Hinterweidenthal / Dahn RHEINPFALZ Plus Artikel Naturfotograf kennt die schönsten Plätze im Pfälzerwald

Um Sonnenaufgänge zu fotografieren, ist Forian Disque oft schon im Morgengrauen auf den Felsen der Region unterwegs.
Um Sonnenaufgänge zu fotografieren, ist Forian Disque oft schon im Morgengrauen auf den Felsen der Region unterwegs.

Kopf hoch: Er steht gelegentlich um vier Uhr auf, um atemberaubende Momente festzuhalten, verkauft seine Fotos gegen Süßigkeiten an Freunde und hat sich die Technik selbst beigebracht: Florian Disque erzählt im RHEINPFALZ-Gespräch, wie man schöne Dinge und Momente erkennt und wie dankbar er gerade für sein Hobby ist.

Man kann ihn fast Fotografiefanatiker nennen: Florian Disque verlässt das Haus nicht, ohne mindestens eine Kamera im Gepäck zu haben. Eine halbe Million Fotos haben sich in den vergangenen zehn Jahren angesammelt. Weil Speicherplatz teuer ist, hält sich der Maschinenbaustudent neuerdings aber etwas zurück und knipst nicht mehr wild darauf los. „Von jedem Motiv habe ich nur noch ein Bild“, erzählt Florian Disque. „Das war früher anders.“ Angefangen hat seine Leidenschaft für die Fotografie auf einer Messdienerfreizeit, wo er als 15-Jähriger schöne Momente im Ferienlager mit einer Digitalkamera festhielt.

Auslöser für vieles andere

Danach hat er sein Hobby immer weiterentwickelt. „Manchmal frage ich mich, ob das überhaupt noch ein Hobby ist“, gesteht der Hinterweidenthaler lachend. „Ich kann nur jedem wünschen, so eine Leidenschaft zu finden, wie es die Fotografie für mich ist. Ich bin überzeugt davon, dass jeder so etwas hat – etwas, woran man sich festhalten und einfach sein Ding machen kann. Man muss es nur erkennen.“ Seine Bilder verkauft Disque nicht – dafür müsste er ein Gewerbe anmelden. Nur Freunde können seine Fotos gegen Süßigkeiten erwerben. „Damit die Fotografie ein Hobby bleibt, habe ich mich gegen eine Ausbildung zum Fotografen und für ein Maschinenbaustudium entschieden“, erzählt der 27-Jährige. „Nur mit meiner alten Schule, dem Otfried-von-Weißenburg-Gymnasium in Dahn, habe ich einen Vertrag. Da fotografiere ich normalerweise auf dem Abiball oder anderen Veranstaltungen, damit ich mir mein Hobby finanzieren kann.“

Wenn er nicht gerade fotografiert, ist Disque im Gottesdienst anzutreffen oder mit seinem Mountainbike unterwegs – neue Orte entdecken, die er fotografieren möchte. „Ich fahre jeden Tag 20 bis 30 Kilometer, und meistens ist die Kamera dabei. Oder wenigstens ein Handy“, sagt der 27-Jährige. „Die beiden Hobbys lassen sich perfekt kombinieren – beim Radfahren kann ich mich auspowern. Die Fotografie ist dagegen ein toller Ausgleich. Da nehme ich mir Zeit, ich kann runterkommen und den Moment genießen.“

Fotografieren ist aber nicht nur Ausgleich, sondern war Auslöser für vieles andere. „Dadurch bin ich zum Mountainbiken gekommen – die Aussicht auf ein tolles neues Motiv motiviert mich, loszufahren oder meine Radtour etwas auszudehnen. Letztens bin ich zum Beispiel mit dem Rad von Hinterweidenthal nach Annweiler und wieder zurück gefahren, weil ich den Trifels fotografieren wollte.“

„Wir leben in einer geilen Region“

Für seine zwei krisensicheren Hobbys, die er ausleben kann, ist Disque dankbar. Nur bei schlechtem Wetter bleibt er lieber im Warmen und Trockenen. „Wir leben in einer geilen Region. Beim Fotografieren und Radfahren muss ich immer wieder feststellen, wie viele schöne Orte es hier und auch in ganz Deutschland gibt. Da muss man nicht weit weg fliegen.“ Der heimatverbundene Student fotografiert am liebsten Landschaften des Pfälzerwaldes, der Alpen oder der Nord- und Ostsee. „Die Nordsee ist meine zweite Heimat. Da würde ich gerne mal wieder fotografieren“.

