Kreis Südwestpfalz Nach Jahrzehnten endlich Gewissheit

„Als die Flieger vom Himmel fielen – im Raum Waldfischbach-Burgalben“, nennt Vermisstenforscher Uwe Benkel seine neue Dokumentation. Der erste von zwei Bänden ist jetzt erschienen und beschäftigt sich mit vier Flugzeugabstürzen und gerade noch vermiedenen Abstürzen im Zweiten Weltkrieg in der Region Waldfischbach-Burgalben. 15 Jahre Recherche flossen in das Projekt. „Und kaum eine Geschichte ist ganz zu Ende erzählt“, sagt Benkel.
Ein ähnliches Buch, das sich mit Abstürzen im Zweibrücker Raum beschäftigen wird, ist gerade am Entstehen. In Benkels Band über Heltersberg findet sich ein Beispiel dafür, dass sich durch intensive Puzzlearbeit vieles aufklären lässt, das den Angehörigen von Opfern des Krieges nach Jahrzehnten endlich Gewissheit bringt. Und doch bleiben immer wieder Fragen offen: So beim Absturz eines britischen Lancaster-Bombers im Schwarzbachtal im September 1943. An der Bombardierung Mannheims und Ludwigshafens war die Maschine beteiligt, auf dem Rückflug stürzte sie ab. Mithilfe von Zeitzeugen, die noch Fotomaterial hatten und sich gut erinnern konnten, gelang es Benkel über die Jahre, die Geschichte zusammenzusetzen. Aber bis heute ist nicht völlig geklärt, was mit der Besatzung geschah. „Im Archiv der Gemeinde Waldfischbach-Burgalben sind fünf Namen von Besatzungsmitgliedern vermerkt, die ausgegraben wurden. Aus den offiziellen britischen Umbettungsformularen geht hervor, dass fünf Besatzungsmitglieder umgebettet wurden. Auf dem britischen Soldatenfriedhof in Rheinberg sind aber laut Grabstein alle sechs Besatzungsmitglieder beerdigt“, sagt der Vermisstenforscher. „Was ist also mit dem sechsten Besatzungsmitglied geschehen?“, lautet die offene Frage. Das sind Fragen, die typischerweise zu weiteren Recherchen, weiteren Geschichten führen, erläutert Benkel, wie die Arbeitsgruppe Vermisstenforschung an Themen herangeht. Für ihn selbst war die Flugzeugkatastrophe von Ramstein im Jahr 1988 der Auslöser, sich intensiver mit dem Thema Flugzeugabstürze zu befassen. „Ich habe mich aber schon immer für Flugzeuge interessiert. Zwei Brüder meines Vaters sind auch in Russland vermisst“, erzählt Benkel, dass schon früh wichtige Bezugspunkte zum Thema da waren. Ramstein sei aber die Initialzündung gewesen, sich zu engagieren, Geschichte zu dokumentieren, „weil die Zeitzeugen irgendwann nicht mehr leben werden und die Geschichte nie vergessen werden darf“, sagt Benkel. Deshalb habe er die Recherchen zu den Flugzeugabstürzen in der Region auch zu Papier gebracht. „Ich erhoffe mir natürlich, dass sich dadurch noch Menschen melden, die sich erinnern und vielleicht noch kleine, bislang ungeklärte Puzzleteile zu Geschichten beisteuern können“, sagt Benkel, der mittlerweile ein sehr umfangreiches Archiv und ein noch größeres Netzwerk hat. Nicht nur in Deutschland, auch in den USA, in England und vielen anderen Ländern, die im Zweiten Weltkrieg mit der Region in Verbindung kamen. Was ihn persönlich nach wie vor am meisten berühre, seien die Momente, wenn Angehörige abgestürzter Piloten nach Jahrzehnten Gewissheit über das Schicksal des Vaters, des Onkels, des Bruders bekämen. „Abschließen zu können, ist für die Menschen sehr wichtig“, sagt er und hat im ersten Band den Absturz einer französischen Militärmaschine bei Heltersberg (1939) dokumentiert, ergänzt durch einen Besuch der Kinder des abgestürzten Piloten der Abschussstelle in Heltersberg. |add