Kreis Südwestpfalz Neues Altersheim soll 90 Plätze bieten
Die Römerhaus GmbH aus Schifferstadt will an der Contwiger Schachenstraße für 13 bis 15 Millionen Euro ein Seniorenheim mit 90 stationären Pflegeplätzen errichten, davon 15 bis 25 für Demenzkranke. Das Unternehmen stellte die Pläne am Donnerstag im Contwiger Gemeinderat vor, der das Vorhaben nach reger Diskussion einstimmig unterstützte. Der Kreisbeigeordnete Peter Spitzer ist von den Plänen indes nicht überzeugt.
Michael Straub, Prokurist und kaufmännischer Leiter bei Römerhaus, geht davon aus, dass in der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land ein Bedarf von 130 Pflegeplätzen besteht. Nach Angaben Straubs sind 21 Prozent der gut 16 000 Einwohner der Verbandsgemeinde 65 Jahre oder älter. Das Unternehmen habe die Erfahrung gemacht, dass sechs Prozent der über 65-Jährigen in den nächsten Jahren einen Pflegeplatz benötigen. Das wären in der Verbandsgemeinde rund 210 Personen. Das Haus Sarepta der Pirmasenser Diakonie stellt in Contwig bereits 78 Plätze, so dass „wir mit unseren 90 den Bedarf fast decken“, sagte Straub. Er sei sich sicher, dass keine verschärfte Konkurrenz mit dem Haus Sarepta entstehe, was auch nicht im Interesse des Unternehmens liege. „Wir arbeiten lieber mit anderen zusammen“, betonte Straub. Der Sozialdezernent des Kreises, Peter Spitzer, ist von den Römerhaus-Plänen nicht begeistert, wie er in der Ratssitzung und gestern gegenüber der RHEINPFALZ deutlich machte. „Ich kann die Bedarfsrechnung nicht nachvollziehen. Wir haben beim Sozialamt andere Werte ermittelt. Sie machen es sich da sehr einfach“, sagte Spitzer in Richtung Straub. „Wir ermitteln in vielen Regionen einen anderen Bedarf als die offiziellen Stellen. Aber das ist unser Risiko als privater Unternehmer. Bisher haben wir gute Erfahrungen gemacht und sind überzeugt, dass das auch in Contwig funktioniert“, entgegnete Straub. Das Unternehmen baue seit 1999 Seniorenheime. Wie viele stationäre Pflegeplätze im Landkreis genau benötigt werden, konnte Spitzer gestern auf Nachfrage nicht sagen. „Wie erheben das gerade. Aber es sind deutlich weniger, als der Investor angibt“, teilte der Sozialdezernent mit. Eine schnelle Umfrage bei den Häusern im Landkreis habe ergeben, dass aktuell zehn stationäre Plätze frei seien. „Mehr konnten wir in der kurzen Zeit nicht ermitteln. Von den Plänen haben wir überraschend aus der Zeitung erfahren. Es wäre schön gewesen, von Anfang an mit im Boot zu sein“, kritisierte Spitzer. Sein Büro sei übrigens ein Stockwerk über dem Kreisbauamt, bei dem Römerhaus im vergangenen Jahr mit seinen Plänen vorsprach. An die Gemeinde Contwig war das Unternehmen nach Angaben von Bürgermeister Karlheinz Bärmann am 21. Juni herangetreten. Spitzer bemängelte weiter, dass das Heim keine ambulanten Pflegeplätze vorsieht. „Wir hätten uns ein Quartierskonzept mit Tagesbetreuung bis hin zur ambulanten Pflege gewünscht“, erklärte Spitzer. Das Sozialamt sei bestrebt, die ambulante Pflege von Senioren so lange wie möglich zu unterstützen. Das sei nicht zuletzt eine Frage des Geldes. „Die stationäre Pflege bewegt sich am oberen Ende der Preisskala. Und das Sozialamt – also die Allgemeinheit – muss ja einspringen, wenn die Bedürftigen nicht mehr zahlen können“, verdeutlichte er. Gebe es keine ambulanten Plätze, bleibe oft nur der teure, stationäre Platz. Straub erklärte der ambulanten Pflege allerdings eine deutliche Absage: „In diesen Bereich wollen wir nicht. Da haben wir am Anfang viel Lehrgeld bezahlt. Stationäre Pflege können wir hingegen zu hundert Prozent. “ Ratsmitglied Walter Carius (CDU) wollte wissen, woher das Personal für das Seniorenheim kommen soll. Römerhaus hat angekündigt, dass in Contwig 50 bis 60 Arbeitsplätze entstehen sollen. „Wie wollen Sie den Mangel an Pflegekräften lösen?“, fragte Carius. Zum einen durch Ausbildung, zum anderen durch Mitarbeiter aus anderen Häusern, antwortete Straub. Doch Carius bezweifelte, dass jemand aus Schifferstadt nach Zweibrücken pendeln wird, und die Ausbildung dauere zwei bis drei Jahre. Römerhaus biete viele Anreize für seine Mitarbeiter, entgegnete Straub. Zum Beispiel würden Pflegekräfte über Dienstleister von allem entlastet, was nichts mit ihrer Arbeit zu tun habe. „Und jeder weiß, das nächste Haus wird gebaut. Dann wird wieder eine Pflegedienstleitung gebraucht. Es gibt also Perspektiven für die Mitarbeiter. Dafür pendeln einige gern. Das hat man bei unserem Haus in Ulm gesehen. Aber wegdiskutieren will ich die Probleme nicht“, sagte Straub. Ratsmitglied Franz Marterer (CDU) störte sich am Aussehen des geplanten Heims: „Der Stil ist alles andere als zeitgemäß. Das erinnert mich an Siedlungen aus den Sechzigern und Siebzigern, die man heute nicht mehr mag. Aber das ist Geschmackssache.“ So sah es auch Straub: „Schönheit liegt im Auge des Betrachters.“ Einstimmig verabschiedete der Rat schließlich das Aufstellen des Bebauungsplans „Seniorenresidenz Schachenstraße“. „Wir sehen den Bedarf und unterstützen das Vorhaben“, sagte Bürgermeister Bärmann und ergänzte: „Wir helfen aber auch der Diakonie bei ihrem Projekt für betreutes Wohnen. Das sind wir unseren Mitbürgern schuldig.“ Wie zuletzt am Donnerstag berichtet, plant die Diakonie im Umfeld ihres Heims so genanntes heimverbundenes Wohnen. Für Römerhaus stehen nun die Verhandlungen mit den Grundstücksbesitzern an.