Besonders wichtig ist dem Hobbyfotografen, dass seine Bilder natürlich sind. Auf Filter und Nachbearbeitung verzichtet er. „Ich möchte kein perfektes Bild – ich möchte den Moment festhalten, so wie er ist“, erklärt Disque. „Ich fotografiere auch kaum schwarz-weiß – wir sehen schließlich farbig.“ Von gestellten Bildern hält er nichts. „Am liebsten fotografiere ich Menschen, wenn sie sich unbeobachtet fühlen. Dann sind die Emotionen echt, und die Leute sind im Nachhinein beim Betrachten des Bildes überrascht, wie lebensfroh und glücklich sie in diesem Moment waren. Viele sehen erst auf dem Bild, wie schön der Augenblick war und wie ausgelassenen sie lachen oder sein können.“

Kann dem schnellen Finger vertrauen

Eine Freundin, die er mit seiner Leidenschaft angesteckt hat – gelegentlich postet er ein paar Fotos von der gemeinsamen Fotojagd im Pfälzerwald in den sozialen Medien – hat sogar Modelangebote bekommen. „Ich habe mit der Zeit ein gutes Gespür dafür entwickelt, wann ich den Auslöser drücken muss“, erklärt Disque. „Bei Events wie dem Abiball kann es sein, dass ein Schüler im einen Moment lacht, und kurz darauf hat er oder sie die Augen zu. Meistens habe ich Glück und erwische den Moment – da kann ich meinem Finger vertrauen.“

Wenn das mal nicht klappt, ist es auch nicht schlimm. Neben tollen Motiven gibt es viele verschwommene, unscharfe, falsch belichtete oder verwackelte Bilder. Jedes Mal lernt er dazu, versucht es bei der nächsten Gelegenheit auf andere Weise. „Ich habe mich langsam herangetastet und mich mit meiner Kameraausstattung weiterentwickelt. Einen Kurs habe ich nie besucht, und ein Buch habe ich auch nicht.“ Disque merkt schnell, wenn er länger nicht fotografiert hat: Die Kamerabedienung verlernt man nicht, aber der Blick für Motive, Bildausschnitte und Blickwinkel gehe ein wenig verloren. Den Blick für die schönen kleinen Dinge im Alltag müsse man schulen. „Seitdem ich fotografiere, nehme ich diese Augenblicke stärker wahr und halte sie für die Ewigkeit fest.“

Ein ganz besonderes Motiv sei der Sonnenaufgang, für den der Student auch unter der Woche bereits um vier Uhr morgens auf den Felsen und Burgen der Region zu finden ist. Der Naturfotograf hat auch seine geheimen Orte, die er niemandem verrät. „Es gibt leider viel zu viele schöne Plätze, die zugemüllt und deren Idyllen zerstört werden. Die Falkenbrutzeit wird auch nicht von allen respektiert. Dazu möchte ich nicht beitragen – diese Orte sollen so schön und möglichst unberührt bleiben“, erklärt er. „Als Naturfotograf sehe ich mich auch als Naturschützer. Dementsprechend verhalte ich mich im Wald.“

Die Serie: Kopf hoch

Monatelanger Stillstand, kaum Perspektiven, absolute Corona-Müdigkeit: Die Pandemie hat allen zugesetzt, mehr oder weniger schlimm. Wie kann man weitermachen oder sogar neu starten? Wie kann man sich überhaupt motivieren? Wir sprechen darüber in unserer locker erscheinenden Serie mit Menschen, die das aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten.

Florian Disque kennt viele geheime Flecken im Pfälzerwald.
Florian Disque kennt viele geheime Flecken im Pfälzerwald.
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