Hauenstein RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Drohnen für Retter: Wie wenn man vom Golf auf einen 40-Tonner umsteigt

Bei einem Feldversuch in Bayern erfuhr Andreas Wilde vom Hauensteiner THW, was mit Drohnen im Einsatz des THW möglich ist, welch
Bei einem Feldversuch in Bayern erfuhr Andreas Wilde vom Hauensteiner THW, was mit Drohnen im Einsatz des THW möglich ist, welche Entwicklungen es bereits gibt und welche zu erwarten sind. Wilde ist Mitglied einer entsprechenden Facharbeitsgruppe auf Bundesebene.

Seit Anfang 2020 ist der THW-Ortsverband Hauenstein Standort der für Rheinland-Pfalz zuständigen Einsatzeinheit „Unbemannte Luftfahrtsysteme (UL)“ – sprich Drohnen. Was mit Drohnen im Einsatz des THW möglich ist und künftig sein wird, das erfuhr Andreas Wilde, der einer entsprechenden Facharbeitsgruppe auf Bundesebene angehört, bei einem Feldversuch der Katastrophenschützer in München. Ein weiterer Test wird folgen: dann in der Pfalz.

Der Hauensteiner Ortsverband verfügt über ein Fluggerät, das mit einer digitalen und einer Thermokamera sowie mit Lautsprecher und Scheinwerfer ausgestattet ist. Die Thermokamera mache es möglich, aus der Luft große Flächen nach Vermissten abzusuchen. Auch bei Großbränden können die Drohnen eingesetzt werden. Versteckte Wärmequellen oder Glutnester können aus der Luft festgestellt werden. Dadurch entfalle ein Stück weit die Gefährdung der Einsatzkräfte, betont Wilde.

Darum geht es auch bei den neuen Technologien, die im Rahmen des von der EU mit sieben Millionen Euro geförderten Forschungsprojekts „Cursor“ entwickelt werden. Die Federführung des Projekts liegt beim THW, als Projektkoordinatorin fungiert Tiina Ristmäe. Was Wilde bei dem Feldversucht auf einem ehemaligen Militärgelände bei München kennenlernte, das sei gegenüber der in Hauenstein stationierten Drohne aber eine „ganz andere Liga“.

Die THW-Drohne habe ein Gewicht von knapp zwei Kilogramm. Die von der österreichischen Firma ISCC entwickelten Drohnen, die bei dem Feldversuch in Bayern geflogen wurden, bringen dagegen 18 Kilogramm auf die Waage. „Das ist, wie wenn man in der Fahrschule auf einem VW-Golf lernt und dann auf einen 40-Tonner umsteigt“, so habe ein THW-Kollege aus Bad Honnef das völlig andere Fluggefühl beschrieben, berichtet Wilde.

Es sind schon besondere Drohnen, die da getestet werden: 1,60 Meter im Durchmesser sind sie groß, sechs Propeller sorgen für eine Tragfähigkeit von bis zu neun Kilogramm. Bei dieser Zuladung kann das Gerät mit vier Batterie-Packs gut 30 Minuten in der Luft bleiben. Und diese Kraft ist es, die die Drohnen im Einsatz brauchen. Beim Test auf dem Trümmergelände bei München setzte Wilde kleine Roboter-Attrappen per Drohne auf einem Trümmerfeld ab.

Im Ernstfall werden es keine Attrappen sein, sondern kleine Roboter auf Rädern. Sie sollen im Katastrophenfall – nach Erdbeben oder Explosionen – auf einsturzgefährdeten Trümmerkegeln nach Verschütteten suchen. Diese in Japan entwickelten Roboter können sehen, hören und riechen, erklärt Wilde. „Sie haben Audio- und Video-Komponenten und eine Art Hundenase, den Sniffer. Der Sniffer kann Menschen erschnüffeln. Und er riecht auch den Unterschied, ob jemand noch lebt oder nicht“, beschreibt Tiina Ristmäe die unglaublichen Fähigkeiten.

Das Bioradar wird als weitere Technologie derzeit getestet. Es wird ebenfalls per Drohne abgesetzt, um Verschüttete aufzuspüren. Dabei werde der Umstand genutzt, dass der menschliche Körper überwiegend aus Wasser besteht und Wasser die Radarstrahlung reflektiert. Getestet wurde auch eine „Mothership“-Drohne, die über Kabel mit Energie versorgt wird und tagelang in der Luft bleiben kann.

Ziel des Feldtests sei es nicht nur gewesen, die Einsatzfähigkeit neu entwickelter Technologien unter realistischen Bedingungen zu testen, sondern auch die Erfahrungen und Eindrücke der Einsatzkräfte zu sammeln und in die weitere Entwicklung einfließen zu lassen, resümierte Ristmäe. Die Geräte würden speziell für die Retter entwickelt und während der Entwicklung permanent getestet. Und zwar von denen, die sie einmal anwenden sollen. „Wir sagen, was wir brauchen. Und der technische Partner entwickelt das“, sagt Ristmäe. Der nächste Test ist im Oktober in Hauenstein vorgesehen.

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