Hauenstein RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Sirenen sollen flächendeckend warnen

Der modernen Sirenenanlage, die auf dem Dach des Hauensteiner Bürgerhauses installiert ist, sollen in der VG Hauenstein 19 weite
Der modernen Sirenenanlage, die auf dem Dach des Hauensteiner Bürgerhauses installiert ist, sollen in der VG Hauenstein 19 weitere folgen.

Die Flutkatastrophe im Norden des Landes hat überdeutlich gemacht, welche Lücke in unseren Städten und Dörfern der Abbau der Sirenenanlagen in die Alarmierungskette gerissen hat. Die Warn-Apps Nina und Katwarn erfüllen die Erwartungen offenbar nicht. Nicht nur deshalb hat man in der Verbandsgemeinde Hauenstein schon vor dem Flut-Desaster begonnen, die Lücke zu schließen.

Am 17. Juni hatte eine neue, überaus leistungsfähige Sirenenanlage einen ersten Testlauf. Als „Modellprojekt“ für die ganze Verbandsgemeinde sollte die 13.500 Euro teure Anlage dienen. Sie war von dem oberpfälzischen Unternehmen Sirenenbau Fischer auf dem Dach des Bürgerhauses installiert worden. Sie leistet stolze 1200 Watt, ist entsprechend lautstark und kann außer den Sirenentönen auch Sprachnachrichten verbreiten und so den Grund des Alarms im Klartext benennen. Die Anschaffung hatte der Verbandsgemeinderat beschlossen und dafür im Haushalt 15.000 Euro bereitgestellt.

Nach weiteren Testläufen am 29. und 30. Juli waren die Bewohner Hauensteins aufgefordert, über die Homepage der Verbandsgemeinde eine Rückmeldung über die Hörbarkeit der Sirenenanlage und die Verständlichkeit der gesprochenen Teile zu geben. Bereits Mitte Juni hatte der Beigeordnete Andreas Wilde, der das Projekt maßgeblich begleitet, Rückmeldungen gesammelt. „Zu den damals 20 Kommentaren sind nun weitere 30 Rückmeldungen gekommen“, berichtete der Beigeordnete auf Anfrage. „Das war ein sehr erfolgreicher Test, der eine brauchbare Basis für das weitere Vorgehen bildet“, ergänzte Bürgermeister Patrick Weißler.

Rückmeldungen führen zu weiteren Standorten

„Die Rückmeldungen zur Hörbarkeit der Sirenensignale sind weitgehend deckungsgleich: Es gibt Bereiche, wo das Signal klar durchdringt, und andere, wo es nicht ankommt“, berichtet Wilde. Die differenzierte Auswertung mache in Hauenstein fünf weitere Sirenenstandorte notwendig, damit die Signale in der notwendigen Qualität zu hören sein werden: Eine Sirene soll auf einem Mast in der Bergstraße ihren Platz finden, je eine weitere auf den Trafostationen beim TVH-Gelände und in der Queichstraße. Damit auch die Gewerbegebiete an der Alten B10 und im neuen Interkommunalen im Notfall alarmiert werden können, sollen auch dort Anlagen installiert werden.

Zu den Sprachnachrichten, die über die Testanlage verbreitet wurde, wurden unterschiedliche Wahrnehmungen rückgemeldet: „Manche fanden die weibliche Stimme verständlicher, andere die männliche“, berichtet Wilde. Die Verständlichkeit sei wohl auch windabhängig, in einigen Kommentaren habe auch ein störendes Echo für „Satzbrei“ gesorgt. Man werde weiter an der Qualität der Sprachdurchsagen arbeiten, räumte Wilde ein. Vorstellbar sei, dass Alarmdurchsagen auch durch professionelle Sprecher eingespielt werden. Für rund 20 verschiedene Notfall-Szenarien habe man bereits Texte erarbeitet.

Sprachdurchsagen informieren konkret

„Die Sprachdurchsagen sind ein wichtiger Bestandteil der Anlagen, weil wir dadurch unsere Bevölkerung direkt und konkret über die Schadenslage und über eventuell notwendige Maßnahmen informieren können“, betonte Bürgermeister Weißler. „Es wird uns aber nicht gelingen, die Sprachdurchsagen in jedes Wohnzimmer tragen“, ist sich Wilde sicher. „Wichtig ist, dass sich die Leute nach dem Sirenenalarm informieren, was der Grund des Alarms ist.“ Wenn die gesprochenen Texte nicht verstanden wurden, könnten weitere Informationen über die Homepage der VG, über die „sozialen“ Medien oder über die regionalen Radiosender abgerufen werden.

Wie Weißler und Wilde betonten, sei die Standortsuche auch in den anderen Ortsgemeinden der VG angelaufen: Insgesamt 14 Standorte habe man dort identifiziert: In Hinterweidenthal sollen drei Anlagen arbeiten, je zwei sollen in Wilgartswiesen, Schwanheim und Spirkelbach installiert werden und je eine in Lug, Dimbach, Darstein und den Wilgartswiesener Annexen Hermersbergerhof und Hofstätten.

Sirenen arbeiten stromunabhängig

Diese Sirenen können von der Einsatzzentrale der Feuerwehr in der Pirminiusstraße ausgelöst werden. Angestrebt werde auch, dass sie im Bedarfsfall von berechtigten Personen – auch von Verantwortlichen auf Kreis-, Landes- oder Bundesebene – über einen Code vom Handy aus ausgelöst werden können. Die Sirenen arbeiten übrigens stromunabhängig. Bei einem Stromausfall bleiben sie per Akku 20 Stunden lang einsatzbereit.

Nach einer ersten überschlägigen Berechnung soll die Ausstattung aller Ortsgemeinden zwischen 350.000 und 400.000 Euro kosten. 50.000 Euro sind im Haushalt der VG vorgesehen. Zudem hofft man, dass aus dem nun aufgelegten Fördertopf von Bund und Land, der mit 88 Millionen Euro gefüllt ist, entsprechend partizipieren kann. „Wir stehen Gewehr bei Fuß“, sagen Weißler und Wilde. „Unser Förderantrag geht schnellstmöglich raus.“ Zunächst aber muss der Verbandsgemeinderat dem Paket, das dann auch auszuschreiben ist, zustimmen. Spätestens Mitte 2022 sollen die Sirenen stehen. „Wenn alles glatt läuft, könnte auch noch Ende dieses Jahres mit der Umsetzung begonnen werden“, ist Wilde optimistisch.

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