zucht genutzt wurde“, sagt Eiserlo.

Die fünf Neuankömmlinge sind nur der Anfang, berichtet Eiserlo im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Demnächst sollen noch weitere Tiere folgen. Für einige Wochen sollen sie nun in zwei Gehegen leben, die normalerweise mit heimischen Rotfüchsen kurz vor deren Auswilderung besetzt sind. Dass das Thema Pelztierfarmen und die grausamen Bedingungen für die Tiere bei Tierart demnächst verstärkt in den Fokus rücken soll, darauf deuten bereits Markierungen auf dem Asphalt gegenüber des Tigergeheges auf dem Tierart-Gelände hin. Laut Eiserlo sollen dort zwei Gehege (Gesamtfläche rund 1000 Quadratmeter) für Füchse und Marderhunde entstehen, zudem soll noch ein Ausstellungsraum die schrecklichen Haltungsbedingungen in einer Pelzfarm veranschaulichen. Die Marderhunde bekommen dann wohl auch Gesellschaft in ihrem Gehege. „Ich denke, dass auch einige Waschbären mit einziehen werden“, sagt Eiserlo. Die beiden Tierarten haben nicht nur eine gewisse Ähnlichkeit, sie vertrügen sich ganz gut. „Ein Hinweis darauf ist auch schon der Name. Auf Englisch heißen Marderhunde Raccoon dogs, Raccoons sind Waschbären“, sagt der Chef der Station.

Einer der Marderhunde verlässt die Transportbox.
Einer der Marderhunde verlässt die Transportbox.

Pelzfarmen lohnen sich in Deutschland kaum

In Deutschland ist der Betrieb von Pelzfarmen noch erlaubt – zumindest auf dem Papier, wie Pietsch erklärt. „Die Vorgaben sind aber derart streng, dass es sich hier aus wirtschaftlicher Sicht nicht lohnt, eine solche Farm zu betreiben.“ Rund zwölf Millionen Tiere leben in Europa noch in so genannten Pelzfarmen, Betrieben, in denen die Tiere nach etwa einem Jahr Lebenszeit für ihren Pelz geschlachtet werden. Nach Angaben von Pietsch sind es überwiegend Nerze, aber auch Marderhunde und Füchse. „Finnland ist beispielsweise nach China der größte Produzent von Füchsen“, sagt Pietsch. Aber auch in Polen gebe es noch zahlreiche Pelzfarmen.

Zur Sache: Petition gegen Pelzfarmen

Ein Bündnis von Tierschutzorganisationen, darunter die Tierschutzorganisation Vier Pfoten, hat die Europäische Bürgerinitiative (EBI) „Pelzfreies Europa“ ins Leben gerufen. Bis Mai 2023 läuft eine von der Initiative gestartete Petition für ein Verbot der Haltung und Tötung von Pelztieren. Außerdem setzt sich die Initiative dafür ein, Pelze und Pelzprodukte aus der Pelztierzucht auf dem europäischen Markt zu verbieten. Vier Pfoten betreibt zusammen mit dem Verein Tierart die Tierauffangstation bei Maßweiler.

Für den Erfolg der Petition sind eine Million Unterschriften von EU-Bürgern erforderlich, die in mindestens sieben Ländern gesammelt werden müssen. Nur so habe die Petition eine Chance darauf, dem Europäischen Parlament und dem Rat vorgelegt zu werden, womöglich folgt dann ein gesetzliches Verbot für Pelztierfarmen, erklärt Thomas Pietsch, Experte für die Textilindustrie bei Vier Pfoten. „Pelz ist ein unnötiges Luxusprodukt, das unter grausamen Bedingungen produziert wird“, sagt Pietsch. Während der Corona-Pandemie wurden laut Pietsch etwa in den Niederlanden und in Dänemark 15 Millionen Tiere getötet – zum Schutz der Menschen, die auf den Farmen arbeiten. „Dänemark war einmal der größte Pelzproduzent in Europa“, sagt Pietsch.

Laut Vier Pfoten haben 15 der 27 Mitgliedstaaten der EU die Pelztierzucht vollständig verboten oder so streng reguliert – wie Deutschland – , so dass sich die Pelztierzucht wirtschaftlich nicht mehr lohnt. Die Petition haben derzeit rund 510.000 Menschen unterzeichnet.

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